Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Die außerordentliche Kündigung des Fitnessstudiovertrages

Rechtstipp vom 27.11.2018
Rechtstipp vom 27.11.2018

Ausstiegsmöglichkeiten aus Fitnessstudioverträgen

Gesundheit und Fitness liegen in Deutschland im Trend. Als Reaktion schießen Fitnessstudios wie Pilze aus dem Boden. Der Fitnesstrend ist zum Geschäft geworden. Doch immer dort, wo es Geschäfte gibt, lauern auch juristische Probleme. Was ist, wenn die guten Vorsätze vorbei sind, oder ich aus anderen Gründen nicht mehr Mitglied in meinem Sportstudio sein möchte? Verbraucher ärgern sich inzwischen zunehmend über die Abofallen von Fitnessstudios. Doch wie ist so ein Vertrag rechtlich zu werten und bin ich wirklich gefangen, wenn ich den Vertrag erst einmal unterschrieben habe? Welche Ausstiegsmöglichkeiten gibt es aus Fitnessstudioverträgen? Das möchte ich Ihnen in diesem Rechtstipp erörtern.

Jahrelanger Knebelvertrag - Was ist eigentlich ein Fitnessstudiovertrag?

Vorab muss gesagt werden, dass bei einem Fitnessstudiovertrag ein ganz normaler Vertrag vorliegt und da gilt frei nach dem alten römischen Rechtssatz “pacta sunt servanda“ – Verträge muss man halten! Der BGH hat inzwischen entschieden, dass ein Fitnessstudiovertrag wie ein Mietvertrag anzusehen ist. Der Kunde erwirbt mit dem Vertrag ein Recht an der Nutzung der zur Verfügung gestellten Trainingsmaschinen, Cardiogeräte, Hanteln etc. Dies bedeutet, dass es wie bei Mietverträgen rechtlich zulässig ist, eine Mindestvertragslaufzeit von über 24 Monaten zu vereinbaren. So sind mitunter auch Laufzeiten von beispielsweise 48 Monaten durchaus denkbar. Das bedeutet: Sogenannte Knebelverträge sind rechtlich zulässig. Zu prüfen könnte hier allerdings sein, ob eine derart lange Vertragslaufzeit eine versteckte AGB-Klausel ist und der Verbraucher bei Vertragsschluss ausreichend auf die Laufzeit hingewiesen wurde. Denn feststeht, dass Laufzeiten von 12 Monaten bis zu 24 Monaten die Regel sind. Musste der Verbraucher mit einer längeren Mindestvertragsdauer nicht rechnen, könnte die Klausel daher unwirksam sein. Dies wäre aber eine Einzelfallentscheidung. Zu beachten ist ferner, dass die Laufzeiten sich meist automatisch verlängern, sofern man die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist nicht einhält. 

Der Vertrag läuft noch, wie kann ich trotzdem vorzeitig kündigen?

Vertrag ist Vertrag, das gilt jedoch nicht nur für Sie, sondern auch für den Betreiber des Fitnessstudios. Insofern muss dieser sich ebenfalls an Recht und Gesetz halten, was bedeutet, dass ein Fitnessstudiovertrag unter gewissen Umständen schon vorher kündbar ist. Verträge sind immer dann außerordentlich kündbar, wenn es zu Problemen im Vertragsverhältnis kommt. In den meisten Fällen müssen Sie dem Betreiber jedoch eine Frist setzen, damit dieser das Problem lösen kann. Erst dann ist eine ausgesprochene Kündigung vor dem eigentlichen Vertragsende rechtlich wirksam. Eine solche außerordentliche Kündigung ist in folgenden Fällen möglich:

  • Erhöhung des Mitgliedsbeitrags
  • langwierige Bauarbeiten im Nebenbereich (Duschen, Sauna, etc.)
  • Fitnessstudio ist aufgrund von Schäden etc. vorübergehend nicht nutzbar
  • Änderung der Öffnungszeiten
  • fehlende Wartung oder Reinigung
  • Wegfall von Sportkursen
  • Umwandlung eines Damenstudios in ein gemischtes Studio
  • Wegfall der Kinderbetreuung
  • plötzliche Betriebsferien
  • Barzahlung von Mitgliedsbeiträgen wird nicht weiter akzeptiert
  • fehlerhafte Abbuchungen vom Konto

In den vorangegangenen Fällen muss dem Fitnessstudio eine angemessene Frist gesetzt werden, das Vertragshindernis zu beseitigen. Erst nachdem diese Chance verstrichen ist, kann von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht werden. Es gibt jedoch auch Fallkonstellationen, in denen eine solche Fristsetzung entbehrlich ist. Dies ist in folgenden Situationen möglich:

  • Krankheit: Das Fitnessstudio muss akzeptieren, wenn Sie krankheitsbedingt sportunfähig sind. Wichtig ist hierbei, dass es eines genauen ärztlichen Attests bedarf und die Sportunfähigkeit die gesamte Vertragslaufzeit über anhalten muss.
  • Lastschrifteinzug trotz Widerruf der Einzugsermächtigung: Achtung, hier kann strafbares Verhalten des Fitnessstudiobetreibers vorliegen, das eine außerordentliche Kündigung ohne Fristsetzung rechtfertigt!
  • Verlust des Vertrauensverhältnisses: Dies kommt insbesondere in Betracht, wenn Mitarbeiter des Studios strafbare Handlungen wie Beleidigung, Diebstahl oder sexuelle Belästigung gegen Sie verüben.
  • unter Umständen eine Schwangerschaft
  • Studioschließung
  • Umzug des Studios

In diesen Fällen ist eine Kündigung nicht möglich

Es gibt eine Reihe von Fällen, die gerüchteweise zu einem Sonderkündigungsrecht führen sollen. Hier besteht ein solches aber für gewöhnlich nicht. Fälle, in denen keine Kündigung möglich sind, sind insbesondere:

  • Verschlechterung der eigenen finanziellen Situation
  • Wechsel des Studiobetreibers
  • Wegfall einzelner Geräte
  • eigener Umzug

Gerade der letzte Punkt, der eigene Umzug, ist immer wieder Diskussionspunkt. Bei einem Fitnessstudio besteht, von Studioketten einmal abgesehen, die Besonderheit, dass Ihre Möglichkeit, die Angebote des Fitnessstudios nutzen zu können, von Ihrem Wohnort abhängt. Dennoch wurde inzwischen höchstrichterlich entschieden, dass der Kunde weiterhin Mitgliedsbeiträge zahlen muss, sofern vertraglich nichts anderes geregelt ist. 

Was kann ich sonst tun? Hilft mir ein Rechtsanwalt?

Sind Sie sich nicht schlüssig, ob einer der genannten Punkte vorliegt, oder wie Sie weiter verfahren sollen, hilft Ihnen unsere Kanzlei bequem und unkompliziert. Mit vielen Studiobetreibern kann man problemlos reden und entsprechende Vereinbarungen treffen. Weiterhin wird unsere Kanzlei den Vertrag und insbesondere die AGB sichten und nach ungültigen Klauseln durchforsten. Denn längst ist nicht alles rechtlich wasserdicht, was in einem Vertrag vereinbart wurde. Mit anwaltlichem Schreiben werden wir mit dem Fitnessstudio kommunizieren, um für Sie ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Dabei setzen wir Fristen für die Behebung von Vertragsmängeln, sprechen Kündigungen aus und sind in der Mediation tätig. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage und stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. 


Rechtstipps aus dem Rechtsgebiet Zivilrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Ihre Spezialisten

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.