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Das Selbstständigen-Visum für Kolumbien

Rechtstipp vom 02.12.2015
Rechtstipp vom 02.12.2015

Wer auf der Suche nach einer Aufenthaltsgenehmigung für Kolumbien ist, für den stellt das Visum für Selbstständige eine interessante Option dar. Interessant deswegen, weil die Hürden, dieses Visum zu bekommen, relativ niedrig sind. Allerdings kommt es in der Praxis oft zu Schwierigkeiten im Antragsverfahren, meist wegen Formalitäten. Im Folgenden ein kurzer Überblick zum Selbstständigen-Visum sowie ein paar Tipps zum Visumsantrag.

Beim Selbstständigen-Visum, dessen Existenz vielen Ausländern nicht bekannt ist, handelt es sich um eine Unterkategorie des sogenannten TP-7 Visums. Das TP-7 Visum enthält neben dem Selbstständigen-Visum eine Reihe weiterer Unterkategorien, etwa das Rentner-Visum, das „kleine“ Investorenvisum (für Ausländer, die z. B. einen gewissen Mindestbetrag in eine kolumbianische Immobilie investieren) oder das „Privatier-Visum“ (für Ausländer, die in Kolumbien beispielsweise von ihren Mieteinnahmen leben).

Das Selbstständigen-Visum heißt offiziell „visa para el ejercicio de oficios o actividades independientes“. Im Wesentlichen müssen mit dem Visumsantrag die folgenden Dokumente eingereicht werden:

  1. Ein „Business Plan“, in dem die geplante selbstständige Tätigkeit dargestellt und beschrieben wird.
  2. Ein Lebenslauf, in dem vor allem auf Tätigkeiten Bezug genommen wird, die mit der in Kolumbien geplanten selbstständigen Tätigkeit in Zusammenhang stehen.
  3. Die Kontoauszüge der letzten 6 Monate, wobei der Kontostand im Schnitt mindestens COP $10.341.825 betragen haben muss (ca. EUR 3.100, Stand Juli 2016).
  4. Die finanzielle Hürde ist also relativ niedrig. Ob es sich bei dem Bankkonto um ein kolumbianisches oder ausländisches Konto handelt, ist gleichgültig.
  5. 2 Arbeitszeugnisse.

Hier taucht in der Praxis ein gewaltiges Problem auf, denn das kolumbianische Außenministerium besteht darauf, dass die Arbeitszeugnisse „in apostillierter Form“ eingereicht werden. Die Apostille ist eine offizielle Echtheitsbescheinigung für öffentliche Dokumente im internationalen Urkundenverkehr.

Das Problem ist, dass Arbeitszeugnisse privater Arbeitgeber keine öffentlichen Dokumente sind. Deshalb müssen diese privaten Arbeitszeugnisse erst zu öffentlichen Dokumenten gemacht werden, bevor sie apostilliert werden können.

Dies geschieht durch notarielle Beurkundung, d.h. der Vertreter des Arbeitgebers müsste das Dokument theoretisch vor einem Notar unterschreiben und dabei seine Identität durch Vorlage des Personalausweises belegen. Im Wege der notariellen Beurkundung wird das private Arbeitszeugnis zu einem öffentlichen Dokument, das dann von der zuständigen Behörde apostilliert werden kann.

Was passiert aber mit alten Arbeitszeugnissen? Möglicherweise ist der Vertreter des Arbeitgebers, der das Zeugnis unterschrieben hat, nicht auffindbar oder gar verstorben. Vielleicht hat er auch einfach keine Lust, zum Notar zu gehen, für einen Ex-Mitarbeiter, den er kaum kennt und mit dem er seit langem nichts mehr zu tun hat. Möglicherweise existiert die Firma des Arbeitgebers nicht mehr oder wurde von einem Konkurrenzunternehmen gekauft.

In der Praxis ist es aus diesen Gründen meistens nicht möglich, eine apostillierte Version des Arbeitszeugnisses zu bekommen.

Als Ausweg bieten sich 2 Lösungen an:

  • Einfach eine nicht apostillierte Version des Arbeitszeugnisses einreichen (d.h. das Original-Arbeitszeugnis) und darauf hoffen, dass der Sachbearbeiter dies so akzeptiert. Meist kommt es allerdings zu einem sogenannten „requerimiento“, d.h. das Ministerium setzt eine 30-Tages-Frist für die Vorlage der apostillierten Versionen.
  • Oder der folgende „Bauerntrick“: Man lässt eine notariell beglaubigte Kopie des Originaldokuments erstellen (die notarielle Beglaubigung ist nicht zu verwechseln mit der notariellen Beurkundung, das heißt, bei der Beglaubigung kontrolliert der Notar nur, dass die Kopie mit dem Original identisch ist, verifiziert also nicht die Identität des Unterzeichners. Folglich muss der Unterzeichner auch nicht persönlich zum Notar). Die notariell beglaubigte Kopie ist ein öffentliches Dokument und kann als solches apostilliert werden.

Das kolumbianische Außenministerium hat bei Visumsanträgen teilweise Original-Dokumente abgelehnt, aber apostillierte Versionen von deren notariell beglaubigten Kopien akzeptiert. Dies ist zwar völlig absurd, weil eine Kopie (auch wenn sie doppelt und dreifach beglaubigt und apostilliert ist) nie einen größeren Beweiswert hat, als das Original. In der Praxis hat es aber manchmal funktioniert. Die Sachbearbeiter scheinen zu denken „Hauptsache Apostille“.

Wer diese bürokratischen Hürden gemeistert hat und das kolumbianische Außenministerium zudem von der Sinnhaftigkeit seiner selbstständigen Tätigkeit in Kolumbien überzeugen kann, dem steht für die Erteilung des TP-Visums nichts mehr im Wege.

Das TP-7 Visum ist übrigens 1 Jahr lang gültig. Danach kann ein Folge-TP-7 Visum beantragt werden.


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