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Der Graue Kapitalmarkt und seine Kinder

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Der Graue Kapitalmarkt handelt mit Angeboten, welche nicht nur über eine Bank oder über die Börse gehandelt werden und keiner unmittelbaren staatlichen Kontrolle unterliegen. Dies sind vor allem Kapitalanlagen mit unternehmerischem Risiko, ohne dass der Anleger einen Gesellschafter-Status erhält: Kapitalanlagen, bei denen die Steuerersparnis im Vordergrund steht, Immobilienbeteiligungen, Schiffsbeteiligungen und geschlossene Fonds. Eine Gemeinsamkeit haben aber fast alle Produkte inne: Die Anlageformen sind keine in Wertpapieren verbriefte Risikokapitalanlagen, sondern vielmehr Genussrechte, welche eine gesellschafterähnliche Stellung mit sich bringen.

Grau ist jedoch nicht die einzige mögliche Färbung des Kapitalmarktes.

Der Weiße Kapitalmarkt umfasst jene Institute, Dienstleister und Versicherungsunternehmen, welche für ihre Tätigkeiten über eine Erlaubnis nach den jeweils einschlägigen Aufsichtsgesetzen (Kreditwesengesetz [KWG], Kapitalanlagegesetzbuch [KAGB], Versicherungsaufsichtsgesetz [VAG], Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz [ZAG]) verfügen. Sie unterstehen einer laufenden Aufsicht.

Als Gegenpol besteht der (illegale) Schwarze Kapitalmarkt. Er zeichnet sich dadurch aus, dass erlaubnispflichtige Geschäfte ohne die erforderliche Erlaubnis ausgeübt werden. Auf dem Grauen Kapitalmarkt werden Werte emittiert und mitunter gehandelt, die nicht auf dem organisierten Kapitalmarkt (Weißer Kapitalmarkt), wie dem Börsenhandel, zu finden sind. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Verbraucher einen „Sparplan mit Immobilien“ unterzeichnet und erst bei einem Anwalt erfährt, dass dies eben kein „Bausparplan“ ist, sondern ein geschlossener Fonds.

Ein geschlossener Fonds kann aber im Zweifel, gerade für Kleinanleger, extrem risikoreich sein. Die Stiftung Warentest hat im Jahr 2012 58 geschlossene Immobilienfonds untersucht. 36 fielen schon in der Vorprüfung durch. Unter anderem deswegen, weil zum Teil mehr als 50 Prozent des Kapitals durch Kredite finanziert wurden. Eine Überschuldung des Fonds ist möglich, eine Insolvenz eine Katastrophe.

Die Vielfalt der Produkte ist groß. Ob man nun auf ein Schiff, eine Immobilie, auf Bäume, Filmprojekte, Bahnen oder Edelmetalle setzen möchte – man wird in jedem Fall fündig. Sollte dann aber das Schiff nicht genug „einfahren“, die Baumplantage von Ungeziefer befallen werden oder die Mieter der Immobilie nicht zahlen, ist die vermeintlich rentable Anlage dahin.

Das Problem ist jedoch nicht das Risiko der Anlage, sondern Vermittler und Anbieter, die das Risiko nicht benennen und erklären. Der Graue Kapitalmarkt ist in keinem Fall per se von strafrechtlichen Handlungen durchzogen. Die Risiken jedoch relativ hoch.

Der Windparkbetreiber Prokon, der Finanzdienstleister Infinus sowie die Immobiliengruppen S&K und Wölbern haben es vorgemacht. Solange das Produkt sich „gut anhört“ und der Berater gut verkaufen kann, spielen die Unterlagen und tatsächlichen Vorgänge kaum eine Rolle mehr. Nicht der Weg ist das Ziel, sondern die Provision.

Aus dem vermeintlich sicheren Sparplan kann schnell der reale Totalverlust werden.


Rechtstipp vom 26.02.2016
aus dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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