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Erbe annehmen oder ausschlagen: Das muss man wissen

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Im Erbfall stellt sich jeder Erbe zunächst die Frage: „Was muss ich tun, um die Erbschaft anzunehmen?“ Das gilt zumindest dann, wenn er Kenntnis über den Wert des Nachlasses hat. Ist das nicht der Fall oder besteht Grund zur Annahme, dass das Erbe wertlos bzw. überschuldet ist, wird er sich fragen, wie er die Erbschaft ausschlagen kann.

Erhält ein Erbe Kenntnis von einer Erbschaft, weiß er meistens zunächst nicht, was er tun muss, um die Erbschaft anzunehmen. Die Antwort lautet tatsächlich: erst einmal gar nichts. Denn gemäß § 1942 BGB geht die Erbschaft automatisch auf den berufenen Erben über (Anfall der Erbschaft). Allerdings kann der Erbe von seinem Recht Gebrauch machen, die Erbschaft auszuschlagen. Somit bedarf es zunächst keiner ausdrücklichen Annahmeerklärung der Erbschaft.

Ausschlagen des Erbes: Fristen beachten

Die Frist zur Erbausschlagung beträgt 6 Wochen. Sie beginnt mit dem Zeitpunkt der Kenntnis vom Anfall der Erbschaft und dem Grund, aus welchem man zum Erben berufen wurde. Die Erbschaft gilt als angenommen, wenn die Frist zur Ausschlagung verstrichen ist.

Bis zum Ablauf dieser Ausschlagungsfrist besteht also ein Schwebezustand. Dieser kann beendet werden, indem der Erbe ausdrücklich die Annahme der Erbschaft erklärt. Dadurch verzichtet er auf sein Recht auf Ausschlagung des Erbes.

Die Annahmeerklärung bedarf keiner besonderen Form. Das bedeutet, dass sie auch durch schlüssiges Verhalten erfolgen kann. Gemeint sind Handlungen des Erben, die – objektiv betrachtet – seinen Willen zum Ausdruck bringen, die Erbschaft anzunehmen, z. B. die Beantragung des Erbscheins, Antrag auf Grundbuchberichtigung, Erbschaftsverkauf usw.

Hierin liegt die Problematik für jene, die nicht wissen, ob sie die Erbschaft ausschlagen möchten (z. B. wegen Überschuldung des Nachlasses). In solchen Fällen wird einem Erben nämlich zunächst daran gelegen sein, Erkundigungen über die Aktiva und Passiva des Nachlasses einzuholen.

Während der sechswöchigen Ausschlagungsfrist liegt jedoch nicht in jeder Handlung eine willentliche Erbschaftsannahme. Wichtig zu wissen: Ein Antrag auf Testamentseröffnung oder auf Bezahlung der Beerdigungskosten aus dem Nachlass sind nicht als Annahme der Erbschaft durch schlüssiges Verhalten zu werten. Der vorläufige Erbe kann also gebotene Fürsorgemaßnahmen für den Nachlass treffen, ohne dass diese als Annahme des Erbes gelten.

Wie kann ich das Erbe ausschlagen?

Hat der Erbe sich entschieden, die Erbschaft auszuschlagen, muss er seine Erklärung gemäß § 1945 BGB zur Niederschrift des Nachlassgerichts oder in öffentlich beglaubigter Form (als notariell beglaubigte Erklärung) abzugeben. Die Erklärung kann beim Nachlassgericht erfolgen. