Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen
Teilen

E-Mail

Facebook

Twitter

LinkedIn

Xing

Link

Die Kryptowährungen „Bitcoin“ und „Libra“ in deutschen Steuerrecht!

(4)

Die Kryptowährung „Bitcoin“ existiert seit zehn Jahren. Die steuerlichen Konsequenzen der vorübergehenden Überlassung von Bitcoin-Einheiten („Lending“) oder deren Veräußerung lassen sich nach den steuerlichen Regelungen des geltenden Rechts beurteilen. 

Beim Lending erhält die die Bitcoin-Einheiten überlassende Person als Gegenleistung andere Bitcoin-Einheiten. Die Gegenleistung bzw. der Wert der erhaltenen Bitcoin-Einheiten wird steuerlich als laufender Ertrag beurteilt, der nach § 22 Nr. 3 Satz 1 Einkommensteuergesetz (ESt) als sonstige Einkünfte zu versteuern sind. 

Das Lending ist demnach nur dann nicht einkommensteuerpflichtig, wenn der Wert der Gegenleistung/der Wert der erhaltenen Bitcoin-Einheiten weniger als € 256 sind.

Gehört die Bitcoin-Einheit zum steuerlichen Privatvermögen, ist sie also nicht Teil eines unternehmerischen steuerlichen Betriebsvermögens, und wird die Bitcoin-Einheit innerhalb eines Jahres in Euro und/oder in eine andere Kryptowährung getauscht, liegt ein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 Abs. 1 Satz 1 EStG vor. 

Die Finanzverwaltung geht sogar so weit und beurteilt jeden Zahlungsvorgang mit Bitcoin-Einheiten als privates Veräußerungsgeschäft und macht so jede Nutzung des Bitcoins als Zahlungsmittel steuerpflichtig, da ein Tauschgeschäft gegeben sei. 

Damit wird selbst die Zahlung des Brötchens beim Bäcker mit Bitcoins, was in der Praxis sicher eher (noch) unrealistisch ist, zum steuerpflichtigen Vorgang! Oder die Zahlung des Einkaufs im Supermarkt, der Kauf eines Buches im Internet, eines Pkw beim Händler etc. sind erklärungspflichtige Veräußerungstatbestände bzw. Tauschgeschäfte gegen Bitcoins, die in der Steuererklärung vom Steuerpflichtigen zu erklären sind! Wer denkt schon daran – wenn er den Bitcoin als Zahlungsmittel nutzt?

Werden mit der Bitcoin-Einheit durch das Lending steuerpflichtige Einkünfte generiert – siehe oben –, dann verlängert sich die zur Steuerpflicht führende Veräußerungsfrist von einem Jahr sogar auf 10 Jahre. 

Versetzen wir uns in die Lage des Steuerpflichtigen, der für sich in den letzten Jahren den Hype um den Bitcoin oder jede andere Krytowährung entdeckt hat. Wurden die „Bitcoin-Geschäfte“ in den Steuererklärungen der letzten Jahre erfasst? 

Wie lassen sich diese steuerpflichtigen Vorgänge vom Steuerpflichtigen rückblickend nachvollziehen, geschweige denn nachweisen, wenn er guten Willens ist, eine Selbstanzeige für mehrere Jahre in der Vergangenheit abzugeben? 

Die Probleme, die seinerzeit Uli Hoeneß hatte, nach 10 Jahren noch seine „Day-Trading-Geschäfte“ schnellstmöglich für eine Selbstanzeige zusammenzustellen, könnten ein Gefühl dafür geben, wie die Beweislage bei den Rechtsgeschäften mit Kryptowährungen aussieht! 

Wie kann die Finanzverwaltung diese steuerpflichtigen Vorgänge mit Kryptowährungen prüfen bzw. entdecken, offen legen? 

Beim Bundesfinanzhof ist ein Verfahren anhängig, das die vorinstanzliche finanzgerichtliche Auffassung prüft, das in diesen Zusammenhängen der Steuerpflicht von Kryptowährungen die Finanzverwaltung ein Vollzugsdefizit nicht leugnen kann. 

Nicht auszuschließen ist, dass – wenn der Bundesfinanzhof und anschließend das Bundesverfassungsgericht diese Auffassung teilt – der Gesetzgeber zwingend handeln muss, um entweder die Steuerpflicht als Zahlungsmittel einzugrenzen bzw. abzuschaffen oder aber den Vollzug der Steuerpflicht durch die Finanzverwaltung angemessen regeln, wie seinerzeit bei der Versteuerung von Einkünften aus Kapitalvermögen mit der Einführung der Zinsabschlagsteuer. 

Die „Handelsplattformen“ für die Kryptowährungen müssten die steuerpflichtigen Vorgänge – wie heute selbstverständlich die Banken – erfassen und den Steuerpflichtigen am Jahresende zur Verfügung stellen. Eine digitale Herausforderung.

Facebook sollte sich also bereits heute Gedanken darüber machen, mit welchen steuerlichen Konsequenzen das geschaffene „Zahlungsmittel“ Libra heute und in der Zukunft zu kämpfen hat. Und jeder Steuerpflichtige natürlich auch.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Bankrecht & Kapitalmarktrecht, Steuerrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.