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Das „Familienerbe“ – diese 5 Möglichkeiten sollten Sie als Ehepaar oder Familie kennen

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Das „Familienerbe“ – diese 5 Möglichkeiten sollten Sie als Ehepaar oder Familie kennen
Um für Frieden innerhalb der Familie zu sorgen, sollten Erblasser rechtzeitig die Erbfolge festlegen.

Auch wenn man für seinen letzten Willen eigentlich nicht mehr braucht als einen Stift und ein Blatt Papier, lauern im Erbrecht doch viele Stolpersteine und es gibt nicht nur das einfache Testament, um der Familie das eigene Vermögen zu vermachen. Gerade Familien und Ehepaare sollten daher die fünf wichtigsten Möglichkeiten zur Vermögensübertragung mit ihren jeweiligen Vorteilen und Nachteilen kennen.

Einzeltestament

Grundsätzlich hat man auch in der Ehe nach wie vor die Möglichkeit ein ganz normales Testament aufzusetzen. Regelt jeder Ehepartner seinen letzten Willen für sich, spricht man von einem Einzeltestament bzw. zwei Einzeltestamenten. Für das Einzeltestament gelten die ganz normalen erbrechtlichen Regelungen, das heißt der jeweilige Erblasser muss testierfähig sein und entweder ein handschriftliches Testament verfassen oder das Testament von einem Notar beglaubigen lassen.

Der große Vorteil des Einzeltestaments ist seine Individualität und Flexibilität. Als Erblasser können sowohl Ehefrau als auch Ehemann ihr Testament jederzeit an neue Verhältnisse anpassen und ändern. Auch wenn die Einzeltestamente auf einander abgestimmt werden können, bergen sie bei ihrer Eröffnung aber die Gefahr einer bösen Überraschung. Denn beim Einzeltestament sind die Partner weder verpflichtet, sich an diese Abmachung zu halten, noch etwaige Änderungen miteinander abzustimmen. Ein Einzeltestament kann deshalb auch geändert werden, ohne dass der Partner dies erfährt.

Ehegattentestament 

Enthält ein Testament letztwillige Verfügungen von beiden Ehepartnern, spricht man von einem gemeinschaftlichen Testament oder Ehegattentestament. Beim gemeinschaftlichen Testament treffen beide Eheleute also gemeinsam den Entschluss, gemeinsam über ihren Nachlass verfügen zu wollen und ihren letzten Willen gemeinschaftlich zu erklären. Mit dem Ehegattentestament können Ehepaare ihre Erbfolge gemeinsam regeln und sich gegenseitig absichern. Das Ehegattentestament erfüllt deshalb das Bedürfnis von Eheleuten oder eingetragenen Lebenspartnern, gemeinsam zu entscheiden, was nach dem Tod eines Partners geschehen soll.

Auch wenn die Ehepartner gemeinsam entscheiden, ihren Nachlass regeln zu wollen, treffen beide eigenständig ihre Verfügung über ihr jeweiliges Vermögen. Formell kann das Ehegattentestament sowohl privatschriftlich aufgesetzt oder von einem Notar beglaubigt werden. Abhängig von der genauen Gestaltung des gemeinschaftlichen Testaments unterscheidet man beim Ehegattentestament drei verschiedene Arten. Das gleichzeitige gemeinschaftliche Testament zeichnet sich dadurch aus, dass es sich um zwei Einzeltestamente handelt, die nur äußerlich zu einem Testament verbunden werden, ohne dass ihre Inhalte miteinander verbunden sind. Beim gegenseitigen Ehegattentestament setzen sich beide Ehepartner jeweils als Erben ein. Das wechselseitige Testament ist dadurch charakterisiert, dass es vom Testament des jeweils andern Ehepartners abhängig ist. Deshalb ist die Verfügung des einen Ehepartners beim wechselseitigen Ehegattentestament von der Verfügung des anderen abhängig und soll nur solange existieren wie das jeweils andere.

Auch das Ehegattentestament ist flexibel und kann von jedem Ehepartner jederzeit widerrufen werden. Im Gegensatz zum Einzeltestament kann es aber nicht heimlich geändert oder widerrufen werden, denn der Widerruf muss beim Notar erfolgen und wird dem anderen Ehepartner zugestellt. Das Ehegattentestament hat daher einerseits den Vorteil, dass es dem Wunsch vieler Ehepaare entspricht, ihre Lebensverhältnisse auch über den Tod hinaus gemeinsam zu regeln, und andererseits im Gegensatz zum Einzeltestament vor bösen Überraschungen schützt. Für einen Partner allein ist es aber deutlich aufwendiger, den letzten Willen zu ändern, wenn sich die Lebensumstände ändern.

Berliner Testament

Das Berliner Testament ist eine besondere Variante des gemeinschaftlichen Testaments und charakterisiert sich durch eine bestimmte Erbfolge. Beim Berliner Testament setzen sich die Ehepartner zunächst gegenseitig als Alleinerben ein und die gemeinsamen Kinder als Schlusserben nach dem Tod des zweiten Ehepartners. Beim Berliner Testament erbt also zunächst die überlebende Ehefrau bzw. der überlebende Ehemann das gesamte Vermögen und nach deren Tod geht das Vermögen an die gemeinsamen Kinder.

