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Elektroschocker – erlaubt oder verboten?

  • 4 Minuten Lesezeit

Elektroschocker – erlaubt oder verboten? Das sagt das Waffengesetz

Elektroschocker (auch Stromschocker oder E-Schocker, offiziell: Elektroimpulsgeräte) erfreuen sich als Mittel zur Selbstverteidigung großer Beliebtheit. Oft werden sie im Ausland zu deutlich geringeren Preisen als in Deutschland bestellt. Doch sind alle Elektroschocker erlaubt oder manche vielleicht verboten?

In diesem Artikel wird die Rechtslage in Deutschland näher erläutert. Sie erhalten Antworten auf folgende Fragen:

  • Wo sind Elektroschocker gesetzlich geregelt?
  • Darf man Elektroschocker erwerben und besitzen?
  • Ist die Bestellung von Elektroschockern im Ausland erlaubt oder verboten?
  • Mit welcher Strafe muss man bei einem illegalen Elektroschocker rechnen?
  • Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich eine Anzeige wegen eines illegalen Elektroschockers erhalten habe?


Wo sind Elektroschocker gesetzlich geregelt?

Elektroschocker fallen unter das Waffengesetz (WaffG) und sind dort unter der Bezeichnung „Elektroimpulsgeräte“ in der Anlage 2 (Waffenliste)  im Abschnitt 1 („Verbotene Waffen“) unter Punkt 1.3.6 aufgeführt. Der Umgang mit ihnen ist damit nach § 2 Abs. 3 WaffG grundsätzlich verboten. Aber es gibt Ausnahmen


Darf man Elektroschocker erwerben und besitzen?

Auch wenn Elektroschocker unter der Bezeichnung „Elektroimpulsgeräte“ im WaffG zu den verbotenen Waffen gezählt werden, sind manche Geräte doch erlaubt und dürfen legal erworben, besessen und mit sich geführt werden. Diese Elektroschocker müssen seit 2011 das PTB-Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt tragen. Außerdem dürfen nur Personen Umgang mit Elektroschockern haben, die mindestens 18 Jahre alt sind. Im Gegensatz zu Schreckschusswaffen ist bei zugelassenen Elektroschockern kein Kleiner Waffenschein erforderlich.

Das für den legalen Umgang mit Elektroschockern sehr wichtige PTB-Prüfzeichen sagt aus, dass das Gerät als gesundheitlich unbedenklich in Deutschland amtlich zugelassen wurde. Diese Geräte schalten sich normalerweise nach spätestens 10 Sekunden selbst ab und haben im Vergleich zu nicht zugelassenen Geräten eine geringere Stromstärke. Damit soll eine ernsthafte Gefahr für Gesundheit und Leben von Menschen ausgeschlossen werden.

Verboten sind dagegen:

  • Distanz-Elektroschocker (Air-Taser, Elektroschockpistolen),
  • Elektroschocker ohne amtliches Prüfsiegel und
  • alle Geräte, denen man nicht ansieht, dass es sich um Elektroschocker handelt (z. B. als Taschenlampe oder Handy getarnt)

Jeglicher Umgang mit den oben genannten Geräten ist verboten, da es sich um verbotene Waffen im Sinne des § 2 Abs. 3 WaffG handelt. Unter Umgang versteht das Gesetz den Erwerb, Besitz, das Überlassen, Mitsichführen, Verbringen (Einfuhr und Ausfuhr), Handeltreiben usw. Früher nur als Ordnungswidrigkeit verfolgt, stellen Verstöße seit 2017 eine Straftat dar.

Ebenfalls untersagt ist nach § 42 Abs. 1 WaffG das Mitsichführen eines an sich legalen Elektroschockers auf einer öffentlichen Veranstaltung, sofern man dafür keine Ausnahmegenehmigung besetzt.

Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Rechtsblog: Elektroschocker und das Waffengesetz


Ist die Bestellung von Elektroschockern im Ausland erlaubt oder verboten?

Die Einfuhr von Elektroschockern ist verboten, wenn sie nicht das PTB-Prüfzeichen tragen, es sich um Air-Taser handelt oder nicht klar erkennbar ist, dass es sich um einen Elektroschocker handelt, wie z. B. im Fall von Geräten, die als Taschenlampe getarnt sind. Bei ausländischen Anbietern ist generell Vorsicht geboten, weil deren Geräte oft nicht den Bestimmungen des deutschen Waffengesetzes entsprechen.

Stellt der Zoll ein solches Gerät in einer Sendung fest, wird es beschlagnahmt und ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das WaffG eingeleitet.

Für die Strafbarkeit ist ausschließlich die Rechtslage in Deutschland entscheidend. Es spielt also keine Rolle, dass in Deutschland verbotene Elektroschocker im Ausland, z. B. in Österreich, legal erworben werden können.

Vorsicht ist auch gegenüber den Behauptungen der Händler bezüglich der Legalität angebracht. So werden manche Elektroschocker als harmlose „Viehtreiber“ angeboten. Fehlt bei diesen Geräten das PTB-Siegel, dann sind auch sie illegal.


Mit welcher Strafe muss man bei einem illegalen Elektroschocker rechnen?

Der § 52 Abs. 3 Nr. 1 des Waffengesetzes sieht bei einem Verstoß gegen das Verbot von nicht erlaubten Elektroschockern eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Bis 2017 wurden Verstöße nur als Ordnungswidrigkeit verfolgt.

Die genaue Strafe hängt wie immer bei Strafverfahren von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab. Insbesondere das richtige Verhalten während des Verfahrens ist von großer Bedeutung für den Ausgang.


Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich eine Anzeige wegen eines illegalen Elektroschockers erhalten habe?

Egal wie Sie von der Anzeige erfahren haben: Bewahren Sie Ruhe und machen Sie gegenüber den Behörden keine voreiligen Angaben. Als Beschuldigter haben Sie ein umfassendes Aussageverweigerungsrecht, das Ihnen auch später nicht negativ ausgelegt werden darf und auf gar keinen Fall eine Art Schuldeingeständnis ist. Gegenüber der Polizei müssen Sie nur Ihre Personalien angeben, mehr nicht.

Als Nächstes sollten Sie einen Fachanwalt für Strafrecht einschalten, der sich mit dem Waffenrecht auskennt. Je nachdem, wie die Polizei auf Ihren mutmaßlich illegalen Elektroschocker aufmerksam wurde, bestehen durchaus Chancen, dass Sie ohne eine Strafe davonkommen.

Ein Rechtsanwalt kann Einsicht in die Ermittlungsakte nehmen und so feststellen, über welche Beweise die Polizei gegen Sie verfügt. Bei einer illegalen Bestellung im Ausland, die vom Zoll abgefangen wurde, kann es z. B. sein, dass nicht nachweisbar ist, ob Sie tatsächlich der Besteller waren, sofern keine weiteren Beweismittel dazu vorliegen.

Wenn Sie eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz aufgrund eines Elektroschockers erhalten haben, dann wenden Sie sich an Dr. Brauer Rechtsanwälte. Wir sind bundesweit als Strafverteidiger tätig. Wir prüfen Ihren Fall im Rahmen einer Ersteinschätzung kostenlos und unverbindlich. Nehmen Sie über das Kontakturformular, per E-Mail oder Telefon und gerne auch über WhatsApp Verbindung mit uns auf!


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

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