Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Der Strafprozess

Rechtstipp vom 12.02.2019
(6)
Rechtstipp vom 12.02.2019
(6)

Der Strafprozess

Anfang der 2000er Jahre waren sie populär. Die Jüngeren werden solche Formate gar nicht mehr kennen. Die Rede ist von Gerichtsshows wie Barbara Salesch oder Richter Alexander Hold. Hier konnte der Zuschauer quasi direkt vom Sofa aus an einem vermeintlich realen Strafgerichtsprozess teilnehmen und die ganze Bandbreite der deutschen Strafprozessordnung erleben. Sicherlich ist es kein Geheimnis, dass der Drehbuchautor die verschiedenen Rollen etwas überspitzt und etwaige Situationen gar übertrieben darstellen musste, da ansonsten der Zuschauer von der Nüchternheit eines Strafprozesses gelangweilt gewesen wäre.

Doch wie läuft denn ein richtiger Strafprozess eigentlich genau ab? Was haben Sie denn als – vielleicht nicht anwaltlich vertretener – Angeklagter zu erwarten?

Ich kläre Sie auf.

Abhängig vom Tatvorwurf und der Anklage der Staatsanwaltschaft wird an unterschiedlichen Gerichten verhandelt. Die Bandbreite reicht vom Amtsgericht Strafrichter bis hin zum Schwurgericht, d. h. es ist möglich, dass Sie nur vor einem Einzelrichter oder aber vor drei Berufsrichtern und zwei ehrenamtlichen Richtern, sogenannten Schöffen, sitzen.

Neben dem Gericht nimmt noch ein, oder in Ausnahmefällen mehrere, Vertreter der Staatsanwaltschaft und der Protokollführer am Prozess teil.

Zunächst wird der Protokollführer die Sache aufrufen. Nachdem dann alle Beteiligten im Gerichtssaal anwesend sind, wird das Gericht den Verhandlungssaal betreten. Hierbei stehen alle Anwesenden auf.

Danach wird der Vorsitzende die Sitzung eröffnen. In der Regel wird er nun die bei Aufruf der Sache erschienenen Zeugen belehren und sie dann bitten, vor dem Verhandlungssaal bis zum Beginn ihrer Vernehmung zu warten. 

Im Anschluss an die Belehrung der Zeugen werden die Personalien des Angeklagten festgestellt, d. h. Name, Wohnort, Geburtsdatum und -ort, Beruf und Familienstand. Auch wenn der Angeklagte nicht zur Sache aussagen möchte – was ihm nach dem Gesetz freisteht – muss er diese Fragen zwingend beantworten.

Danach verliest der Vertreter der Staatsanwaltschaft die Anklage und der Vorsitzende stellt fest, dass und wann die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen worden ist.

Nunmehr wird der Angeklagte darüber belehrt, dass es ihm freistehe, sich zur Sache zu äußern oder von seinem Schweigerecht Gebrauch zu machen.

Entscheidet sich der Angeklagte dazu, Angaben zu machen, schließen sich an seine Ausführungen normalerweise Fragen des Vorsitzenden und der anderen Beteiligten an.

Wurden alle Fragen gestellt oder hat der Angeklagte sich gegen eine Einlassung entschieden, so beginnt die eigentliche Beweisaufnahme mit der Vernehmung der Zeugen, die immer einzeln vernommen werden. Nachdem die Zeugen durch das Gericht befragt wurden, haben zunächst die Staatsanwaltschaft und dann der Angeklagte die Möglichkeit, Fragen an die Zeugen zu stellen. Danach werden die Zeugen entlassen. Äußerst selten kommt es vor, dass ein Zeuge vereidigt wird, d. h. er muss schwören, dass seine Aussage der Wahrheit entspricht.

Nach dem Abschluss der Zeugenvernehmung steht es dem Angeklagten nochmals frei, eine Erklärung zu den Angaben des Zeugen abzugeben.

Sind alle Zeugen vernommen und ist gegebenenfalls der Sachverständige zur Sache gehört und befragt worden, werden alle weiteren Beweismittel förmlich in den Prozess eingeführt, d. h. Schriftstücke werden verlesen oder andere Beweismittel werden gesichtet.

Wenn alle Beweise erhoben sind, wird die Beweisaufnahme vom Vorsitzenden, falls keine weiteren Beweiserhebungen mehr beantragt werden, geschlossen

In der Regel werden nun die Plädoyers gehalten. Normalerweise erhält zunächst der Vertreter der Staatsanwaltschaft das Wort und dann der Verteidiger, bzw. wenn der Angeklagte unverteidigt ist, er selbst.

Im Anschluss an die Plädoyers hat der Angeklagte nochmals die Möglichkeit etwas zur Sache zu sagen. Das nennt man das sogenannte letzte Wort.

Das Gericht wird sich dann zur Beratung des Urteils zurückziehen. Wenn das Gericht wieder erscheint, wird es das Urteil verkünden, das der Vorsitzende mündlich begründen wird. Hierbei stehen erneut alle Anwesenden auf. Der Vorsitzende wird den Angeklagten auch über die Möglichkeiten gegen das Urteil vorzugehen, aufklären. 

Sodann wird die Sitzung geschlossen.


Sollten Sie einen Strafverteidiger brauchen, der Sie im Rahmen der Hauptverhandlung verteidigt oder benötigen Sie bereits vorab einen Strafverteidiger, weil Sie beispielsweise eine Anklageschrift der Staatsanwaltschaft erhalten haben?

Zögern Sie nicht und kontaktieren Sie mich umgehend.

In dringenden Notfällen erreichen Sie mich 24 Stunden unter meiner Notfallnummer.

Ansonsten bin ich telefonisch zu den normalen Bürozeiten oder per E-Mail erreichbar. 

Gerne können Sie mich auch über meine Homepage kontaktieren.


Rechtstipp aus der Themenwelt Strafrechtliche Ermittlungen und Strafprozess und dem Rechtsgebiet Strafrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors