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Der Vorwurf des Verbreitens von Kinderpornographie

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Frage, was zu tun ist, wenn Ihnen das Verbreiten von Kinderpornographie vorgeworfen wird, welches Verhalten überhaupt in den Bereich der Strafbarkeit fällt, mit welcher Strafe Sie rechnen müssen und wie eine erfolgreiche Verteidigung  gegen diesen Vorwurf aussehen kann.

1. Was genau ist Kinderpornographie?

Unter Kinderpornographie fallen alle Bilder, Filme und Tonaufzeichnungen, die eine sexuelle Handlung von, an oder vor Kindern unter 14 Jahren zum Gegenstand haben. Auch sogenannte Posingbilder,  also Abbildungen von Kindern in sexuell aufreizenden Posen, fallen in den Bereich der Kinderpornographie.

2. Was versteht man unter Verbreiten von Kinderpornographie?

Das Verbreiten von Kinderpornographie ist gemäß § 184 b Abs. 1 Nr. 1 StGB  strafbar. Die Strafbarkeit setzt voraus, dass die kinderpornographische Schrift oder Datei an eine nicht mehr individualisierbare Zahl von Personen weitergegeben wird. Dabei muss ein Dritter nicht tatsächlich von den weitergegebenen Daten oder Schriften Kenntnis nehmen. Ein „auf den Weg bringen" reicht aus. Sie machen sich auch dann strafbar, wenn Sie Kinderpornographie einem bestimmten Kreis mit zahlreichen Mitgliedern zugänglich machen. Ein Verbreiten von Datenspeichern mit kinderpornographischem Inhalt liegt vor, wenn der Datenträger (externe Festplatte, CD) körperlich oder mittels Datenübertragung und Speicherung in einem Datenspeicher einem unbestimmbaren Personenkreis zugänglich gemacht wird. Gleichgültig ist, ob die elektronische Datenübertragung im Wege des Uploads oder des Downloads erfolgt. Entscheidend ist lediglich, dass die Daten in einem Datenspeicher des Adressaten zur Verfügung stehen. Zur gängigsten Form der Verbreitung zählen Filesharing und Tauschbörsen.

3. Mit welcher Strafe ist zu rechnen?  

Gemäß § 184 b Abs. 1 StGB kann das Verbreiten von Kinderpornographie mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden.

4. Wie kommt es zu einem Ermittlungsverfahren?

Grundsätzlich werden Sie von dem gegen Sie gerichteten Ermittlungsverfahren in der Regel erst Kenntnis erhalten, wenn die Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss vor Ihrer Tür steht. Ein Anfangsverdacht gegen Sie kann sich aus der polizeilichen Überwachung relevanter Websites ergeben, auf denen Kinderpornographie angeboten oder getauscht wird.

5. Wie läuft die Durchsuchung ab?

Wenn es zu einer Wohnungsdurchsuchung kommt, gilt es sich an bestimmte Regeln zu halten. Machen Sie unter keinen Umständen Angaben zu den gegen Sie erhobenen Vorwürfen! Benachrichtigen Sie sofort einen Strafverteidiger! Lassen Sie sich den Durchsuchungsbeschluss aushändigen! Weitere Verhaltenstipps können Sie in meinem Artikel „Hausdurchsuchung - was ist zu tun?" nachlesen.

In der Regel werden die Polizeibeamten vor Ort Ihren Computer, externe Festplatten, Cds oder und ähnliches beschlagnahmen. Lassen Sie sich unbedingt eine Kopie des Beschlagnahmeprotokolls geben!

6. Was geschieht dann?

Die von der Polizei beschlagnahmten Datenträger werden mit Hilfe spezieller Datenträger ausgewertet. Gegebenenfalls werden bereits gelöschte Daten wiederhergestellt.

Sollten Sie während oder vor der Durchsuchung Ihrer Wohnung noch keinen Anwalt kontaktiert haben, so nehmen Sie nach Abschluss der Durchsuchung sofort Kontakt zu einem Strafverteidiger auf. Dieser wird zunächst Akteneinsicht beantragen und mit Ihnen das weitere Vorgehen besprechen. Schieben Sie den Kontakt zu einem Strafverteidiger nicht auf die lange Bank. Schon im Ermittlungsverfahren kann ein Strafverteidiger den weiteren Gang des Verfahrens zu Ihren Gunsten beeinflussen.

7. Verteidigungsansatz

Auch wenn sich der Vorwurf des Verbreitens von Kinderpornographie nach Auswertung der Datenträger und Aktenlage bestätigt, erfolgt nicht zwangsläufig eine öffentliche Hauptverhandlung. In vielen Fällen kann eine Hauptverhandlung durch rechtzeitige Kontaktaufnahme mit der Staatsanwaltschaft und den Gerichten vermieden werden. So kann beispielsweise eine Verfahrensbeendigung im Wege des Strafbefehls oder gar einer Verfahrenseinstellung erreicht werden.

Lassen Sie sich von Ihrem Strafverteidiger beraten. Selbstverständlich stehe ich Ihnen gerne bundesweit als Strafverteidigerin zur Verfügung.

Ihre

Kristin Raddi

Fachanwältin für Strafrecht

Schumacher & Partner PartG mbB


Rechtstipp vom 03.04.2013
Aktualisiert am 20.06.2017
aus der Themenwelt Strafrechtliche Ermittlungen und Strafprozess und dem Rechtsgebiet Strafrecht

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