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Enterprise-Holdings-Anleihe: die nächste Kriminalinsolvenz?

Rechtstipp vom 20.12.2016
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Rechtstipp vom 20.12.2016
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15.12.2016: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) beschäftigt sich erneut in einem ausführlichen Artikel mit der Pleite der Enterprise Holdings (EHL). Das Versicherungsunternehmen, das bist zuletzt mit sehr guten beziehungsweise guten Noten durch die Ratingagentur Creditreform bewertet wurde und sich darüber hinaus selbst auch immer als stabil und gesund dargestellt hatte, war – jedenfalls für die fast durchgängig deutschen Investoren – völlig überraschend im Sommer dieses Jahres in die Insolvenz gerutscht. Zwischenzeitlich liege ein Sachstandsbericht der britischen Insolvenzverwalter vor, wie die FAZ schreibt.

Und dieser habe es in sich: Das operative Geschäft der Enterprise Holdings lief im Wesentlichen über die in Gibraltar ansässige Tochtergesellschaft EIC, welche wiederum nach einer Überprüfung bereits im Juli von den dortigen Aufsichtsbehörden unter Zwangsverwaltung gestellt worden war, wie die FAZ darstellt. Grund hierfür sei die Nichterfüllung versicherungsrechtlicher Anforderungen gewesen. Bereits zu diesem Zeitpunkt sei die Überschuldung der Enterprise Holdings offenbar gewesen, eine positive Prognose habe aufgrund fehlender weiterer Liquiditätszuflüsse nicht bestanden. Trotzdem hätten die verantwortlichen Manager um Andrew Flowers das Stellen des Insolvenzantrags um weitere zwei Monate verschleppt. Darüber hinaus seien die Anleihegläubiger über die Pleite von drei weiteren Tochtergesellschaften nicht informiert worden.

Vielmehr wurde den Anlegern ganz offensichtlich unbegründet Hoffnung auf ein gutes Ende der Geschichte gemacht: Die mit einem Wert von 16 Millionen £ in den Bilanzen verzeichnete Tochtergesellschaft Andeva solle Kern einer neuaufgestellten Agentur der umstrukturierten Holding werden, darüber hinaus sei ein neuer Geschäftszweig Gastronomie geplant. Der Haken bei der Geschichte: Die Insolvenzverwaltung taxiert Andeva als tatsächlich komplett wertlos, und die für die Gastronomie teuer erworbene Immobilie im Osten Londons wurde bereits hoppladihopp (zum Spottpreis) an zwei Geschäftsführer von EHL-Töchtern verschachert. Die Insolvenzverwalter hätten hier die „Notbremse gezogen“, wie die FAZ formuliert, nachdem die Sanierung des Gebäudes nicht so recht vorangekommen sei.

Überhaupt, die Insolvenzverwaltung: Die eingesetzten Verwalter Stephen Conn und Jonathan Avery-Gee beklagten sowohl die fehlende Verfügbarkeit von Finanzunterlagen in Bezug auf das Tagesgeschäft, als auch die durch die EY Ltd (Gibraltar) bereits geprüften Finanzberichte, so die FAZ. Insoweit sei noch mit der ein oder anderen frohen Botschaft für die geprellten Investoren zu rechnen. Zwischenzeitlich befleißige sich jedenfalls die für die vormalig operativ tätige Tochter EIC eingesetzte Insolvenzverwaltung, möglichst viele der noch vorhandenen Assets für die dortig betroffenen Gläubiger zu arrestieren. In Rede stünden hier unter anderem 39 Millionen £ geflossene Provisionen und kurioserweise auch ein Landrover, der von der EHL bezahlt wurde, trotzdem aber Geschäftsführer Andrew Flowers gehören soll. Flowers wiederum stehe im Verdacht, möglicherweise prospektwidrig Anleihegelder in Höhe von 25 Millionen € für ein Arlberger Luxushotel („Blumen Haus“) abgezweigt zu haben.

Auch hier allerdings lief wohl manches schief: die zugehörige und finanzierende „Blumenberg Anstalt“ ging plötzlich in Konkurs, das Projekt wurde (einmal mehr zum Spottpreis, wie zu vermuten ist) von der Gustav-Zech-Stiftung aufgekauft, welche auch im Fall der KTG Agrar-Pleite schon kräftig zugegriffen hatte. Die hier nun offenbar werdende und geradezu unfassbare Gemengelage muss mindestens den Verdacht dahingehend erwecken, es möglicherweise tatsächlich und auch in diesem Fall erneut mit einer weiteren „Kriminalinsolvenz“ zu tun zu haben. Fraglich steht jedenfalls, warum ganz offensichtlich die bestehenden Informationsansprüche der geprellten Investoren und Anleihegläubiger von allen Seiten nach Strich und Faden hintertrieben werden – und wer in diesem garstigen Dramolett für die entstandenen Verluste verantwortlich ist und gegebenenfalls schadensersatzpflichtig zu machen sein könnte.

Adwus Rechtsanwälte in Kooperation mit Prof. Dr. jur. habil. Jürgen Rath wurden im Jahr 2003 als Kanzlei Wittmann & Schmitt Rechtsanwälte gegründet und im Rahmen der Expansion im Jahr 2015 in Adwus Rechtsanwälte umfirmiert.

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