Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Der Erbschein – Nachlassgericht – Erbengemeinschaft

(29)

Wissenswertes zum Thema „Erbschein“

Der Erbschein ist ein amtliches Zeugnis, welches vom zuständigen Nachlassgericht erstellt wird, um gegenüber Dritten wie z.B. Behörden, Banken, Versicherungen oder insbesondere das Grundbuchamt die Erbberechtigten auszuweisen, so dass sie über das vererbte Vermögen entscheiden können. 

Er wird nicht automatisch mit dem Tode des Erblassers, sondern stets auf Antrag der Erben ausgestellt. Der Erbschein spielt eine herausragende Rolle, wenn kein Testament oder Erbvertrag vorliegt.

Im Folgenden möchten wir Ihnen daher einen Überblick über die Beantragung sowie die Kosten eines Erbscheins geben.

Die Form der Beantragung des Erbscheins

Wie bereits erwähnt, dient der Erbschein der Legitimation der Erben gegenüber Dritten. Zwar dürfen Banken und Sparkassen nicht auf einen Erbschein bestehen, falls ein anderes legitimierendes Dokument wie z.B. ein Testament oder ein Erbvertrag vorliegt (vgl. BGH, Az.: XI ZR 401/12), dennoch ist für die meisten Fälle ein Erbschein nach dem Versterben des Erblassers unabdingbar.

Die Beantrag kann auf drei unterschiedliche Weisen beim Nachlassgericht erfolgen:

  1. Die Erben können den Erbschein schriftlich beantragen, müssen aber zudem eine notariell beglaubigte eidesstattliche Versicherung beifügen. Die Beantragung kann auch durch einen bevollmächtigten Rechtsanwalt geschehen.
  2. Die Erben können den Erbschein persönlich beim Nachlassgericht beantragen, indem der Antrag dort zu Protokoll gegeben wird. Auch hier muss eine eidesstattliche Versicherung abgegeben werden.
  3. Der Antrag kann durch einen Notar beurkundet werden, bei gleichzeitiger Abnahme der eidesstattlichen Versicherung.

Da das Nachlassgericht sich immer strikt an die Formulierungen im Antrag hält und den Erbschein nur so ausstellt, wie er auch beantragt wurde, ist es ratsam, den Antrag aufs Genaueste zu formulieren. Rechtsanwaltliche Hilfe ist hier angebracht, insbesondere, wenn kein Testament oder Erbvertrag vorliegt.

Hier sehen Sie einige Punkte, über die Sie im Antrag Auskunft erteilen müssen:

Im Falle der gesetzlichen Erbfolge

  1. Auskunft über Tod und Todeszeitpunkt des Erblassers, mittels Sterbeurkunde.
  2. Auskunft über Verwandtschaftsverhältnisse des Erblassers, gegenwärtige und frühere Ehegattenverhältnisse sowie der Güterstand der Ehe.
  3. Angabe von sog. vorrangigen bzw. wegfallenden Personen.

Im Falle einer testamentarischen Erbfolge

  1. Sterbeurkunde und Testamente bzw. Ernteerträge müssen vorgelegt werden.
  2. Gesetzliche Erben müssen angegeben werden.

Alle im Antrag angegeben Informationen müssen durch öffentliche Urkunden wie z.B. Sterbe- oder Geburtsurkunden belegt werden. Die eidesstattliche Versicherung ist immer notwendig, es sei denn das Nachlassgericht verzichtet darauf, was jedoch nur in wenigen Einzelfällen stattfindet.

Zeitpunkt der Beantragung und Antragsteller

Der Erbschein wird dann durch die Erben beantragt, wenn sie das Erbe angenommen haben. Erst dadurch ist eine Beantragung möglich.

Da letztendlich das Nachlassgericht den Erbschein ausstellt, müssen vorab alle Beteiligten durch das Gericht angehört werden. Durch diese Anhörung können, insbesondere im Falle einer testamentarischen Erbfolge, Einwände von gesetzlichen Erben vorgetragen und aufgenommen werden. Schließlich kann gegen die Entscheidung des Gerichts, den Erbschein zu erteilen, ebenso wie gegen die Abweisung des Erbscheinantrags durch das Gericht das Rechtsmittel der Beschwerde eingelegt werden. Die Beschwerde kann auch dann eingelegt werden, wenn beispielsweise im Nachhinein der Erbschein eingezogen werden sollte.

Sollten Sie Zweifel an der Richtigkeit der Angaben im Erbschein haben, kontaktieren sie unverzüglich einen Rechtsanwalt, um sich über das Rechtsmittel der Beschwerde beraten zu lassen.

Kosten des Erbscheins

Die Kosten des Erbscheins richten sich nach den Gebühren des Gerichts- und Notarkostengesetzes (GNotKG). Maßgeblich dabei ist die Höhe des Nachlasswertes. Prinzipiell fallen zwei Gebühren an: Zum einen eine Gebühr für die Erteilung des Erbscheins an sich, zum anderen für die Abnahme der eidesstattlichen Versicherung. Für die notarielle Beurkundung fällt zudem die gesetzliche Mehrwertsteuer an.

Tipp: 

Die Formulierung des Antrags eines Erbscheins ist eine knifflige Angelegenheit, insbesondere wenn Verwandtschaftsverhältnisse unklar sind und pflichtteilsberechtigte Personen hinzukommen. Scheuen Sie sich daher nicht, unseren Erbrechtspezialisten zu kontaktieren, um Ihre persönliche Situation abzuklären. Lassen Sie sich auch dahingehend beraten, welche legalen Möglichkeiten bestehen, im Erbfall Kosten zu sparen.

Ihre KGK-Rechtsanwälte aus Köln-Rodenkirchen


Rechtstipp vom 24.07.2016
aus der Themenwelt Alles rund ums Erbe und dem Rechtsgebiet Erbrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von KGK Rechtsanwälte