Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Der Steuerbescheid ist da – was kann noch passieren?

(7)

Die Steuererklärung wurde rechtzeitig abgegeben – der Steuerbescheid ist genauso, wie ich ihn mir vorgestellt habe – alles gut, abheften, fertig, entspannen. Doch dann fällt mir auf, dass ich vergessen habe, bestimmte Werbungskosten und Sonderausgaben anzugeben und ich zu viele Steuern gezahlt habe: Fall 1 – was kann ich noch tun? Oder ganz anders: Dem Finanzamt fällt später auf, dass einige Werbungskosten zu Unrecht angesetzt wurden und Einnahmen z. B. aus Vermietung und Verpachtung nicht berücksichtig wurden: Fall 2 – was kann das Finanzamt jetzt machen?

1. Fall – was kann ich bei vergessenen Belegen noch tun?

Eine geänderte Berechnungsgrundlage kann insbesondere dann unproblematisch nachgereicht werden, wenn man sich noch innerhalb der Einspruchsfrist befindet. Schauen Sie nach, wann Ihnen der Bescheid zugegangen ist und erheben Sie innerhalb eines Monats Einspruch. Die Begründung kann schon mit dem Einspruch erfolgen oder auch im Anschluss, wenn Sie noch etwas Zeit brauchen.

Sollte die Einspruchsfrist schon verstrichen sein, so ist der Steuerbescheid bestandskräftig. Das bedeutet, dass er nur unter bestimmten Voraussetzungen geändert werden darf. Möglicherweise hilft schon ein Blick auf die Rechtsbehelfsbelehrung, denn unter bestimmten Voraussetzungen verlängert sich die Frist auf ein Jahr.

Ein Großteil der Steuerbescheide ergeht unter Vorbehalt der Nachprüfung – das bedeutet, dass die Steuerfestsetzung jederzeit aufgehoben und geändert werden darf. Das bedeutet aber auch, dass der Steuerpflichtige die Änderung oder Aufhebung jederzeit beantragen kann.

Hat die Steuerfestsetzung keinen solchen Vorbehalt, so können Sie eine geringere Steuerbelastung nur ausnahmsweise erwirken, wenn neue Tatsachen zu Tage treten und Sie diese Tatsache nicht schon früher wissen konnten.

Ob nun mit Vorbehalt oder ohne – beides gilt nicht grenzenlos. Aufgrund der gesetzlichen Festsetzungsverjährung können Änderungen nur innerhalb von 4 Jahren erfolgen. Danach können Sie in der Regel keine Änderung zu Ihren Gunsten mehr erreichen. Bei Verbrauchsteuern liegt die Grenze bei nur einem Jahr.

2. Fall – was kann das Finanzamt bei neuen Informationen noch tun?

Wechseln wir also nun die Perspektive – nun will das Finanzamt den Bescheid noch einmal ändern. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Spielregeln für das Finanzamt etwas günstiger gestaltet sind. Auch wenn der Bescheid bestandskräftig geworden ist, kann das Finanzamt ihn nachträglich ändern und so eine höhere Steuerlast bewirken.

Diese Möglichkeit steht der Behörde offen, unabhängig davon ob sie die Information schon früher beschaffen konnte oder nicht.

Das gilt aber auch für die Finanzbehörden nicht grenzenlos, da für beide Seiten die 4-jährige Festsetzungsverjährung Anwendung findet.

Zwei Ausnahmen sollten Sie aber noch kennen – endgültige Ruhe tritt nämlich erst nach 10 Jahren ein. Denn im Fall einer Steuerhinterziehung beträgt die Frist 10 Jahre und bei leichtfertiger Steuerverkürzung 5 Jahre. Was ist aber der Unterschied zwischen Steuerhinterziehung und Steuerverkürzung? Klar ist: in beiden Fällen wurden zu wenig Steuern gezahlt.

Die Steuerhinterziehung setzt aber voraus, dass Sie ganz bewusst (vorsätzlich) die Steuerlast zu Unrecht gesenkt haben. Leichtfertig handelt hingegen derjenige, der es besser hätte wissen können oder sich der Besteuerung komplett entzieht. Wenn Sie also Hinweise von Steuerberatern oder dem Finanzamt bekommen haben, dann sollten Sie diese unbedingt befolgen, da man spätestens dann davon ausgehen kann, dass Sie wissen, was Sie tun und das Risiko eine Steuerhinterziehung steigt.

Dabei wird es aber immer einen Unterschied machen, ob jemand ein Geschäftsmann ist oder jemand, der bisher schon mit der eigenen Einkommensteuererklärung Probleme hatte. Zwei beliebte Beispiele für Steuerhinterziehung mit Werbungskosten sind Arbeitnehmer, die in Wirklichkeit gar nicht für den Arbeitgeber arbeiten oder Büromaterialien/Arbeitsmittel, die gar nicht beruflich genutzt werden (sondern bspw. durch Familienangehörige).


Rechtstipp vom 30.08.2016
aus dem Rechtsgebiet Steuerrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.