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Das Patchwork-Testament

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Als der spanische Künstler Pablo Picasso im Jahr 1977 in Frankreich starb, hinterließ er gut 2.000 Gemälde, 1.300 Skulpturen, 3.000 Keramiken, 18.000 Stiche, zahlreiche Skizzen und Notizbücher – und eine bunte Patchwork-Familie, bestehend aus seiner zweiten Ehefrau Jaqueline Roque, dem Sohn aus erster Ehe, Paolo und den drei nichtehelichen Kindern Maja, Claude und Paloma.

An ein Testament hatte Picasso nicht gedacht, er soll sich geradezu geweigert haben, eines zu errichten. Da in Frankreich die Rechte nichtehelicher Kinder im Jahre 1972 gestärkt worden waren, fiel der Nachlass des Künstlers somit an eine aus den oben genannten Angehörigen bestehende Erbengemeinschaft, wobei Maja, Claude und Paloma die Hälfte der Erbquote des ehelichen Sohnes Paolo erhielten.

Weil man sich spinnefeind war und in vielen Punkten nicht einigen konnte und außerdem streitig war, ob die Kunstwerke Picassos zum „Ehevermögen“ gehörten und daher Gemeinschaftseigentum der Eheleute waren, zog sich die Erbauseinandersetzung mehr als vier Jahre hin und verbrannte 30 Millionen Euro. Der französische Staat erhielt zur Begleichung der Erbschaftsteuer knapp 230 Gemälde, 149 Skulpture, 85 Keramiken und etwa 1500 Skizzen.

Der „Erbfall“ Picasso zeigt, dass Patchwork-Familien, die in Großstädten so oft vorkommen wie traditionelle Familien, nicht ohne Testament auskommen. Das gilt erst recht im deutschen Recht mit seinen komplizierten Regeln zur Erbengemeinschaft, in der über Jahre Scheidungstraumata und andere Verletzungen mit rechtlichen Mitteln aufgearbeitet werden können.

Zu überlegen ist vor allem, welche Maßnahmen zum Ausschluss oder zur Reduzierung von Pflichtteilsansprüchen sinnvoll sind. Wird der überlebende Stiefvater oder die Stiefmutter Erbe, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es Streit um den Pflichtteil gibt, etwa weil die leiblichen Kinder des Erblassers befürchten, der oder die Überlebende könnte nun die eigenen Kinder bevorzugen. Mit Errichtung eines Testaments unter Anordnung von Testamentsvollstreckung wird sich – wenn eine vollständige Gleichbehandlung „Deiner und meiner“ Kinder gewollt ist – in manchen Fällen auch eine Adoption empfehlen. Damit werden Stiefkinder auch erb- und pflichtteilsberechtigt. Bislang sind Stiefkinder nur erbschaftsteuerrechtlich leiblichen Kindern gleichgestellt.


Rechtstipp vom 25.03.2015
aus dem Rechtsgebiet Erbrecht

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