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Das neue Versicherungsrecht seit 2008 und diverse Kuriositäten

Rechtstipp vom 21.12.2009
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Sintflutartige Regenfälle am vergangenen Wochenende haben insbesondere aber nicht nur unsere Dortmunder Nachbarn heimgesucht. Die Folgen werden den einen oder anderen zur Verzweifelung treiben und es bleibt zu hoffen, dass alle Betroffenen gut versichert sind! Seit dem 1. Januar 2008 gilt das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Es beinhaltet im Vergleich zu seinem Vorgänger erhebliche Änderungen und wurde quasi völlig neu strukturiert. Insbesondere werden die Rechte der Versicherungsnehmer künftig stärker berücksichtigt. Haben Sie es nicht auch schon erlebt, dass Sie Ihrer Versicherung einen Schaden gemeldet haben und zur Antwort bekamen, gerade dieser Schaden sei nicht versichert? Das ist häufig wirklich ärgerlich und man steigt auch als Laie kaum durch den Dschungel von Bedingungen hindurch. Eine der wohl bedeutendsten Änderungen betrifft das bisher geltende so genannte „Alles oder Nichts-Prinzip". Nach altem Recht brauchte ein Versicherer nämlich keine Leistung erbringen, wenn der Schaden vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt wurde. Das betraf zum Beispiel die übersehene rote Ampel. Kam es zum Unfall, zahlte die Vollkasko nichts... Künftig wird es hier eine Quotelung nach dem Grad des Verschuldens geben. Man darf daher dann je nach den Umständen des Einzelfalles vielleicht zumindest mit der Hälfte rechnen und geht nicht leer aus. Das betrifft übrigens natürlich auch zum Beispiel die private Haftpflicht- oder die Hausratversicherung. Offen gelassene Fenster bedeuten daher bei einem Einbruch künftig nicht mehr, dass es gar keinen Ersatz für gestohlene Kostbarkeiten gibt. Allerdings gibt's natürlich auch künftig nichts, wenn man den Versicherungsfall absichtlich, also vorsätzlich herbeiführt. So dürfte also ein Fall, der in den USA einmal für Aufsehen sorgte, bei uns weniger spektakulär beendet werden. Man kann ja dort bekanntlich fast alles versichern, seien es die Stimmbänder von Tom Cruise oder die Beine von Cindy Crawford. Ein wohlhabender Zigarrenliebhaber hatte sich daher seine kostbare Zigarrensammlung gegen Brand versichern lassen. Ein besonders teures Exemplar gönnte er sich dann irgendwann, steckte es an und rauchte es genüsslich auf. Danach bereute er es dann allerdings und kam auf die Idee, die Brandversicherung in Anspruch zu nehmen. Die wollte natürlich nicht zahlen, da er die Zigarre ja freiwillig geraucht hatte. Er bestand allerdings auf die Leistung und verklagte die Versicherung kurzer Hand. Und ob sie es glauben oder nicht: Er gewann den Prozess und die Versicherung musste zahlen. Damit ist die Geschichte aber noch nicht vorbei, denn die Versicherung war so empört, dass sie unseren Zigarrenfreund wegen vorsätzlicher Brandstiftung anzeigte. Was jetzt kommt können Sie erahnen: Der Mann wurde zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt und zwar just in der Höhe des Wertes seines kostbaren Rauchartikels. Angesichts solcher Geschichten mag man sich an den Kopf fassen aber nichts desto trotz sollten Sie immer genau prüfen, ob Ihre Versicherung zu Unrecht eine Leistung verweigert. Denken Sie dabei insbesondere an die zahlreichen Neuerungen im VVG. Aber Vorsicht bei Altverträgen. Hier gilt für das Jahr 2008 als Übergangsregelung das alte Gesetz weiter. Erst ab 2009 gilt einheitlich für alle Verträge das neue VVG 2008. Keinesfalls sollten Sie aber nun vorschnell alte Versicherungen kündigen und neue abschließen, denn nicht selten sind Sie mit Ihren Altverträgen und den Leistungen gegenüber einem neuen Vertrag im Vorteil. Bei Fragen zum neuen VVG oder bei Auseinandersetzungen mit Ihrem Versicherer können Sie sich gerne an uns wenden. Schauen Sie sich Ihre Policen in Ruhe durch - vielleicht mit einer guten Zigarre!?


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Verkehrsrecht, Versicherungsrecht, Zivilrecht

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