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Die Patchworkfamilie – Erbrechtliche Fallstricke

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Mehr als 10 % aller deutschen Familien sind Patchworkfamilien. Hierbei handelt es sich, rein rechtlich betrachtet, nicht um eine, sondern um zwei unterschiedliche Familien. Dies kann dazu führen, dass im Sterbefall die Kinder aus erster Ehe benachteiligt werden. Deshalb ist es zwingend notwendig, ein Testament zu errichten.

Hinzu kommt, dass auch der getrenntlebende Ehegatte, von dem man noch nicht geschieden ist, gesetzlicher Erbe ist. Und auch Ehegattentestamente und Eheverträge, die mit dem getrenntlebenden Ehegatten verfasst worden sind, behalten bis zur Scheidung ihre Gültigkeit.

Für den Fall, dass Sie mit Ihrem neuen Partner oder Ihrer neuen Partnerin nur zusammenleben, aber noch nicht geschieden sind, müssen Sie auf jeden Fall ein Testament errichten, denn in dieser Phase steht trotz der Trennung den ehemaligen Ehegatten nicht nur ein gesetzliches Erbrecht zu, sondern es gelten beispielsweise auch gemeinschaftlich mit diesem verfasste Ehegattentestamente oder Erbverträge weiter.

Sind Sie zwischenzeitlich geschieden und mit Ihrem neuen Partner verheiratet, gilt dies natürlich nicht. Dafür kann das Problem entstehen, dass es ohne Testament zur Benachteiligung der Kinder aus der ersten Ehe führen kann. Und zwar dann, wenn Sie der Erstversterbende sind. In diesem Fall erben ihre Kinder aus erster Ehe zwar neben dem neuen Ehegatten, verstirbt dieser später, sind die Kinder aus erster Ehe vom Erbe ausgeschlossen. Im konkreten Fall kann dies beispielsweise zu dem Ergebnis führen, dass Ihr Kind aus erster Ehe lediglich ¼ Ihres eingebrachten Vermögens erbt, Ihr Kind aus zweiter Ehe ¾.

Nur durch ein gemeinsames Testament kann dies verhindert werden.

Aber auch dann, wenn Sie ein gemeinsames Testament errichtet haben, kann es zu Nachteilen kommen.

Sie müssen darauf achten, dass auch Ihr Kind oder Ihre Kinder aus erster Ehe hinreichend bedacht werden. Selbst, wenn Ihr Partner vor Ihnen verstirbt, haben Sie in der Regel keine Möglichkeit mehr, das gemeinschaftlich gefasste Testament zu ändern.

So hatte ich einen Fall, in dem der Mandant zwei eigene Kinder mit in die Ehe gebracht hat, der Ehepartner drei. Die Eheleute hatten sich testamentarisch gegenseitig zu Alleinerben eingesetzt, im zweiten Sterbefall sollten alle fünf Kinder zu gleichen Teilen erben. Als nun die Ehefrau starb, haben die Kinder gegenüber unserem Mandanten ihren Pflichtteil geltend gemacht nach der verstorbenen Mutter. Da für diesen Fall in dem Testament keine Regelung getroffen wurde, erhielten die Kinder der Ehefrau somit zusätzlich zu ihrem späteren Erbteil auch noch den Pflichtteil nach der Mutter. Sie wurden somit besser gestellt als die Kinder unsres Mandanten.

Egal, ob Sie in einer Patchworkfamilie mit oder ohne Trauschein leben, um Streit sowohl im ersten als auch im zweiten Erbfall unter den Erben und Pflichtteilsberechtigten zu vermeiden, ist die Erstellung eines Testaments, welches auf Ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist, unumgänglich.

Hierbei stehen meine Kolleginnen und ich Ihnen gerne zur Verfügung. Wir arbeiten deutschlandweit und sind als reine Erbrechtskanzlei auf dieses Thema spezialisiert.

Sollte bei Ihnen entsprechender Handlungsbedarf bestehen, rufen Sie uns an und vereinbaren einen Termin zur Erstberatung. Dieser kann auch telefonisch oder im Rahmen einer Videokonferenz stattfinden, sodass wir deutschlandweit für Sie tätig werden können.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Erbrecht

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