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Ein Auto ohne Aschenbecher kann man in der Pfeife rauchen

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Ein Auto ohne Aschenbecher kann man in der Pfeife rauchen
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Es ist ein Skandal für jeden Raucher: Überall wird einem das Qualmen verboten, z. B. im Restaurant, am Arbeitsplatz oder in so manchem Fußballstadion – selbst auf dem eigenen Balkon kann man oftmals nicht in Ruhe quartzen, ohne sich mit dem Nachbarn anzulegen. Ja, sogar die angebotene Friedenspfeife könnte er in den falschen Hals kriegen. Nikotinjunkies können ihrer qualmenden Leidenschaft daher zumeist nur noch in den eigenen „vier Wänden“ ihres Autos nachgehen – denn das Rauchverbot in Deutschland gilt hier nicht. Fehlt dann allerdings prompt im neuen Traumauto der Aschenbecher, raucht nur noch eins: nämlich der Kopf des Tabakkonsumenten.

Viel Asche für raucherfeindliches Auto

Weil der Geschäftsführer mit einem Lexus samt Raucherpaket jahrelang sehr gut gefahren war, bestellte er bei einem Autohändler das Nachfolgemodell – das ebenfalls mit einem fest installierten und beleuchteten Kippenfriedhof ausgestattet sein sollte. Wenn er schon 135.000 Euro für den Wagen zahle, dürfe doch auch die Ausstattung nichts zu wünschen übrig lassen. Da hatte er aber aufs falsche Pferd gesetzt, denn die teure Kutsche wurde ohne den Ascher geliefert.

Der Geschäftsführer nahm daraufhin den Autohändler in die Mangel, der erklärte, dass man doch einfach eine mobile Aschenbecherdose in einen Getränkehalter stecken könnte – und voilà, schon könne der Geschäftsführer die Mundheizung im Auto anmachen.

Der Geschäftsführer dagegen hielt den Wagen sowohl mit als auch ohne mobilen Aschenbecher selbst geschenkt noch für viel zu teuer. Das habe er während der 44.000 Kilometer gemerkt, die er mit dem raucherfeindlichen Auto bereits zurückgelegt hatte. Er wollte das Kfz daher so schnell wie möglich wieder loswerden und dafür seine Asche zurückerhalten.

In das Auto gehört ein Aschenbecher!

Das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg fuhr dem Autohändler in die Parade und verpflichtete ihn nicht nur zur Erstattung des Kaufpreises, sondern auch zur Rücknahme des aschenbecherlosen Luxusschlittens.

Dass der Raucher sprichwörtlich aus der Haut gefahren ist, als ihm das Fehlen des Aschenbechers im Lexus auffiel, konnte das Gericht nämlich durchaus nachvollziehen. Schließlich hat er explizit auf einen besseren Rauchkomfort im Lexus bestanden, als er den Wagen bestellte. Da die Parteien somit einen fest installierten und sogar beleuchteten Aschenbecher im Auto vereinbart haben, war sein Fehlen auch nicht bloß Schall und Rauch.

Im Gegenteil: Der fehlende Ascher – und der deswegen eingeschränkte Rauchkomfort – stellte aus diesem Grund sogar eine erhebliche Pflichtverletzung dar, die selbst durch eine mobile Variante eines Aschenbechers nicht „geheilt“ werden kann. Der verständnisvolle – und vielleicht ebenfalls leidgeprüfte – Richter wies nämlich darauf hin, dass dann ein Abaschen in vollkommener Dunkelheit und ein Ablegen des Glimmstängels während der Fahrt gar nicht möglich wäre, ohne das Auto zu beschmutzen. Darüber hinaus wird auch noch der Getränkehalter belegt – der Geschäftsführer müsste also regelmäßig mit trockener Kehle Auto fahren.

Da der Geschäftsführer den Wagen aber trotz Mangels einige Zeit benutzt hat, konnte er nicht den gesamten Kaufpreis zurückverlangen. Er musste sich vielmehr einen sog. Nutzungsvorteil anrechnen lassen.

(OLG Oldenburg, Urteil v. 10.03.2015, Az.: 13 U 73/14, n. rkr.)

(VOI)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 01.04.2015
aus dem Rechtsgebiet Kaufrecht

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