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Die Rechte des Opfers als Nebenkläger im Strafprozess

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Die Nebenklage gibt Opfern die Möglichkeit neben der Staatsanwaltschaft als weiterer Kläger bei Gericht aufzutreten. Dem Opfer stehen dann eigene Verfahrensrechte zu. 

Eine Nebenklage ist möglich, wenn das Opfer Verletzter eines der im Katalog des § 395 StPO aufgeführten Delikte ist.

Zu diesen nebenklageberechtigten Personen gehören u.a. folgende Verletzte:

1. Opfer von Taten gegen die sexuelle Selbstbetimmung; hierunter fallen u.a. der sexuelle Mißbrauch von Kindern, die sexuelle Nötigung und Vergewaltigung, sowie der Menschenhandel.

2. Opfer von Taten gegen die Ehre; hierunter fallen u.a. die Beleidigung, die üble Nachrede, sowie die Verleumdung.

3. Opfer von Taten gegen die körperliche Integrität; hierunter fallen u.a. die Aussetzung, die Körperverletzung sowie die Mißhandlung von Schutzbefohlenen.

4. Opfer von Taten gegen die persönliche Freiheit; hierunter fallen u.a. der Menschenraub, die Geiselnahme sowie die Entziehung Minderjähriger.

5. Opfer von versuchten Tötungen.

6. Hinterbliebene Angehörige.

Auch bei einer fahrlässigen Körperverletzung kann eine Nebenklage zulässig sein. Allerdings müssen hier zusätzlich besondere Gründe - wie etwa die schweren Folgen der Tat - hinzutreten, damit die Nebenklage zulässig ist.

Ab Erhebung der öffentlichen Klage ist der Anschluss als Nebenkläger in jeder Lage des Verfahrens zuläsig. Zu beachten ist jedoch, dass im Stafverfahren gegen Jugendliche die Nebenklage unzulässig ist.

Die Anschlußerklärung des Nebenklägers ist schriftlich bei Gericht einzureichen. Nachdem das Gericht vorab noch die Staatsanwaltschaft hierüber angehört hat, entscheidet es über die Berechtigung zum Anschluss.

Nach dem erfolgten Anschluss stehen dem Opfer in seiner Position als Nebenkläger zahlreiche Verfahrensrechte zu, die in der Hauptverhandlung zum tragen kommen. Während man als Zeuge vor der Vernehmung dem Sitzungssaal fern bleiben muss, hat das Opfer das Recht, während der gesamten Verhandlung anwesend zu sein, auch wenn es zu einem späteren Zeitpunkt noch als Zeuge vernommen werden wird. Ferner stehen dem Opfer ein Fragerecht, ein Beweisantragsrecht sowie das Recht zur Abgabe von Erklärungen zu. Darüber hinaus kann das Opfer unabhängig von der Staatsanwaltschaft Rechtsmittel einlegen.

Auch kann das Opfer sich anwaltlich vertreten lassen oder zur Hauptverhandlung im Beistand eine von ihm gewählten Rechtsanwalts erscheinen. 

Sandra Krieglsteiner
Rechtsanwältin
Barbarastrasse 43
50996 Köln
T +49 221.340 28 97
F +49 221.340 28 98
E krieglsteiner@wdgk.com
http://www.wdgk.com

Rechtstipp vom 16.08.2007
aus der Themenwelt Strafverfahren und den Rechtsgebieten Opferhilfe, Strafrecht

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