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Eheschließung: Kirchliche Trauung ohne Standesamt

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Am 01. Januar 2009 trat eine Änderung des Personenstandsgesetzes in Kraft, mit der die §§ 67, 67 a aufgehoben wurden. Damit fiel das Verbot, sich kirchlich trauen zu lassen ohne vorher beim Standesamt die Ehe geschlossen zu haben.

Das Verbot bestand seit 1875. Zuvor bildeten kirchliche und staatliche Ehe eine rechtliche Einheit. Insbesondere unter dem Einfluss der Aufklärung entfernten sich jedoch die weltliche und die kirchliche Auffassungen von der Ehe so weit voneinander, dass eine Trennung unvermeidlich wurde. Da der Gesetzgeber damals jedoch befürchtete, dass die Bevölkerung die Zivilehe aus alter Gewohnheit oder Tradition ignorieren und sich weiterhin ausschließlich kirchlich trauen lassen würde, wurde die Zivilehe obligatorisch eingeführt.

Diese Sorge hat der heutige Gesetzgeber nicht mehr. Vielmehr ist er der Auffassung, das Verbot habe keine praktische Bedeutung mehr. § 1310 BGB lasse keinen Zweifel daran, dass nur die standesamtliche Eheschließung eine Ehe im Rechtssinne begründen könne.

Aus der Sicht des staatlichen Rechtes handelt es sich bei nur kirchlich getrauten Eheleuten um nichteheliche Partnerschaften. Das staatliche Eherecht ist darauf nicht anwendbar. Das hat zur Folge, dass nur kirchlich verheiratete Parteien ihre Rechtsbeziehungen zueinander über entsprechende Partnerschaftsverträge gestalten müssten, wenn sie ihr Verhältnis während des Bestehens sowie für die Zeit nach einem etwaigen Scheitern ihrer Beziehung regeln wollen.

Eine Kirchenehe beendet auch nicht einen bestehenden Geschiedenenstatus. Eine Witwenrente, die bei einer Wiederheirat entfallen und mit einem Einmalbetrag abgefunden werden würde, bleibt bei bloßer kirchlicher Ehe bestehen, da keine Wiederheirat im staatlichen Sinne vorliegt.

Paare, die aus romantischen oder religiösen Gründen lediglich kirchlich heiraten wollen, sollten sich klar darüber sein, welche rechtlichen Konsequenzen das haben kann.


Rechtstipp vom 06.03.2009
aus der Themenwelt Familie und Beziehung und dem Rechtsgebiet Familienrecht

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