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Das Familiengutachten

Rechtstipp vom 31.01.2019
Rechtstipp vom 31.01.2019

Eine große Rolle spielen familienpsychologische Gutachten in der Praxis des Umgangs- und Sorgerechts. Sie werden von den Gerichten in Auftrag gegeben, wenn es um die Klärung einzelner Sachverhalte geht, z. B. hinsichtlich der Frage, wo sich die Kinder in Zukunft am besten entwickeln können bzw. versorgt sind, sollten die Eltern keine einvernehmliche Lösung finden. Das Gutachten dient der Erhebung psychologischer Tatsachen. Richter, welche nicht in solchen psychologischen Methoden ausgebildet sind, geben daher sog. familienpsychologische Gutachten bei Experten in Auftrag. Diese sind jedoch teilweise in mangelhafter Qualität, da nicht wissenschaftliche Standards eingehalten werden. Wir wollen Ihnen im Folgenden die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum familienpsychologischen Gutachten geben.
 
Gründe für ein familienpsychologisches Gutachten
 
Immer dann, wenn ein Richter eine Tatsache abklären will, wofür er selber wegen mangelnder Fachkenntnis nicht ausgebildet ist, werden familienpsychologische Gutachten eingeholt. So jedenfalls sieht es das Gesetz vor. Leider werden in der richterlichen Praxis diese Gutachten jedoch häufig dann beauftragt, wenn der Richter sich eine Entscheidung durch das Gutachten erhofft. Sinn und Zweck des Gutachtens ist dies jedoch nicht, so dass hier mit anwaltlicher Hilfe ein Einschreiten der betroffenen Parteien ratsam ist.
 
Qualifikation des Gutachters
 
Psychologen, welche über ein abgeschlossenes Studium der Psychologie (Diplom oder Master) bzw. der Medizin (Staatsexamen) verfügen, dürfen laut Fachstandards als Sachverständige eingesetzt werden. Andere familiengerichtliche Gutachten dürfen nur von jeweils qualifizierten Personen durchgeführt werden. Dies bedeutet, dass psychiatrische Fragen nur von Psychiatern, psychologische Fragen nur von Psychologen etc. beantwortet werden dürfen. Es kann durchaus vorkommen, dass neben dem familienpsychologischen Gutachten noch andere Gutachter bzgl. anderer Fragestellungen durch das Gericht herangezogen werden.
 
Inhalte eines familienpsychologischen Gutachtens
 
Zunächst einmal kommt es im Rahmen der Begutachtung zu einer Reihe von Gesprächen zwischen Gutachter und Erwachsenen. Üblicherweise werden dabei auch psychologische Tests eingesetzt. Auch die sog. Interaktionsbeobachtung ist ein wesentlicher Bestandteil der Begutachtung. Dabei beobachtet der Sachverständige das Verhalten der Eltern und Kinder im Umgang miteinander.
Gespräche werden jedoch nicht nur mit den direkt Betroffenen geführt, sondern auch mit Personen, die dem Umgang der Eltern mit dem Kind betreuen. Dazu zählen Mitarbeiter vom Jugendamt, Kindergärten, Schulen sowie neue Lebenspartner. Oftmals stellt sich hier die Frage, ob denn der Gutachter mit solchen dritten Personen überhaupt sprechen darf. Grundsätzlich ist es Aufgabe des Gerichts, einen Sachverhalt festzustellen und Zeugen zu vernehmen. Kommt es daher zu unterschiedlichen Schilderungen eines Sachverhalts zwischen den Eltern, kann dies durchaus dazu führen, dass der Gutachter auch Dritte (Lehrer, Partner, Erzieher) befragen darf. Hierbei muss jedoch eine Schweigepflichtsentbindung vorliegen, wobei bei Lehrern nur die Schulbehörde von der Schweigepflicht entbinden darf (nicht die Eltern).
Üblicherweise werden bei der Begutachtung auch Tests eingesetzt. Sog. „projektive Tests“ wie der Sonnen-Test oder Schloss-Zeichen-Test sind hingegen nicht verwendbar.
 
Dauer einer Begutachtung
 
Um unnötig lange Bearbeitungszeiträume zu vermeiden, setzt das Gericht dem Gutachter eine Frist, welche normalerweise zwischen 4-5 Monate dauert. In der Praxis dauert eine Begutachtung bis zu 7 Monate. Sollte der Gutachter die Frist nicht einhalten, gibt es rechtliche Möglichkeiten, ihn unter Druck zu setzen, indem man beispielsweise eine Verzögerungsrüge stellt.
 
