Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Die Rechte des Verletzten im Opferverfahren

Rechtstipp vom 27.12.2018
Rechtstipp vom 27.12.2018

Die Rechte des Verletzten im Opferverfahren

Die seit Jahren anhaltende und zum Teil mit viel Leidenschaft geführte Diskussion über die Rechte der „Opfer“ hat bisweilen kein Ende gefunden.

Die Bezeichnung „Opfer“ weicht dem Begriff „Verletzter“, da dieser weniger emotional aufgeladen ist. Zudem will sich gleichwohl auch nicht jeder Geschädigte in die Opferrolle gedrängt sehen.

Durch eine Straftat wird nicht nur in Persönlichkeitsrechte des Verletzten eingegriffen. Oft sind auch die weiteren Tatfolgen für die betroffene Person ganz erheblich. Nicht ganz zu unterschätzen sind bei bestimmten Betroffenen große persönliche Verunsicherung sowie tiefgreifende psychische Destabilisierung bis hin zu lebenslang bleibenden Schäden festzustellen. Die Rechte des Verletzten sind hierzu vielfältig und mit dem Opfervertreter einzelfallbezogen zu besprechen und abzustimmen.

Vor allem aber sind es Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und Gewaltdelikte, deren traumatische Folgen oftmals nur aufgrund ebenso schneller wie intensiver Beratung und Unterstützung sowie einer umfassenden Aufarbeitung beseitigt oder zumindest möglichst gering gehalten werden können.

Insgesamt ist überschaubar und in Sexual- und Gewaltstrafverfahren deutlich geworden, dass die „Verletzten“ oftmals nicht ausreichend geschützt sind. Dazu kommt, dass Sie im Strafprozess weiteren Belastungen ausgesetzt sind, die sie zusätzlich zu den bereits erlittenen Erniedrigungen und Schäden hinnehmen müssen.

Die traumatischen und posttraumatischen Belastungsstörungen sind in vielen Fällen nur mit intensiver Betreuung durch Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen und medizinischer Behandlung abzufangen. Die Beratung von Betroffenen, Zeugenbetreuung und finanzielle Unterstützung sind Aufgabenbereiche, denen sich staatliche und private Einrichtungen angenommen haben.

Der Gesetzgeber ist nunmehr weitgehend dem Bedürfnis des Verletzten nach mehr Verständnis für seine besondere physische und psychische Lage und entsprechende Hilfe nachgekommen und hat den Verletzten mit Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Strafprozess ausgestattet. Während die materiellen Schäden zumeist zeitnah kompensiert werden können, dauern die psychischen Schäden noch längere Zeit an und können auch das soziale Umfeld, allen voran die weiteren Familienangehörigen des Betroffenen, nachhaltig beeinflussen. Dieser besonderen Situation des Verletzten muss daher seitens aller Verfahrensbeteiligter in ihrem Handeln außerhalb und innerhalb des Strafprozesses Rechnung getragen und auch in die jeweiligen taktischen Überlegungen mit einbezogen werden. Dies gilt natürlich vor allem für den Strafverteidiger, aber nicht zuletzt auch für den anwaltlichen Beistand des Verletzten.

Der Kern des Strafprozesses ist nach wie vor, die Interessen aller am Verfahren Beteiligten und der Gesellschaft zu wahren. Es geht nämlich um den Grundsatz des „fairen Verfahrens“. Gleichzeitig dazu darf die Verbesserung des Schutzes nicht einseitig zulasten des Beschuldigten gehen.

Der moderne Strafprozess weist dem Verletzten eine Rolle zu, die die Grundrechte subjektiv gewährleistet. Dies dient dazu, gesellschaftliche Konflikte zu vermeiden, indem nicht der Eindruck entstehen sollt, dass die Rechte des Verletzten nicht beachtet werden. Dem Betroffenen der Straftat geht es gleichwohl darum, sein Genugtuungsinteresse zu befriedigen sowie auf schnellem und effektivem Weg eine finanzielle Kompensation für erlittene Schäden zu erhalten. Hierzu steht im Strafverfahren das Adhäsionsverfahren zur Verfügung.

Den Betroffenen einer Straftat steht auch eine anwaltliche Vertretung zu. Neben der freien Wahl eines Rechtsanwalts, die natürlich mit finanziellen Belastungen verbunden ist – zumindest sein kann.

In bestimmten Fällen hat der Verletzte vom Gesetzgeber einen Anspruch auf einen Rechtsanwalt, der ihm auf Staatskosten zugeordnet wird. Ob dies der Fall ist, kann in einem Beratungsgespräch geklärt werden. Zumeist ist eine Sicht in die Ermittlungs- bzw. Strafakte erforderlich. Eine solche Beratung ist grundsätzlich nach den Rahmen des RVG abzurechnen. Ausnahmsweise kann bei evidenten Fällen darauf verzichtet werden, wenn sich der Anschluss an die Nebenklage auf Staatskosten aufdrängt.


Rechtstipps aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Rechtsanwalt Mustafa Ertunc (Kanzlei Ertunc)

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.