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Die Kündigung des WG-Zimmers – Darauf müssen Sie achten!

Rechtstipp vom 19.03.2019
Aktualisiert am 20.03.2019
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Wohngemeinschaften werden insbesondere in Zeiten von explodierenden Mietpreisen und knappen Wohnraum immer beliebter. Hinzu kommt, dass die Abende zu Hause nicht allein verbracht werden müssen und auch andere für die Unordnung verantwortlich gemacht werden können.

So unkompliziert das Leben in einer Wohngemeinschaft erscheint, so komplizierter kann es werden, wenn ein Mitbewohner aus der Wohngemeinschaft wieder ausziehen möchte. 

Damit Sie auf der sicheren Seite sind, folgt ein Überblick über die gängigsten Konstellationen.

Es ist zwischen 4 verschiedenen Konstellationen zu unterscheiden.

  1. Alle WG-Bewohner stehen namentlich im Mietvertrag und haben jeweils auch unterschrieben.
  2. Als Mietpartei im Mietvertrag ist die Wohngemeinschaft als solche aufgeführt.
  3. Die typische Studenten-WG.
  4. Untermietverhältnis.

Für jede der hier aufgeführten Konstellationen gelten unterschiedliche Regeln für die Kündigung eines Mitbewohners.

Zu 1.

In dieser Konstellation kann, nach dem Grundsatz „Einheit des Mietverhältnisses“, eine Person das WG-Zimmer nur kündigen, wenn alle anderen Mieter ebenfalls die Kündigung erklären. Der Vermieter wird zwar in der Regel ein Interesse daran haben, dass die übrigen Mieter in der Wohnung bleiben, die Praxis zeigt jedoch, dass dies nicht immer der Fall ist.

Zwar hat der Auszugswillige einen Anspruch gegen die übrigen Mitglieder, an der Kündigung bzw. einem Aufhebungsvertrag mitzuwirken, dieser Anspruch muss im Zweifel jedoch gerichtlich durchgesetzt werden. 

Diese Lösung bietet sich in der Regel nur für 2er WGs an, deren Bestand auch gerade auf das gemeinsame Zusammenleben mit einer bestimmten Person gerichtet ist. 

Zu 2.

Diese Konstellation ist äußerst selten. Dies liegt primär daran, weil sie für den Vermieter mit großer Unsicherheit verknüpft ist. Steht die Wohngemeinschaft als solche als Mietpartei im Vertrag (z. B. Mieter: Wohngemeinschaft Schlossstraße 1), können die Mitglieder der WG frei wechseln, einer Absprache mit dem Vermieter bedarf es insoweit nicht. Dies ist darin begründet, dass es sich bei einer WG um eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts handelt, welche von ihrem Personenbestand unabhängig ist. Sollte Sie jedoch Mitglied in einer solchen WG sein, müssen Sie nicht mit Widerstand Ihres Vermieters im Falle Ihres Auszugs rechnen.

Zu 3.

Bei einer typischen Studenten-WG, welche erkennbar auf die Unterbringung von mehreren Personen ausgerichtet ist, kann sich schon aus dem Sinn und Zweck des WG-Lebens eine Besonderheit ergeben. Wenn eine WG für Außenstehende gerade darauf ausgerichtet ist, auch trotz wechselnder Mitbewohner weiter Bestand zu haben, kann sich der Vermieter dem Wechsel der Vertragsparteien nicht entscheidend entgegenstellen. Er kann sich z. B. nicht darauf berufen, dass eine Kündigung eines einzelnen unwirksam ist, weil die Unterschriften der anderen fehlen. 

Dies stellt für die Mitbewohner in der Regel die komfortabelste Lösung dar. Um Unstimmigkeiten zu vermeiden, sollte jedoch bereits der Mietvertrag eine Klausel beinhalten, die es einzelnen Mitbewohnern erlaubt, „ihren“ Mietvertrag alleine zu kündigen.

Zu 4. 

Als vierte Gestaltungsmöglichkeit kann ein Haupt- und Untermietverhältnis geschlossen werden. Das heißt, dass eine Partei als Hauptmieter den Mietvertrag mit dem Vermieter schließt, dieser die Zustimmung zur Untervermietung erteilt und dann der Hauptmieter die übrigen Zimmer an die Untermieter vermietet. Auch in dieser Konstellation kann es zu vielen Komplikationen kommen. So stehen die Untermieter zu dem eigentlichen Vermieter der Wohnung in keinem Vertragsverhältnis, sondern müssen sich immer an ihren Vertragspartner – den Hauptmieter – halten. Dies führt nicht selten zu erheblichen Belastungen für Freundschaften. Wenn plötzlich der beste Kumpel oder die beste Freundin die Miete um 30 % mindert, weil sein/ihr Zimmer im Winter nicht richtig warm wird, kann es schon mal unangenehm werden in der WG-Küche.

Sollte der Untermieter kündigen wollen, kann er das jedoch unproblematisch gegenüber dem Hauptmieter in der gesetzlichen Kündigungsfrist.

Mithin kann festgehalten werden:

Für kleine WGs von etwa 2 Personen, denen es insbesondere auf das gemeinsame Zusammenleben mit einer bestimmten Person ankommt, ist es interessengerecht, beide Personen in den Mietvertag mit aufzunehmen.

Größeren WGs ist zu raten, im Mietvertrag die Möglichkeit des Wechsels der Vertragsparteien zu vereinbaren, sodass der Wechsel der Mietvertragsparteien unkompliziert und schnell durchgeführt werden kann.

Wurde Ihre Kündigung durch den Vermieter nicht akzeptiert? Weigern sich Ihre Mitbewohner Sie aus dem Mietverhältnis zu entlassen? Haben Sie allgemeine Fragen zum Mietrecht? Nehmen Sie Kontakt mit uns auf und wir helfen Ihnen, diese Probleme zu lösen.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Mietrecht & Wohnungseigentumsrecht

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