Teilnahme an einer Begutachtung
 
Grundsätzlich müssen Sie nicht an einem familienpsychologischen Gutachten teilnehmen. Die Teilnahme ist freiwillig und das Gericht darf aus Ihrer Verweigerung keine negativen Schlüsse ziehen. Sollten Sie jedoch zum Termin durch das Gericht geladen werden, wobei auch der Gutachter geladen wird, müssen Sie kommen. In diesem Ladungstermin würde der Gutachter Ihnen dann die entsprechenden Fragen stellen. Hierbei gilt jedoch, dass Sie zwar kommen müssen, zu einer Aussage dürfen Sie jedoch nicht gezwungen werden.
Trotzdem ist eine totale Verweigerungshaltung nicht ratsam! Sie sollte lediglich als taktisches Mittel dienen, um eine fachlich einwandfreie Begutachtung nach fachlichen Standards sicherzustellen.
Zu einer Begutachtung dürfen Sie übrigens auch jemanden mitbringen bzw. das Gespräch aufzeichnen.
Über die Teilnahme des Kindes an der Begutachtung entscheidet der Sorgeberechtigte bzw. die Sorgeberechtigten, wenn ein gemeinsames Sorgerecht vorliegt. Bei einem alleinigen Sorgerecht können Sie als Sorgeberechtigter die Teilnahme verweigern, wobei das Gericht dann das Sorgerecht nach § 1666 BGB in Teilen entziehen kann, wenn belegt werden kann, dass eine Kindeswohlgefährdung abgewendet werden muss. Eine Verweigerung der Teilnahme ist daher gut mit Ihrem Anwalt zu überlegen und zu planen.
 
Die Rolle der Eltern bei der Begutachtung
 
Eine gute Vorbereitung im Vorfeld der Begutachtung auf das Gespräch mit dem Sachverständigen ist äußerst wichtig, insbesondere in der Hinsicht, dass Sie Ihre Rolle als Elternteil gut reflektieren sollten. Bloße Vorhaltungen gegenüber dem anderen Elternteil sind nicht hilfreich, sondern können eher negativ ausgelegt werden. Schließlich sollten Sie nicht beweisen, dass Sie Recht haben, sondern sich vielmehr als kritikfähiger Erwachsener betrachten, dessen Hauptaugenmerk auf dem Wohl des Kindes liegt.
Es kann jedoch durchaus vorkommen, dass der Gutachter in seinem Gutachten auch vermeintliche "Lügen" der Gegenseite aufführt. Dies rührt daher, dass er zunächst einmal angehalten ist, alle Aussagen bzgl. der Fragestellung des Gutachtens wiederzugeben. Sein Resümee muss darauf jedoch nicht zwingend basieren. Sollten Sie falsche oder unwahre Aussagen in einem Gutachten ausmachen, ist anwaltlicher Rat zwingend erforderlich. Mit einem Anwalt können Sie eine Strategie entwickeln, um die Wirkung eines augenscheinlich schlechten Gutachtens gegen Sie vor Gericht abzuschwächen. Eine direkte Schilderung der Ihrer Ansicht nach richtigen Sichtweise sollten Sie niemals alleine vor Gericht vorbringen, da Sie schlimmstenfalls negativ gegen Sie verwendet werden könnte.
 
Sie haben Zweifel an den Ergebnissen des Gutachtens?
 
Einem Gutachten, das negativ Ihnen gegenüber ausfällt, können Sie frühzeitig mit einem guten Gegengutachten entgegentreten und einem ausführlichen anwaltlichen Schriftsatz. Hier ist jedoch schnelles Handeln erforderlich, dennoch lässt sich eine negative Wirkung des Gutachtens leider häufig in der Praxis nicht vollständig ausräumen.
Sollten Sie begründete Zweifel an der Objektivität des Gutachters haben, kann ein Befangenheitsgesuch sinnvoll sein. Das kann u. a. dann der Fall sein, wenn:
 
    •    der Psychologe seine Fachkompetenz überschreitet (beispielweise psychiatrische Diagnosen stellt),
    •    er einen streitigen Sachverhalt einseitig darstellt,
    •    er das Gutachten nicht selber vornimmt,
    •    er bei einem Elternteil mitfährt, um das Kind abzuholen,
    •    unsachliche, beleidigende Äußerungen im Gutachten gemacht werden oder
    •    der Gutachter lösungsorientierte Ansätze liefert, zu dem das Gericht ihn gar nicht beauftragt hat.
 
Tipp:
Familienpsychologische Gutachten werden häufig in familiengerichtlichen Verfahren in Auftrag gegeben. Dennoch stehen sie trotz neuer Qualitätsstandards immer noch in der Kritik. Holen Sie sich daher schnell anwaltliche Hilfe, um durch rechtlich fundierte Schriftsätze und Gegengutachten einem vermeintlich schlechten Gutachten gegen Sie entgegen zu treten.

Gerne können wir Sie in Ihrer Angelegenheit beraten und anwaltlich vertreten. Ausdrücklich möchten wir jedoch darauf hinweisen, dass wir keine kostenlose Beratung anbieten. Aufgrund der Vielzahl von Anfragen aus dem Internet können wir auch Nachfragen zu diesem Artikel grundsätzlich nicht kostenlos beantworten.

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