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Die Entziehung des Doktorgrades

aus dem Rechtsgebiet Verwaltungsrecht

Der Vorwurf, dass man bei der Anfertigung der Dissertation, sei es in einem geisteswissenschaftlichen Fach, sei es in einem naturwissenschaftlichen Fach, getäuscht haben soll bzw. dass es an der eigenständigen wissenschaftlichen Leistung fehlen soll, kann vollkommen unerwartet kommen. Ein solcher Vorwurf der Fakultät droht natürlich vor allem das berufliche, aber auch das private Leben massiv negativ zu verändern. Sobald man seitens der Hochschule mit diesem Vorwurf konfrontiert wird, empfiehlt es sich sehr, sich selbst mit dem Vorwurf intensiv und kritisch, auch selbstkritisch zu befassen.

Sich zum Vorwurf zu äußern, muss immer die Möglichkeit bestehen, denn es bedarf vor einer etwaigen Rücknahmeentscheidung einer Anhörung des Betroffenen durch das Dekanat. Es gilt, für die sorgfältig zu erarbeitende Stellungnahme zu prüfen, ob tatsächlich von Dritten stammende schriftliche Ausführungen von Überlegungen und Gedanken in großen Teilen weitestgehend unverändert übernommen wurden, ohne dies kenntlich zu machen oder ob man sogar solche Darlegungen Dritter nach sprachlicher Überarbeitung in seine Arbeit aufnahm und sie so als vermeintlich eigene Überlegungen erscheinen ließ oder ob gar Daten, Ergebnisse von Forschungsarbeiten gefälscht oder manipuliert wurden. 

Ganz wichtig ist auch, herauszuarbeiten, in welchem Umfang ungekennzeichnete Übernahmen vorliegen, nur so kann geklärt werden, ob die Bagatellgrenze überschritten ist.

Ganz wichtig ist schließlich die Beantwortung der Frage, wieso fremde Texte/Gedanken übernommen worden waren, ohne dass dies so in der Dissertation deutlich gemacht wurde, also warum man sich dazu berechtigt sah. Stichworte hierzu sind Absicht, Vorsatz und bedingter Vorsatz.

Wer der Auffassung ist, dass eine Täuschung deshalb ausscheide, weil der Betreuer der Arbeit gewusst hätte, dass die Arbeit fremde, als solche aber nicht ausgewiesene Gedanken enthält, irrt.

Wer plagiiert, also täuscht, muss mit einer Sanktion rechnen. Die Promotionsordnung kann dazu Bestimmungen enthalten. Welche konkrete Entscheidung aber vom Fakultätsrat/Fachbereichsrat/Promotionsausschuss getroffen wird, wird regelmäßig auf Grund einer Ermessensentscheidung zu bestimmen sein. Dafür sollten alle für den Betreffenden wesentliche Aspekte vor allem in beruflicher Hinsicht dargelegt werden.

Da es um sehr viel geht, da es sich um rechtlich anspruchsvolle Bereiche handelt, kann es sinnvoll sein, sich schon im Anhörungsverfahren rechtskundiger Unterstützung zu bedienen. Spätestens dann aber empfiehlt sich das, wenn man nach allein durchgeführten Anhörungsverfahren die Dissertation für ungültig erklärt und seinen Doktortitel entzogen bekommen hat. Gegen diese Entscheidung kann grundsätzlich binnen Monatsfrist – nicht verlängerbar! – ein Rechtsbehelf eingelegt werden. Angesichts der Tragweite und Bedeutung solcher Entscheidungen kann es gut gerechtfertigt sein, eine gerichtliche Klärung herbeizuführen.

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            Jörg Sion Jörg Sion

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