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Entschädigung beim Friseur?

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Ein misslungener Friseurbesuch kann die erwartungsfrohe Vorfreude auf die neue Frisur schnell in Frust und Enttäuschung umwandeln. Die Palette der unerfreulichen Erfahrungen reicht von zu kurz oder falsch geschnittenen Haaren bis hin zu kahlen Stellen. Häufig stellt sich in diesen Fällen schnell die Frage nach Schadenersatz oder Schmerzensgeld.

Recht auf Nachbesserung

Bei Unzufriedenheit mit der neuen Frisur besteht grundsätzlich kein rechtlicher Anspruch auf Rückforderung des gezahlten Betrages oder gar auf eine Verweigerung der Zahlung. Ebenso wie in anderen Dienstleistungsbereichen muss auch dem Friseur die Möglichkeit zur Nachbesserung gegeben werden. Dies gilt auch, wenn der Mangel erst vor dem heimischen Spiegel bemerkt wird. Sollte der betreffende Mitarbeiter des Friseursalons nicht anzutreffen sein, kann die Nachbesserung auch durch einen Teamkollegen erfolgen. Schwierigkeiten treten auf, wenn die fehlerhafte Arbeit durch die Nachbesserung nicht behoben werden kann. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn aus der hüftlangen Haarpracht ungewollt eine Kurzhaarfrisur wurde, was im Einzelfall zu nicht unerheblichen seelischen Problemen führen kann.

Die Forderung nach Schmerzensgeld

Zur Anmeldung eines Anspruches auf Schmerzensgeld müssen die notwendigen Beweise zur Begründung der Forderung vorgelegt werden können. Neben tatsächlich erlittenen Schmerzen können auch starke Beeinträchtigungen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts mögliche Gründe für eine berechtigte Forderung sein. Dies wäre der Fall, wenn die Schädigung des Haares dauerhaft wäre. Ist die Beeinträchtigung jedoch lediglich von kurzer Dauer, genügt dies in der Regel nicht.

Ein Beispiel ist der Fall einer Klägerin, die sich durch einen fehlerhaften Haarschnitt stark beeinträchtigt sah. Sie bat beim Friseurbesuch um eine sehr vorsichtige Kürzung des Deckhaares und beschwerte sich zwei Tage nach dem Friseurbesuch darüber, dass der Schnitt zu großzügig ausgefallen und die Kopfhaut zu sehen sei. Das Amtsgericht München wies die Klage der Frau unter anderem mit der Begründung ab, sie habe während des gesamten Arbeitsvorganges keine Einwände erhoben (Az: 173 C 15875/11).

Berechtigte Ansprüche

Wird aus dem Friseurbesuch jedoch eine schmerzhafte Erfahrung mit bleibenden Schäden, ist die Forderung nach Schmerzensgeld durchaus berechtigt. Ein Beispiel ist der Fall einer Schülerin, die vom OLG Koblenz die rekordverdächtige Summe von 18.000 Euro zugesprochen bekam (Az: 12 U 71/13). Aufgrund der falschen Anwendung eines Haarfärbemittels starb die Kopfhaut der jungen Frau zum Teil ab und es blieb eine dauerhafte Kahlstelle zurück. Laut Auffassung des Gerichts besteht eine starke psychische Belastung, die zur Verletzung ihres Persönlichkeitsrechtes führt. Für die Festsetzung der Höhe eines Schmerzensgeldes ist neben Schwere und Dauer der Beeinträchtigung sowie den psychischen Belastungen auch die Frage nach dauerhaften Schädigungen maßgebend.

Die Inanspruchnahme anwaltlicher Hilfe

Wer unangenehme Folgen möglichst vermeiden möchte, sollte beim Friseurbesuch genau auf die Arbeitsvorgänge des Friseurs achten. Wurden die Bedenken rechtzeitig angemeldet und dem Friseur das Recht auf Nachbesserung eingeräumt, sollten Betroffene beim Verdacht auf eine berechtigte Schmerzensgeldforderung unbedingt einen versierten Fachanwalt zurate ziehen.


Rechtstipp vom 29.10.2015

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