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Diese 5 Warnzeichen für schlechte Strafverteidigung sollten Sie unbedingt kennen!

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Nicht selten kommen Menschen zu mir, die den Glauben verloren haben. Den Glauben an die Justiz. Aber auch den Glauben an den bisherigen Anwalt und dessen Fähigkeiten. Doch erst, wenn das letzte Wort gesprochen und erst, wenn die Haftstrafe im Urteil verkündet ist, fragen sie sich, warum der eigene Anwalt einen „glatten Freispruch” prophezeit hat. Zwar ist man dem Richter immer ausgeliefert. Kein Anwalt kann zaubern. Aber es gibt Warnzeichen, die Mandanten kennen sollten. Warnzeichen für eine schlechte Verteidigung.

Warnzeichen 1

Ihr Anwalt meldet sich nach Mandatserteilung nicht mehr und Sie erhalten keine Ermittlungsakte

So erlebe ich es immer wieder, dass Mandanten die eigene Akte gar nicht kennen. Das ist ein absolutes No-Go! Jeder Beschuldigte hat ein Recht, über seinen Verteidiger Einsicht in die eigene Akte zu nehmen. Und jeder Verteidiger hat die Pflicht, den Inhalt der Ermittlungsakte mit seinem Mandanten zu besprechen. Sie als Mandat müssen wissen, was in der Akte steht und welcher Zeuge was gegen sie ausgesagt hat. Sie als Mandant müssen wissen, was die Anklage gegen Sie in der Hand hat! Akteneinsicht ist das Fundament jeder Strafverteidigung, die ihren Namen verdient. 

Tipp 1

Spätestens dann , wenn Ihnen der Anwalt, dessen Vorschuss-Rechnung Sie gerade bezahlt haben, mit den Worten verabschiedet: „Wir sehen uns dann vor Gericht”, sollten Sie sich schleunigst für immer von diesem Anwalt verabschieden, wenn sie nicht direkt im Knast landen wollen. Effektive Strafverteidigung ist das nicht.

Warnzeichen 2

Ihr Anwalt ist freitags ab 12 Uhr nicht mehr erreichbar und ruft auch am Wochenende nicht zurück

Sie sind der Meinung, schon dadurch, dass man einen kenne, mache man sich verdächtig. Doch was, wenn plötzlich die Handschellen klicken? Das passiert schneller als Sie denken. Selbst Vorstände großer Banken oder Konzerne landen schneller im Knast als sie flüchten können. Viele Menschen werden aus heiterem Himmel mit schweren strafrechtlichen Vorwürfen konfrontiert. Glücklich kann sich daher schätzen, wer eine Nummer eines Anwalts in seinen Kontakten hat. Meine lautet: 0721 15101010 – sie ist rund um die Uhr besetzt.

Tipp 2

Wenn Sie Ihren vermeintlichen Strafverteidiger also freitags nach 12 Uhr nicht mehr erreichen können, dann ist es keiner. Jeder Strafverteidiger weiß um die Not eines Menschen, der gerade festgenommen wurde. Wenn er sich nicht sofort um Ihren Fall kümmert: Vergessen Sie ihn!

Warnzeichen 3

Ihr Anwalt ruft beim Polizeigewahrsam an und lässt Ihnen über den Wachtmeister ausrichten, Sie hätten keine Chance und sollten „die Karten auf den Tisch legen“.

Warum finden so viele Festnahmen freitags nach 16 Uhr statt? Ganz einfach: Viele Staatsanwälte glauben immer noch, dass U-Haft Rechtskraft schafft. Und mit diesem billigen Trick fördern sie Geständnisse zu Tage, die Beschuldigte so richtig reinreiten in die (...).  Nach einer Festnahme kommen Sie nämlich erst mal in den Polizeigewahrsam. Sie dürfen die Zelle nur ohne Gürtel und Schuhe betreten. Spätestens nach 24 Stunden müssen Sie einem Haftrichter vorgeführt werden. Ich kann Ihnen versichern: Das werden die längsten 24 Stunden Ihres Lebens. Und weil der Mensch einen natürlichen Fluchtinstinkt hat und schnell raus will aus einer Zelle, gaukelt Ihnen manch ein Polizist vor, ein schnelles Geständnis sei der beste Weg zur Freiheit. Aber seien Sie versichert: Das ist es nicht. Verlangen Sie daher sofort nach einem Verteidiger. Wenn man Ihnen die „Gelben Seiten“ hinlegt (mal schnell googeln geht ja nicht): Schauen Sie unter Rechtsanwälte und dann nur unter „Fachanwälte für Strafrecht“. Oder lassen Sie den Strafverteidiger-Notdienst informieren, den es in vielen Städten gibt. Am besten ist es, wenn Sie die Visitenkarte des Strafverteidigers Ihres Vertrauens im Portemonnaie haben. Vorsicht: Wenn man Ihnen anbietet, in Ihren Kontakten nach dem dort gespeicherten Anwalt zu schauen: Schauen Sie, dass niemand den Code zum Entsperren Ihres Smartphones mitliest. Den sollten Sie auf keinen Fall preisgeben oder gar dem danach fragenden Polizisten preisgeben. Denn auf einem Smartphone sind heute mehr sensible Daten gespeichert als auf herkömmlichen Computern. Hat die Polizei erst mal den Sperrcode, können Ihre Daten ausgelesen werden!

