Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Das Wechselmodell im Familienrecht

(4)

Ausgangspunkt

Immer häufiger möchten getrennt lebende Eltern, dass ihre Kinder nicht nur bei einem Elternteil aufwachsen. Sie entscheiden sich in diesen Fällen für das sogenannte Wechselmodell. Das sogenannte Wechselmodell bietet beiden Elternteilen die Möglichkeit, ihre Kinder nach Trennung oder Scheidung wechselweise zu betreuen, zu versorgen und zu erziehen.

Wechselmodell

Von einem Wechselmodell spricht man dann, wenn die Kinder in gleich großen oder annähernd gleich großen Betreuungsanteilen von beiden Elternteilen betreut werden. Wie dies geschieht, kann in ganz unterschiedlichen Modellen umgesetzt werden, etwa dass die Kindereine Woche bei ihrer Mutter leben und in der darauf folgenden Woche beim Vater. Es gibt jedoch auch Regelungen, wonach die Kinder alle zwei Tage zwischen den Eltern wechseln, tageweise oder in einem 14-tägigen Rhythmus.

Voraussetzungen

Voraussetzung für ein Wechselmodell ist, dass sich mit dem anderen Elternteil die Belange der Kinder noch gut absprechen können. Da das Leben der Kinder bei einem Wechselmodell in zwei verschiedenen Haushalten stattfindet, muss zwischen den Eltern naturgemäß viel Kommunikation stattfinden, etwa über die Hausaufgaben der Kinder, über Schultermine, die Sport- und Freizeitveranstaltungen oder gesundheitliche Belange der Kinder. Solche Gespräche sollten zwischen den Eltern noch immer vertrauensvoll und konstruktiv möglich sein. Daher ist vom Wechselmodell abzuraten, wenn diese Kommunikation zu Alltagsfragen zwischen den Eltern nicht funktioniert.

Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hierzu

Der Bundesgerichtshof hat sich in seiner Entscheidung vom 01.02.2017 (Xii ZB 601/15) mit der Frage auseinandergesetzt, ob ein Wechselmodell durch eine gerichtliche Umgangsregelung angeordnet werden kann.

Die Oberlandesgerichte gingen bislang weit überwiegend davon aus, dass die gerichtliche Anordnung eines Wechselmodells nicht ohne einen entsprechenden Konsens der Eltern möglich sei.

Dem hat der Bundesgerichtshof in seiner jetzigen Entscheidung widersprochen und festgestellt, dass die Anordnung eines Wechselmodells durch das Gericht im Rahmen einer gerichtlichen Umgangsregelung vom Gesetz nicht ausgeschlossen ist.

Bisher war meist davon ausgegangen worden, dass das Wechselmodell im Rahmen der elterlichen Sorge und des Aufenthaltsbestimmungsrechts zur Anwendung kommt und damit von einem bestehenden gemeinsamen Aufenthaltsbestimmungsrecht der Eltern abhängt.

Auch nach der o. g. Entscheidung des Bundesgerichtshofes bleibt es dabei, dass das Wechselmodell nur dann gerichtlich angeordnet werden kann, wenn es dem Kindswohl am besten entspricht. Dazu bedarf es eines Mindestmaßes an elterlicher Kommunikation. In den Fällen, in denen zwischen den Eltern ständiger Streit über die Belange der Kinder besteht, ist das Wechselmodell überhaupt nicht geeignet.

Abzuraten ist vom Wechselmodell auch dann, wenn die Kinder nach Trennung oder Scheidung bereits längere Zeit bei einem Elternteil gelebt haben.

Bedacht werden sollten auch die bisherigen Erfahrungen der Kinder und insbesondere die Auswirkungen der Trennung der Eltern im Einzelfall auf sie.

Rechtsanwalt Frank Weiland, Zella-Mehlis


Rechtstipp vom 03.05.2017
aus den Rechtsgebieten Familienrecht, Zivilrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Profil-Bild
            Rechtsanwalt Frank Weiland Rechtsanwalt Frank Weiland

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Rechtsanwalt Frank Weiland
Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.