Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Die innere Kündigung

Rechtstipp vom 23.09.2015
(4)
Rechtstipp vom 23.09.2015
(4)

Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses ist für einen Beschäftigten ein tiefer Einschnitt in sein Leben. Wer keinen Job mehr hat, verliert sein tägliches Arbeitsumfeld und solange noch kein neuer Broterwerb in Sicht ist, heißt es finanziell die Gürtel enger schnallen. Dennoch tragen sich viele Arbeitnehmer mit dem Gedanken, den Job hinzuschmeißen. In der Regel sind Stress am Arbeitsplatz oder mangelnde Zukunftsperspektiven der Beweggrund.

Ein fiktives Beispiel:

Andreas Huber ist 42 Jahre und seit 15 Jahren bei einem mittelständischen Unternehmen beschäftigt. Vor zwei Jahren wurde die Firma von einer amerikanischen Unternehmensgruppe erworben, wenige Wochen später wurde die Geschäftsleitung ausgewechselt. Mit dem alten Geschäftsführer hatte Herr Huber kaum Probleme, doch seit die neue Führung da ist, hängt der Haussegen schief. In Mitarbeiterbesprechungen wird Herr Huber vor versammelter Mannschaft bloßgestellt, seine Vorschläge werden nicht erhört und gelegentlich fallen sogar erhitzte Worte. Kurz: Unser Mitarbeiter befindet sich in einer Situation, die ihn psychisch mehr und mehr mitnimmt und ihn darüber nachdenken lässt, alles hinzuschmeißen.

Mit einer Eigenkündigung kann dem Leiden am Arbeitsplatz zwar schnell ein Ende bereitet werden, denn soweit die gesetzliche Kündigungsfrist des § 622 Abs.1 BGB greift, könnte Herr Huber schon in vier Wochen ein freier Mann sein. Doch wenn er das Arbeitsverhältnis selbst auflöst, sperrt die Agentur für Arbeit ihm zunächst einmal für 12 Wochen das Arbeitslosengeld. Vor allem: Solange kein neuer Job in Sicht ist, hat ein Mann in der Mitte des Lebens im Grunde wenig Gestaltungsmöglichkeiten. Häufig binden ihn finanzielle Verpflichtungen: Das familiäre Eigenheim muss abgezahlt werden und die Kosten für die Ausbildung der Kinder sind auch nicht ohne.

Was tun?

Zunächst einmal: Das ist nicht der Zeitpunkt für Alleingänge und Schnellschüsse. Die Situation belastet nicht nur Herrn Huber. Es ist offensichtlich, dass auch der Geschäftsführung an einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses gelegen ist. Das Unternehmen wird also bereit sein, etwas Geld in die Hand zu nehmen, um Herrn Huber loszuwerden. Soll Herr Huber also die Karten auf den Tisch legen und eine Abfindung fordern? Das ginge etwas zu schnell. Die Geschäftsführung würde in einem solchen Fall erstaunt schauen und den Mitarbeiter auffordern, doch selbst zu kündigen, wenn er gehen möchte. Ein gutes Zeugnis werde man selbstverständlich erstellen.

Ein guter Schritt ist der Weg zum Betriebsrat, soweit er im Unternehmen vertreten ist. Der Betriebsrat dient als Vermittler und vor allem kann der Mitarbeiter heraushören, ob es schon vergleichbare Fälle im Unternehmen gab. Gibt es keinen Betriebsrat, kann es sich anbieten, das Gespräch mit dem Arbeitgeber selbst zu suchen, aber verschiedene Optionen in den Raum zu stellen. Also z.B. die Möglichkeit einer Umsetzung im Unternehmen oder eines Ausscheidens als Alternativen anzubieten. Bereits an dieser Stelle empfiehlt es sich, einen Anwalt zur Besprechung der Strategie heranzuziehen, auch wenn man nach außen hin selbst handelt.

Solche Schritte machen häufig den Weg frei für eine Aufhebungsvereinbarung. In der Regel wird das Unternehmen nach einiger Zeit einen Vorschlag machen.

Es ist so weit: Herr Huber hält einen Vorschlag in den Händen. Soll er ihn unterschreiben? Kommt drauf an, was drinsteht. Die genaue Bedeutung jeder Klausel wird Herr Huber auch nach zwei Stunden Internetrecherche nicht zweifelsfrei ermittelt haben. Ist aber ein Aufhebungsvertrag erst einmal unterschrieben, gibt es keinen Weg zurück. Und eine kleine Fahrlässigkeit kann große Folgen haben. Daher: Die Aufgabe von Herrn Huber ist es, zügig einen neuen Job zu finden, damit es weitergeht. Den Aufhebungsvertrag sollte er an den Profi, nämlich den Anwalt, zur Prüfung geben.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Rechtsanwalt Christian Oberwetter (esb Rechtsanwälte EWIV)

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.