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Deutsche im Ausland: Ausländische Betriebsausgaben in der deutschen Steuererklärung

Rechtstipp vom 20.09.2016
Aktualisiert am 27.12.2018
(10)
Rechtstipp vom 20.09.2016
Aktualisiert am 27.12.2018
(10)

Bei einer steuerlichen Ansässigkeit in Deutschland, muss das weltweite Einkommen versteuert werden. Wer beispielsweise nach Thailand fliegt, um seine Geschäftsmöglichkeiten im Ausland zu regeln, kann daher grundsätzlich auch seine Reisespesen in der deutschen Steuererklärung als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend machen. Für die deutsche steuerliche Abzugsfähigkeit jeglichen im Ausland entstandenen Aufwands sind jedoch die folgenden fünf Prüfungspunkte zu beachten:

1. Veranlassungsprinzip

Grundsätzlich können ausländische Kosten in der deutschen Steuererklärung als Abzugsposten geltend gemacht werden, wenn sie durch die Einkünfteerzielung veranlasst sind. Eine solche Veranlassung ist dann gegeben, wenn

  • die Aufwendungen mit der Einkünfteerzielung objektiv zusammenhängen und
  • ihr subjektiv zu dienen bestimmt sind.

Maßgeblich ist somit der wirtschaftliche Zusammenhang mit einer der Einkunftsarten des Einkommensteuergesetzes.

2. Spiegelbildprinzip

Gemäß §§ 3c Abs. 1 Satz 1 EStG, 8 Abs. 1 Satz 1 KStG, 7 Satz 1 GewStG dürfen Ausgaben, soweit sie mit steuerfreien Einnahmen in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang stehen, nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden. So kann der Aufwand im Zusammenhang mit einer thailändischen Gesellschaft oder einer thailändischen Immobilie in Deutschland nicht steuerlich genutzt werden, wenn der Gewinn aus der Gesellschaft oder Immobilie in Deutschland nicht steuerpflichtig ist.

Dieser Grundsatz gilt auch, wenn eine Erkundungsreise unternommen wird, um mit unserer Kanzlei in Bangkok die Möglichkeiten einer Geschäftstätigkeit zu erörtern. Vorbereitende Tätigkeiten können daher bereits dann steuerlich absetzbar sein, wenn das geplante Vorhaben in Deutschland später zu steuerlich absetzbarem Aufwand führen würde.

3. Gemischter Aufwand

Bei gemischtem Aufwand – geschäftliche Flugreise mit anschließendem Badeurlaub – besteht nur ein anteiliges Abzugsverbot anhand zeitlicher oder quantitativer Kriterien (Aufteilung nach Zeit-, Mengen-, Flächenanteilen oder nach Köpfen). Die Kosten können also (nur) teilweise steuerlich angesetzt werden. Das jahrzehntelang geltende und aus § 12 Nr. 1 S. 2 EStG abgeleitete vollständige Aufteilungs- und Abzugsverbot für gemischte Aufwendungen wurde durch die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs vor einigen Jahren gekippt.

In einem Anfang 2016 veröffentlichten Beschluss hatte der Bundesfinanzhof entschieden, dass ein gemischt genutztes häusliches Arbeitszimmer (in Deutschland) steuerlich nicht absetzbar sei. Diese neue Entscheidung gilt jedoch nur für die Arbeitszimmer-Problematik und beispielsweise nicht für die steuerliche Behandlung von Reisekosten nach Bangkok.

Ein vollständiges Abzugsverbot gilt aber weiterhin für die unverzichtbaren Aufwendungen für die Lebensführung. Der auf der Sukhumvit in Bangkok maßgeschneiderte Anzug, der bei der Arbeit getragenen wird, ist daher weder ganz noch zeitanteilig steuerlich zu berücksichtigen.

4. Unwesentlichkeitsprinzip

Ist die private Mitveranlassung nur von untergeordneter Natur, sind die Aufwendungen vollständig abziehbar. Von einer solchen untergeordneten privaten Mitveranlassung ist auch dann auszugehen, wenn der Reise ein eindeutiger unmittelbarer betrieblicher/beruflicher Anlass zugrunde liegt. Eine Geschäftsreise ist also in voller Höhe absetzbar, auch wenn sie mit etwas Spaß verbunden war. Bei einer nur unwesentlichen (10 %-Grenze) betrieblichen/beruflichen Mitveranlassung ist eine steuerliche Geltendmachung der Kosten dagegen gar nicht möglich.

5. Beweislastverteilung

Der Steuerpflichtige muss

  • die Veranlassung der Aufwendungen sowie
  • den Aufteilungsmaßstab

im Einzelnen umfassend darlegen und beweisen. Dass die deutschen Finanzbeamten bei Thailand-Aufwand doppelt misstrauisch sind, wird niemanden überraschen.


Rechtstipp aus der Themenwelt Steuererklärung und Absetzbarkeit und dem Rechtsgebiet Steuerrecht | Thailändisches Recht

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