Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Erbausschlagung – Wenn mit dem Erbe Schulden kommen

(2)

Bei den Worten Testament und Erbschaft denken auch Sie vielleicht schon voller Vorfreude an eine große Geldsumme mit der die ganze Familie einen schönen Urlaub machen könnte. Oder ein riesiges Strandhaus in traumhafter Lage für Mußestunden zwischen den Dünen. Was passiert aber, wenn vor der großen Geldsumme ein dickes, fettes Minus steht und das Strandhaus total verfallen und nun das Zuhause einer Heerschar von Möwen ist? Aus ist der Traum von einem Familienurlaub am Strand.

Aber es gibt einen Ausweg: die Erbausschlagung.

Hat der verstorbene Verwandte ganz offensichtlich über seine Verhältnisse gelebt, können nicht seine Erben damit belastet werden; Sie können Ihr Erbe ausschlagen. Egal ob testamentarisch verfügt wurde, dass Sie Erbe sind oder die gesetzliche Erbfolge eingetreten ist.

Denn im Erbfall treten Sie als Rechtsnachfolger an die Stelle des Verstorbenen. Sie haben mit seinem Vermögen auch die dazugehörigen Rechte und Pflichten geerbt. War der Erblasser zum Beispiel Eigentümer eines Mietshauses, sind Sie nun der Verantwortliche für die Belange der Mieter. War der Erblasser hochverschuldet, erben Sie seine Schulden und Verbindlichkeiten. Dann kommt mit dem Erbe keine Erleichterung, sondern nur eine Belastung, eventuell sogar eine finanzielle Notlage. Daher kann ein Erbe anzunehmen, dass Sie eigentlich nicht wollten, nicht die einzige Option sein. Sie haben immer noch das Recht das Erbe auszuschlagen. Ausschlagen oder annehmen können Sie allerdings nur insgesamt und nicht teilweise. Der Gesetzgeber verhindert so, dass die Erben sich nur die Sahnestücke des Vermögens herauspicken.

Wie kann ich ausschlagen?

Die Erbausschlagung muss persönlich gegenüber dem Nachlassgericht zur Niederschrift erklärt oder notariell beurkundet werden. Ein einfacher Brief oder Telefonanruf reicht hierzu nicht. Das zuständige Nachlassgericht ist hier das Amtsgericht in dessen Bezirk der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte.

Das Erbe eines Anderen anzutreten bedeutet, die Verantwortung des Erblassers zu übernehmen, nicht jeder Erbe möchte das. Damit niemand gegen seinen Willen verpflichtet werden kann Rechtsnachfolger einer anderen Person zu werden, gibt es die Möglichkeit der Erbausschlagung.

Das Allerwichtigste: Die Frist von 6 Wochen

Die Erbausschlagung kann innerhalb einer Frist von 6 Wochen erklärt werden, nachdem der Erbfall eingetreten ist und der Erbe darüber informiert wurde, dass er erben wird. Wenn Sie trotz Kenntnis der Umstände nicht innerhalb dieser sechswöchigen Frist die Erbausschlagung erklären, zählt das als Annahme des Erbes.

Bevor Sie sich entscheiden, ob Sie das Erbe annehmen oder ausschlagen, haben Sie also 6 Wochen Zeit sich über die Vermögenssituation des Verstorbenen zu informieren. Als Erbe haben Sie ein Recht darauf die Konten des Verstorbenen einzusehen. Allerdings wird hierzu ein Nachweis benötigt. Es empfiehlt sich eine Vorsorgevollmacht, da Sie für den Fall, dass Sie das Erbe doch noch ausschlagen wollen, keinen Erbschein beantragen dürften.


Rechtstipp vom 18.05.2018
aus der Themenwelt Alles rund ums Erbe und dem Rechtsgebiet Erbrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.