Damit regelt das Berliner Testament zwei Erbfälle. Zunächst wird für den Tod des ersten Partners der überlebende Ehepartner als Alleinerbe eingesetzt. Verstirbt dieser, regelt das Berliner Testament auch dessen Erbfolge. Die meisten Paare setzen ihre Kinder als Schlusserben ein, es kann aber auch jede andere Person als Schlusserbe eingesetzt werden.

Das Berliner Testament ist der Klassiker unter den Ehegattentestamenten. Es hat aber eine relativ hohe Bindungswirkung, die nicht immer als Vorteil gesehen wird. Nach dem ersten Todesfall kann der überlebende Ehepartner für den zweiten Erbfall in der Regel keine andere Verfügung mehr treffen. So entschieden die Gerichte im Fall einer Witwe, die sich nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem Sohn überworfen hatte, dass sie diesen nach dem gültigen Berliner Testament nicht enterben durfte.

Erbvertrag

Der Erbvertrag ist im deutschen Recht die zweite Möglichkeit, eine Verfügung von Todes wegen zu treffen. Der Erbvertrag ist eine Vereinbarung, mit der sich eine Person verpflichtet, ihr Vermögen in ihrem Todesfall einer anderen Person wie z. B. der Ehefrau oder dem Ehemann zu übertragen. Im Gegensatz zum einseitigen Testament erfordert der Erbvertrag als Vertrag deshalb nicht nur den Willen des Erblassers, sondern auch den des Erben. Für den Erbvertrag muss man sowohl testierfähig als auch geschäftsfähig sein. Um einen Erbvertrag schließen zu können, muss man also einerseits rechtlich fähig sein, ein wirksames Testament zu entrichten, und andererseits in der Lage sein, rechtliche Willenserklärungen abzugeben. Darüber hinaus ist ein Erbvertrag nur wirksam, wenn er vor einem Notar geschlossen wird.

Besonders kennzeichnend für den Erbvertrag ist seine hohe Bindungswirkung, die sich sowohl als Vorteil als auch als Nachteil erweisen kann. Haben sich Eheleute in einem Erbvertrag auf eine bestimmte Erbfolge geeinigt und sich z. B. gegenseitig als Alleinerben sowie die gemeinsamen Kinder als Schlusserben eingesetzt, können sie ihre Erbfolge nicht mehr ohne Weiteres anders regeln. Anders als das Testament, das jederzeit durch ein neues Testament ersetzt werden kann, entfaltet der Erbvertrag damit schon zu Lebzeiten Bindungswirkung. Mit dem Erbvertrag schränkt man deshalb seine eigene Testierfreiheit ein, weil man keine andere letztwillige Verfügung mehr treffen darf – außer der Erbvertrag wird aufgehoben.

Vorweggenommene Erbfolge

Die vorweggenommene Erbfolge ist ebenfalls eine attraktive Möglichkeit, das eigene Vermögen auf Kinder und Familie zu übertragen. Im Gegensatz zur letztwilligen Verfügung in Form eines Testaments oder Erbvertrages erfolgt die Vermögensübertragung bei der vorweggenommenen Erbfolge in Form einer Schenkung noch zu Lebzeiten. Die Gründe hierfür können sehr vielfältig sein und liegen gerade bei einem umfangreichen Vermögen vor allem bei der Reduktion der Steuerlast. Zwar sind Schenkungen ebenso wenig steuerfrei wie Erbvorgänge, aber es gibt für Schenkungen innerhalb der Familie verschiedene Freibeträge, die man alle zehn Jahre neu nutzen kann. Die vorweggenommene Erbfolge ist deshalb ein Instrument, das es ermöglicht, größere Vermögenswerte steuerfrei zu übertragen.

Rechtliche Grundlage für die vorweggenommene Erbfolge ist ein ganz normaler zivilrechtlicher Schenkungsvertrag wie er z. B. auch für Weihnachtsgeschenke oder Geburtstagsgeschenke abgeschlossen wird. Von einer vorweggenommenen Erbfolge spricht man immer dann, wenn Vermögensanteile an Familienmitglieder verschenkt werden, weil diese den betreffenden Vermögensteil im Erbfall ohnehin erhalten würden.

Fazit: Ehepaare und Familien haben also viele Möglichkeiten, ihren Nachlass zu Lebzeiten getrennt oder gemeinsam zu regeln. Sie sollten sich aber darüber bewusst sein, dass jede Variante nicht nur Vorteile hat und sie sollten die jeweiligen erbrechtlichen Stolpersteine der Gestaltungsmöglichkeit kennen.

(THE)

Foto : Fotolia.com/Monkey Business


Rechtstipp vom 31.01.2017
aus dem Rechtsgebiet Erbrecht

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