Tipp 3

Wenn Sie also im Notfall einen Anwalt anrufen und Ihnen dieser noch am Telefon zum Geständnis rät, weil das „immer ratsam“ sei und Ihnen verspricht, er komme demnächst mal vorbei: Feuern Sie ihn gleich wieder. 

Warnzeichen 4

Ihr Anwalt überreicht Ihnen seine Karte, auf der nichts von Strafrecht steht. Dennoch behauptet er, das mit links zu machen, weil er mit dem Staatsanwalt Tennis spiele

Nach der Festnahme haben Sie noch einen Anruf. Genau genommen zwei: Sie dürfen eine Ihnen nahe stehende Person anrufen. Und Ihren Anwalt. Nahe liegt es da natürlich, in der Panik die Nummer eines Anwalts zu wählen, den man kennt, der seine Kanzlei um die Ecke oder zumindest in der gleichen Stadt wie das Gericht, zu dem Anklage erhoben worden ist. Vielleicht auch nur, weil man ihn aus dem Verein kennt oder er mal ein Knöllchen weggezaubert hat. Auf den ersten Blick scheint da unwichtig, dass der Auserwählte kein Fachanwalt für Strafrecht, sondern für Mietrecht ist. Dieser Anwalt mag in seinem Rechtsgebiet ein Star sein. Ein Strafverteidiger ist er nicht. Dazu gehört eine spezielle Ausbildung. Und sehr viel Erfahrung im Umgang mit der Strafjustiz. 

Tipp 4

Wenn Ihnen ein Anwalt seine Visitenkarte überreicht und seine Dienste als Strafverteidiger anbietet, sollten Sie stutzig werden, wenn da nur Fachanwalt für Mietrecht drauf steht.

Warnzeichen 5

Sie haben den Eindruck, Ihr Pflichtverteidiger hat Beißhemmungen. 

Viele Mandanten befürchten „Beißhemmungen” Ihres Pflichtverteidigers. Wenn Ihnen der Richter einen Anwalt als Pflichtverteidiger beiordnet, ist dies kein Zeichen, dass es der Richter gut mit Ihnen meint. Viele Richter wählen nur Anwälte als Pflichtverteidiger aus, die ihnen genehm sind. Und genehm sind vor allem Anwälte, die der Justiz keine Arbeit machen. Ein kurzer Prozess ist aber nicht immer ein guter Prozess. Und ein Geständnis als Verteidigungsstrategie nicht immer das Mittel der Wahl. Ein Anwalt aber, der seine Brötchen ausschließlich mit Pflichtverteidigungen verdient, wird sich das gute Verhältnis zu seinen „Arbeitgeber” nicht gerade in Ihrem Fall verscherzen. Denken Sie daran: Mit dem Zweiten sieht man besser. 

Tipp 5

Wenn Sie starke Schmerzen in der Brustgegend haben und kaum noch Luft bekommen: Setzen Sie sich dann ins Wartezimmer Ihres Hausarztes oder rufen Sie den Notarzt an? Rhetorische Frage. Natürlich rufen Sie die 112 an. Der Notarzt ist Spezialist seines Fachgebietes. Nur er kann Ihnen jetzt helfen. Er weiß genau, was jetzt zu tun ist. Er beruhigt sie und bringt Sie in die Klinik mit Herz-Spezialisten. Ganz genau so ist es mit der Strafverteidigung. Sie sollten also nicht zum Mietrechtler gehen, wenn Sie Probleme mit der Strafjustiz haben, sondern zu einem Fachanwalt für Strafrecht. Der ist Spezialist für Strafverteidigung. 

Weitere Informationen über das, was einen guten Verteidiger ausmacht und was ein solcher drauf haben muss,  finden Sie z. B. hier https://www.prontopro.de/blog/die-kunst-der-verteidigung/


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

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