Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen
Teilen

E-Mail

Facebook

Twitter

LinkedIn

Xing

Link

Einvernehmliche Scheidung – gemeinsamer Scheidungsanwalt?

(2)

„Wir möchten uns scheiden lassen und Sie als unseren Scheidungsanwalt beauftragen.“ So oder mit ähnlichen Vorstellungen beginnt häufig die Kontaktaufnahme von getrenntlebenden Ehepartnern, die die Scheidung anstreben. Gemeinsamer Scheidungsanwalt – geht das? Nein.

Kein gemeinsamer Scheidungsanwalt

Der Rechtsanwalt ist kraft seiner beruflichen Stellung immer Interessenvertreter seines Auftraggebers (Mandant) und der Anwalt darf nicht zugleich gegenläufige Interessen vertreten. Im Scheidungsverfahren sind die Ehepartner auch dann, wenn sie sich in allem einig sind und das gemeinsame Interesse haben, dass ihre Ehe geschieden wird, Gegner im Rechtssinne und werden auch entsprechend bezeichnet, nämlich als Antragsteller/in und Antragsgegner/in. Eine Vertretung beider ist nicht möglich, folglich auch nicht eine gemeinsame Beauftragung.

Scheidung mit nur einem Anwalt – das geht

Die Scheidung mit nur einem Anwalt ist dennoch möglich, da das Gesetz nur verlangt, dass der Antragsteller, der den Scheidungsantrag einreicht, anwaltlich vertreten sein muss. Der oder die andere Beteiligte kann sowohl das schriftliche Verfahren als auch den Scheidungstermin selbst ohne Rechtsanwalt bestreiten. Dieser Weg bietet sich an, wenn die wesentlichen vermögensrechtlichen Fragen und Scheidungsfolgen geklärt sind und die sog. einvernehmliche Scheidung in Betracht kommt.

Einvernehmliche Scheidung – wesentliche Voraussetzungen

Wollen beide Ehepartner die Scheidung, leben sie seit mindestens einem Jahr voneinander getrennt (Trennungsjahr) und sind die wesentlichen Trennungs- und Scheidungsfolgen wie

  • Trennungsunterhalt und nachehelicher Unterhalt,
  • Aufteilung gemeinsamen Vermögens und Zugewinnausgleich und
  • ggf. Sorge und Umgangsrecht für gemeinsame Kinder

geregelt, beinhaltet das Scheidungsverfahren nur den sehr formal gehaltenen Akt der Scheidung selbst und in aller Regel den Versorgungsausgleich, d. h. den Ausgleich der während der Ehezeit entstandenen Rentenanwartschaften. Der Versorgungsausgleich wird – vorbehaltlich einer abweichenden notariell beurkundeten Vereinbarung der Ehepartner – aufgrund gesetzlicher Vorgaben von Amts wegen durchgeführt und berechnet. Die Mitwirkung der Parteien beschränkt sich im Wesentlichen auf die Auskünfte über Beschäftigungsverhältnisse und private oder betriebliche Altersvorsorge während der Ehezeit. Eine anwaltliche Vertretung ist diesbezüglich nicht unbedingt erforderlich.

Verzichtet im Fall einer solchen Konstellation der/die Antragsgegner/in darauf, selbst einen Anwalt zu beauftragen, können Rechtsanwaltsgebühren gespart werden, die sich schon bei durchschnittlichen Einkommensverhältnissen auf 1.500,00 € beziffern können. Ehepartner, die sich hinsichtlich der Scheidung einig sind, vereinbaren oft, wer von ihnen den Rechtsanwalt beauftragt und den Scheidungsantrag einreicht (da eine gemeinsame Beauftragung nicht möglich ist, wie wir oben gelernt haben), und die Bezahlung der anfallenden Gebühren teilen sie sich dann. Eine schriftliche Vereinbarung ist zu empfehlen.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Familienrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Newsletter

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.