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Deutsche Biofonds - Hydropower: Nürnberger Unternehmensgruppe wirft Fragen auf

aus dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

Dr. Yaver Demir, Initiator eines Geflechts aus Unternehmen um die Deutsche Biofonds AG, sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft und alle Welt fragt nach dem Verbleib der Anlegergelder. Wir hatten bereits ausführlich berichtet. Es stellt sich auch unter Berücksichtigung der zunehmenden Presseberichterstattung die Frage, ob es sich möglicherweise um einen neuen Anlegerbetrugsskandal handelt. Involviert sind insbesondere die nachfolgenden Unternehmen des Herrn Yaver Demir, der sich seit August 2015 aufgrund anderer Verdachtsmomente in Haft befindet:

  • Deutsche Biofonds AG
  • Deutsche Biofonds Treuhand II GmbH
  • Deutsche Biofonds Hydropower VII GmbH
  • Deutsche Biofonds Verwaltungsgesellschaft I GmbH
  • Deutsche Biofonds Green Energy GmbH &. Co. KG
  • Deutsche Biofonds Hydropower GmbH & Co. KG
  • Deutsche Biofonds Healthcare GmbH & Co. KG
  • Deutsche Biofonds Hydropower VIII GmbH & Co. KG

Über dieses Konglomerat an Firmen – die sich teilweise in Insolvenz befinden bzw. bereits abgewickelt und im Handelsregister gelöscht sind – wurden mindestens knapp 15 Millionen Euro Anlegerkapital von Investoren eingesammelt. In der Berichterstattung der Presse, zuletzt der Nürnberger Nachrichten, ist von deutlich mehr Investorenkapital bis zu 40 Millionen Euro die Rede. Zweckbestimmt sollten die eingenommenen Gelder an eine türkische Projektgesellschaft zur Errichtung und zum Betrieb von im ersten Schritt acht Wasserkraftwerken weitergereicht werden. Ob und in welchem Umfang dies tatsächlich geschehen ist, stellt derzeit eine der drängendsten Fragen dar.

Eine bislang nicht bekannte Anzahl an Anlegern, vor allem aus der Metropolregion Nürnberg, haben sich in der Regel über eingeschaltete Vermittler auf das Investitionsangebot mit dem Namen Hydropower VI bzw. Hydropower VII eingelassen und teilweise ihre gesamte Altersvorsorge investiert. Es lockten Zinsen von knapp 12 % p.a. Zwischenzeitlich ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Yaver Demir auch wegen des Vorwurfs des Betruges u.a. 

Umgesetzt wurden die Investments auf der einen Seite bei Hydropower VII im Wege sog. Mezzanine-Kapitals. Dabei handelt es sich um seitens der Anleger gewährte Darlehen mit einem qualifizierten Rangrücktritt. Der Konzeption nach richtete sich die Emission vor allem an Investoren, die sich mit einer Mindestbeteiligungssumme von 250.000 USD beteiligen. Hierdurch sollte die Genehmigungspflicht des Produkts nach dem Kreditwesengesetz umgangen werden. Ein Verkaufsprospekt wurde nicht erstellt, da der rechtlichen Gestaltung nach – aus Sicht der Deutschen Biofonds – nicht erforderlich. Es existiert lediglich eine sogenannte Kurzinformation zum Beteiligungsunternehmen Deutsche Biofonds Hydropower VII GmbH, in welchem sich die Emissionsplattform als interdisziplinäres Kompetenz-Center für Finanzlösungen und das Management von Projekten im Bereich erneuerbare Energien darstellt.

Daneben umfasst ein Angebot den Erwerb von Kommanditkapital über den Anbieter Green Energy Turkey GmbH. Für dieses Angebot auf Kommanditanteile bei der Deutschen Biofonds Hydropower GmbH & Co. KG wurde mit Datum vom 30. Juni 2012 ein Verkaufsprospekt erstellt und bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hinterlegt. Hierzu existieren zwei veröffentlichte Nachträge zum Angebot vom 10.04.2013 und vom 03.07.2013. Auch dieses Angebot wurde offensichtlich durch Vermittler bei Kunden umfangreich platziert.

Von den Verantwortlichen ist niemand mehr zu erreichen. Auch in den Geschäftsräumen der involvierten Gesellschaften trifft man niemanden mehr an. Es droht der Totalverlust. Wir raten betroffenen Anlegern dringend dazu, sich qualifizierten rechtlichen Rat einzuholen und vor allem rasch zu handeln. Möglicherweise konnten Gelder im Wege der Rückgewinnungshilfe durch die Staatsanwaltschaft wie in anderen Fällen zugunsten geschädigter Anleger sichergestellt werden. Sollte dies der Fall sein, gilt auch hinsichtlich solcher Maßnahmen der Staatsanwaltschaft das im Zwangsvollstreckungsrecht geltende Prioritätsprinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Neben dem luxuriösen Lebensstil des Nürnberger Unternehmers Yaver Demir, dessen Geschäftsräume sich in repräsentativen Immobilien in verschiedenen Städten in Deutschland befanden, verfügte das Unternehmen offensichtlich auch über einen Privatjet und eine ständige VIP Lounge bei Bundesligaspielen. Zu prüfen gilt es insbesondere auch, inwieweit die eingeschlagenen Vermittler im Einzelfall zur Haftung herangezogen werden können. Derzeit besteht die Vermutung, dass die Anlagen zum Hydropower VII im großen Stil auch gegenüber Privatanlegern unter Verstoß gegen das Kreditwesengesetz vertrieben wurden. 

Adwus Rechtsanwälte in Kooperation mit Prof. Dr. jur. habil. Jürgen Rath vertreten geschädigte Anleger in vielen hunderten Kapitalmarktverfahren. Wir informieren ständig über neue Entwicklungen und Vorgänge im Markt. In Bezug auf die Geschäftstätigkeiten der Unternehmensgruppe Deutsche Biofonds haben wir eine Interessengemeinschaft für geschädigte Anleger gegründet. Treten Sie gerne mit uns unverbindlich für eine Bestandsaufnahme in Kontakt. Weitergehende Informationen finden Sie insbesondere auf unserer Internetpräsenz im Netz, dort unter Bank- und Kapitalmarktrecht – Deutsche Biofonds.

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            Rechtsanwalt Wolfgang Wittmann (ADWUS Rechtsanwälte) Rechtsanwalt Wolfgang Wittmann

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