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Die größten Irrtümer im Dieselgate

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Nr. 1: Ich kann meine Ansprüche gegen VW nicht mehr geltend machen, weil es zu lange her ist.

Dieser Irrtum ist unter Dieselfahrern leider weit verbreitet, was wohl auch daran liegt, dass im Internet und in diversen Artikel eine verwirrende bis falsche Darstellung der Verjährung erfolgt.

Mit Eintritt der Verjährung kann sich der Schuldner darauf berufen, mit der Folge, dass er nicht mehr leisten muss. Der Irrtum ist wohl dadurch entstanden, dass VW erklärt hat, sich bis Ende 2017 nicht auf diese Einrede der Verjährung zu berufen. Daraus haben viele Leute geschlossen, dass es auch nur möglich ist bis dahin Ansprüche durchzusetzen. Dies ist jedoch falsch! Es ist vielmehr so, dass die Ansprüche gegenüber VW erst Ende 2018 verjähren. Daraus folgt, dass sich VW bis dahin gar nicht auf die Einrede der Verjährung berufen kann. Damit trägt VW selbst Verantwortung dafür, dass dieser Irrtum entstanden ist. 

Eine frühere Verjährung kommt nur für Ansprüche gegenüber den Händlern in Betracht.

Konsequenz des Ganzen ist: Die Ansprüche gegen VW sind noch nicht verjährt! Beim Kauf eines Fahrzeuges mit einem EA189 Motor im Jahr 2013 können Sie Ihre Ansprüche gegen VW bis Ende 2018 durchsetzen.

Nr. 2: Ich kann nur gegen den Händler klagen.

Die Hersteller würden sich vermutlich sehr freuen, wenn dies wäre. So ist es aber nicht. Als Käufer kann man sowohl gegen den Händler als auch gegen den Hersteller vorgehen. Für Audi-Fahrer mit einem EA189 Motor ergibt sich zusätzlich die Möglichkeit gegen den Händler, Audi als Hersteller des Fahrzeuges und VW als Hersteller des Motors vorzugehen.

Der Großteil unser Mandanten geht sogar lieber direkt gegen den jeweiligen Hersteller vor, da dem Händler meist kein Vorsatz nachgewiesen werden kann, wodurch nur geringe Schäden geltend gemacht werden können.

Irrtum behoben? Eine Klage gegen die Hersteller, etwa VW und Audi, ist direkt möglich.

Nr. 3: Ich habe keinen VW, sondern eine Seat/Skoda und habe deshalb keine Rechte im Dieselskandal 

Wir hören immer wieder von Seat bzw. Skoda-Fahrern, dass Sie im Dieselgate keinerlei Rechte haben. Dies ist definitiv nicht so. Die Marken Seat und Skoda gehören wie Audi zum VW Konzern, weshalb eine Klage gegen VW ebenso möglich. Entscheidendes Kriterium ist, dass in Ihrem Fahrzeug ein EA189 Motor verbaut ist. Dies können Sie auf folgenden Websites überprüfen, wobei zu beachten ist, dass die Überprüfung per FIN nur für den Motor EA189 eingerichtet ist. Für weitere betroffene Motoren, wie etwa den V8 3.0 Diesel Motor von Audi, gibt es so etwas nicht.

  • Der Link für VW-Fahrer: http://info.volkswagen.de/de/de/home.html?tab=check-own-car 
  • Der Link für Audi-Fahrer: http://www.audi.de/de/brand/de/neuwagen/layer/serviceaktion.html 
  • Der Link für Skoda-Fahrer: http://skoda-recallactions.skoda-auto.com/de-de/?s=W&cd=0
  • Der Link für Seat-Fahrer: http://www.seat.de/ueber-seat/dieselmotoren/home.html

Sofern Ihr Fahrzeug betroffen ist, wird entweder angezeigt, dass für Ihr Fahrzeug ein Software-Update verfügbar oder bereits durchgeführt worden ist.

Mit einem Seat, Skoda oder Audi stehen Ihnen die gleichen Rechte gegen VW zu wie mit einem VW.

Nr. 4: Mein Fahrzeug hat einen 3-Liter-Motor und wird auf den Serviceseiten nicht erwähnt, also bin ich wohl nicht betroffen.

So einfach ist das nicht! Nachdem festgestellt worden ist, dass der von Audi gebaute 3-Liter-Motor betroffen ist wurden folgenden Fahrzeuge zurückgerufen:

  • AUDI A4
  • AUDI A5
  • AUDI A6
  • AUDI A7
  • AUDI A8
  • AUDI Q5
  • AUDI SQ5
  • AUDI Q7
  • VW Touareg
  • Porsche Cayenne

Für den

  • Porsche Macan

wird die offizielle Rückrufaktion erwartet.

Eine Betroffenheit liegt außerdem immer vor, wenn Sie zum Software-Update aufgefordert werden.

Nr. 5: Kleine Käufer haben keine Chance gegen die übermächtigen Autohersteller.

Diesem Gerücht muss entschieden entgegengetreten werden! Mittlerweile ist VW in über 100 Fällen verurteilt worden und die Anzahl der Urteile gegen Audi wächst stetig. Die Chancen für die Käufer sind damit erfolgsversprechend. Eine Auflistung der Urteile finden Sie unter https://www.diesel-gate.com/vw-urteil/. Die aktuellen Ermittlungen gegen den ehemaligen Konzernchef Winterkorn verbessern die Aussichten dabei noch weiter.

Nr. 6: Mit durchgeführtem Software-Update sind meine Rechte dahin.

Eine Klage gegen VW und AUDI ist unabhängig von einem durchgeführten Software-Update möglich.

Bei der Klage gegen einen Händler kommt es darauf an, ob das Software-Update für Sie eine Nacherfüllung im juristischen Sinne dargestellt hat. Dies ist nicht der Fall, sofern Sie das Update nur durchgeführt haben, um einem drohenden Zulassungsverbot zu entgehen. Diese Ansicht hat das OLG Köln jüngst bestätigt.

Ihre Rechten bestehen trotz Software-Update in gleichem Maße. 


Rechtstipp vom 07.06.2018

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Alle Rechtstipps von Rechtsanwalt Florian Max Baumeister (Baumeister Rosing Rechtsanwaltsgesellschaft mbH)

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