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Dienstreise ablehnen – wann geht das?

Rechtstipp vom 23.02.2019
Rechtstipp vom 23.02.2019

Geschäftsreisen sind bei Arbeitnehmern nicht immer beliebt. Trotzdem gehören sie in einigen Branchen zum Arbeitsalltag dazu und sind in vielen Jobbeschreibungen als fester Bestandteil inbegriffen und je nach Stelle auch nicht wegzudenken. 

Viele Beschäftigte stellen sich die Frage, ob sie so eine Reise ablehnen können oder sie tatsächlich antreten müssen und mit welchen Konsequenzen bei einer Ablehnung zu rechnen ist.

Einen Blick in den Arbeitsvertrag werfen

Wenn eine Dienstreise vom Chef angeordnet wird, der Arbeitnehmer diese aber nicht antreten möchte, sollte er zunächst seinen Arbeitsvertrag unter die Lupe nehmen. Ist darin eine Klausel enthalten, die geschäftliche Reisen als Aufgabe des Arbeitnehmers vorsieht, ist er folglich dazu verpflichtet. Ist dazu aber nichts vertraglich hinterlegt, bedeutet dies jedoch nicht automatisch, dass er die Dienstreise ablehnen kann.

Das Direktions- bzw. Weisungsrecht des Arbeitgebers

Der Angestellte kann auch ohne explizite Regelung im Arbeitsvertrag zum Antritt einer Geschäftsreise verpflichtet werden. Einem Unternehmen steht grundsätzlich das sogenannte Direktions- bzw. Weisungsrecht zu.

Geregelt ist dieses Recht in § 106 Gewerbeordnung (GewO). Es kommt dann zum Zug, wenn der Vertrag grundsätzlich Fragen zu arbeitsrechtlichen Regelungen offenlässt. Mit dem Weisungsrecht kann der Chef die arbeitsvertraglichen Pflichten des Beschäftigten konkretisieren, wie beispielsweise auch die Pflicht zum Antreten einer Geschäftsreise.

Trotzdem kann der Arbeitgeber nicht einfach willkürlich handeln und über den Kopf seines Angestellten hinweg entscheiden. Die Anweisungen des Chefs müssen dem sogenannten billigen Ermessen entsprechen. Das bedeutet, dass er nicht nur seine eigenen Interessen durchsetzen darf, sondern auch die des Arbeitnehmers berücksichtigen muss. Demnach sollten zunächst die Umstände der Reise, wie beispielsweise die Dauer und die Entfernung, mit dem Angestellten zunächst abgestimmt werden. 

Ein triftiger Grund muss bestehen

In der Regel muss eine angeordnete Geschäftsreise angetreten werden. Möchte der Arbeitnehmer diese trotzdem ablehnen, muss er hierfür eine einleuchtende Begründung vorweisen. Akzeptabel sind in diesem Zusammenhang insbesondere gesundheitliche Gründe. Hierfür ist aber unbedingt eine ärztliche Bescheinigung erforderlich. Darüber kann sich der Arbeitgeber nicht ohne Weiteres hinwegsetzen und die Gesundheit des Angestellten riskieren.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Gründe, die vonseiten des Arbeitgebers zu akzeptieren sind. Muss der Beschäftigte beispielsweise einen Elternteil pflegen oder den Nachwuchs betreuen, kann eine Geschäftsreise ebenfalls abgelehnt werden. 

Allen voran ist das persönliche Gespräch zwischen beiden Parteien unumgänglich – auch um mögliche unangenehme Folgen für den Beschäftigten zu vermeiden.

Mit welchen Konsequenzen muss bei einer Ablehnung gerechnet werden?

Lehnt der Arbeitnehmer die Dienstreise ab und kann er keine überzeugende Begründung vorweisen, kann dies erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. Eine Zurückweisung kann wie eine Arbeitsverweigerung gesehen werden, da die geforderte Arbeitsleistung letztlich nicht erbracht wird. 

Was dem Arbeitnehmer drohen kann, ist eine Abmahnung, ggfs. auch eine Kündigung. Denn wenn er nicht zum ersten Mal eine Geschäftsreise verweigert und deshalb bereits abgemahnt wurde, kann das Arbeitsverhältnis durch den Arbeitgeber gekündigt werden.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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