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Deutsche Biofonds Hydropower: Prospekt falsch-Vermittler verurteilt-fragwürdiges Sanierungskonzept

  • 2 Minuten Lesezeit

Es mag ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen im Jahr 2020 gewesen sein. Nach einem Urteil des Landgerichts Hanau ist der Emissionsprospekt des Deutschen Biofonds GmbH & Co. KG „Hydropower VI“-Fonds fehlerhaft, und zwar so fehlerhaft, dass der Kapitalanlagenberater dies hätte erkennen müssen und bei einer Vermittlung auf der Grundlage dieses falschen Prospektes dem Anleger Schadensersatz schuldet. Ein solches Urteil ist ein scharfes Schwert in der Hand der geschädigten Kapitalanleger, die Schadensersatzansprüche gegen die eingesetzten Vertriebe damit wesentlich leichter durchsetzen können. Und wie so häufig in Fällen fehlgeschlagener Kapitalanlagen taucht kurz darauf bei den Anlegern ein Schreiben mit einem angeblichen Sanierungskonzept auf. Rechtsanwalt Christian-H. Röhlke aus Berlin über die Hintergründe.

„Das Konzept des Fonds war unplausibel, so das Landgericht Hanau. Zum einen wurden geschäftliche Erfolge dargestellt, die die Emittentin niemals erreicht hatte, zum anderen wurde mit Vertragspartnern geworben, die zum Zeitpunkt der Emission teilweise bereits aus dem Handelsregister gelöscht waren. Zudem wurde von einer Mittelverwendungskontrolle gesprochen, die zu keinem Zeitpunkt tatsächlich stattgefunden hat. Dem ehemaligen Vorstand der Deutschen Biofonds AG wurde inzwischen der Prozess gemacht, er wurde strafrechtlich verurteilt und ist nunmehr vermögenslos. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft S Audit GmbH, die ein fragwürdiges Plausibilitätsgutachten erstellt hatte, wurde erfolgreich auf Schadensersatz verklagt und ist anschließend unmittelbar in die Insolvenz gegangen. Die Vermögensschadenshaftpflichtversicherung der S Audit GmbH muss nach mehreren landgerichtlichen Urteilen wegen Wissentlichkeit der Pflichtverletzung dieser Gesellschaft nicht zahlen. Für Anleger bleibt, wie so häufig in diesen Fällen, damit nur die Inanspruchnahme des Kapitalanlagenberaters“, so Röhlke.

Berater müssen Plausibilität prüfen

Kapitalanlagenberater haften dem Anleger für eine sogenannte anlagegerechte und anlegergerechte Beratung. Das bedeutet, die Anlage muss den Wünschen und Zielen des jeweiligen Anlegers individuell gerecht werden, sich also beispielsweise für die gewünschte Altersvorsorge oder Sparziele auch individuell eignen. Die Anlageempfehlung muss aber auch das angebotene Anlagevehikel inhaltlich richtig und korrekt beschreiben, darf also keine Risiken beschönigen oder falsche Vorstellungen wecken. Um diesen hohen Anforderungen gerecht zu werden, muss der Anlageberater  eine eigenständige Plausibilitätsprüfung durchführen, das Anlageobjekt also auf innere Schlüssigkeit hin auch unter Zuhilfenahme externen Informationsmaterials überprüfen. Dies hätte nach Ansicht der Gerichte dazu führen müssen, dass dem Anlageberater die Ungereimtheiten auffallen. Denn in dem Informationsprospekt gibt es keinerlei Informationen zur wirtschaftlichen Solidität und Leistungsfähigkeit der beteiligten Gesellschaften oder zur Aussicht der Realisierung der Anlageziele.

Nach Röhlkes Meinung ist das Urteil  auch für andere geschädigte Anleger gut nutzbar, denen zur Kompensation der Schäden nur noch die Inanspruchnahme der Vermittler bleibt. Erfreulich in diesem Zusammenhang ist die seit dem 01.01.2013 geltende  Pflicht der Kapitalanlagenberater, eine Vermögensschadenshaftpflichtversicherung abzuschließen, sodass diese hier möglicherweise auch bei Vermögenslosigkeit des individuellen Beraters noch in Anspruch genommen werden kann. Der Anwalt weist aber darauf hin, dass das Bürgerliche Gesetzbuch eine strenge Verjährungsfrist von 10 Jahren ab Annahme des Beteiligungsangebotes durch die Fondsgesellschaft vorsieht, sodass den betroffenen Anlegern nicht mehr allzu viel Zeit bleibt.

Vorsicht bei "Rettungskonzepten"

Das nunmehr vorliegende Rettungskonzept rät der Jurist kritisch zu hinterfragen: „In vielen Fällen fehlgeschlagener Fonds-Beteiligungen, als Beispiele aus der Vergangenheit seien Vorgänge rund um die Lombardium-Gruppe oder den Autark-Komplex genannt, werden von interessierter Seite, meist verantwortlichen Hinterleuten oder den Vertrieben, Rettungskonzepte vorgestellt und der angebliche Nutzen der Bildung von Anlegergemeinschaften zur vermeintlichen Aufklärung der Sachverhalte propagiert. Meist handelt es sich hierbei allerdings um die kalkulierte Eröffnung von Nebenkriegsschauplätzen, mit denen die Anleger bis zum Eintritt der Verjährung ruhig gehalten und abgelenkt werden sollen. Viele Anleger merken leider erst zu spät, dass sie  in solchen Fällen wertvolle Zeit vergeudet haben und ihre Ansprüche im schlimmsten Fall danach nicht mehr durchsetzbar sind.“

Betroffene Anleger der Deutschen Biofonds Hydropower VI sollten daher nicht zögern, kompetenten anwaltlichen Rat in Anspruch zu nehmen.



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