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Die Unternehmergesellschaft – Alternative zur Limited

Rechtstipp vom 25.02.2008
(24)
Rechtstipp vom 25.02.2008
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Das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) wird voraussichtlich Mitte des Jahres 2008 in Kraft treten. Neben tiefgreifenden Änderungen im GmbH-Recht beinhaltet die Reform auch Änderungen im Insolvenz- und Verfahrensrecht, welche die GmbH deregulieren, Existenzgründungen erleichtern und Missbrauch bekämpfen sollen.   

Für die Existenzgründer am bedeutsamsten wird die Unternehmergesellschaft als Variante der GmbH mit einem Mindeststammkapital ab € 1,00 sein.

Die Änderungen im Einzelnen: 

1.      Zu den Änderungen ist vorab die vereinfachte Gründung der Gesellschaft zu nennen. So ist für Standardgründungen die Verwendung eines Mustergesellschaftsvertrags vorgesehen, wodurch eine notarielle Beurkundung nicht mehr erforderlich ist, was zu einer wesentlichen Kostenreduzierung und einer Beschleunigung des Verfahrens führen wird.  

Neben der Verfahrensbeschleunigung durch die Einführung des elektronischen Handelsregisters am 01.01.2007 wird nun durch die Abkoppelung des Eintragungsverfahrens von anderen verwaltungsrechtlichen Genehmigungsverfahren, wie etwa Gewerbeerlaubnisverfahren eine weitere Beschleunigung erreicht.

Ferner wird das Mindeststammkapital von € 25.000,00 auf € 10.000,00 herabgesetzt, wovon wie bisher die Hälfte einzubezahlen ist. Durch die Aufteilung der Geschäftsanteile in künftig € 1,00 und deren Nummerierung können diese leichter geteilt, zusammengelegt und übertragen werden. Bei der Einbringung von Sacheinlagen wird künftig das Problem der unterbewerteten oder verdeckten Sacheinlagen entschärft. Sollten sich tatsächlich Unterbewertungen herausstellen, ist künftig nur noch die Differenz in bar zu bezahlen. 

Bei all diesen Deregulierungs- und Entbürokratisierungsmaßnahmen wurde auf der anderen Seite zur Vermeidung von Missbräuchen die Haftung des Geschäftsführers bei Ausplünderung der GmbH in das Gesetz aufgenommen.

2.      Für Existenzgründungen, welche am Anfang nur wenig Stammkapital benötigen, wie etwa im Dienstleistungsbereich, stellt die Unternehmergesellschaft als Variante der GmbH eine echte Alternative dar.  

Durch die Vereinfachungen der GmbH-Reform ist sie in Kombination mit dem Gründungsset flexibel, schnell, einfach und kostengünstig zu gründen.  

Sie firmiert unter Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) oder UG (haftungsbeschränkt).

Bei ihr ist ein Stammkapital ab € 1,00 möglich. Aus den laufenden Gewinnen der folgenden Geschäftsjahre ist jeweils ein Viertel des Jahresüberschusses in eine gesetzliche Rücklage einzustellen, bis das Stammkapital von € 10.000,00 erreicht ist, so dass das Stammkapital einer „normalen" GmbH angespart werden kann. 

3.      Im Insolvenzrecht fällt künftig die bisher nur schwer verständliche Problematik um die eigenkapitalersetzenden Gesellschafterdarlehen weg. Künftig wird es so sein, dass Rückzahlungen auf Gesellschafterdarlehen im Jahr vor der Insolvenzeröffnung anfechtbar sind, so dass es auf eine Unterscheidung zwischen „normalen" und „eigenkapitalersetzenden" Darlehen nicht mehr ankommen wird. Neben der Insolvenzantragspflicht für den Geschäftsführer wird es diese künftig bei Führungslosigkeit der Gesellschaft auch für die Gesellschafter geben. Durch die Aufnahme der Regelungen in die Insolvenzordnung werden diese auch auf ausländische Gesellschaften (Limited) anwendbar sein.  

4.      Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mit der GmbH-Reform die GmbH im Besonderen auch unter Einbeziehung der Unternehmergesellschaft wieder international wettbewerbsfähig wird. Unter Berücksichtigung der im europäischen Ausland erheblich niedrigeren Mindestkapitalvorschriften ist die Reduzierung des Stammkapitals  (bei der Unternehmergesellschaft bei auf € 1,00) auch rechtspolitisch geboten. 

Für den Unternehmensgründer bietet die Gründung einer Unternehmergesellschaft die Möglichkeit, zu geringen Kosten mit einem sehr geringen Stammkapital, schnell und einfach eine Gesellschaft zu gründen, mit welcher er die Haftung aus seinem Geschäftsbetrieb beschränken und somit sein übriges Vermögen schützen kann.

 Zudem haben die GmbH wie die Unternehmergesellschaft den Vorteil, dass es sich, auch wenn deren Verwaltungssitz ins Ausland verlegt wird, um deutsche Gesellschaften handelt, auf welche deutsches Rechts anzuwenden ist, für welches deutsche Berater vor Ort zur Verfügung stehen.  

Durch die Gesetzesänderungen fallen einige Argumente (Unterbilanzhaftung, eigenkaptitalersetzende Darlehen u.ä.), welche bisher für die Limited gesprochen haben, weg.
 

Die Unsicherheit durch eine ausländische Gesellschaft, welche an einem ausländischen Registergericht in fremder Sprache geführt wird und welches  ausländische Recht Anwendung findet, entfällt. Gerade Letztgenanntes sollte nicht unterschätzt werden, da gerade das Companies House of Cardiff nicht zögerlich ist, eine Gesellschaft einfach zu löschen, sollten die Berichtspflichten nicht ordnungsgemäß erfüllt werden.


Rechtstipp aus der Themenwelt GmbH und den Rechtsgebieten Handelsrecht & Gesellschaftsrecht, IT-Recht, Kaufrecht

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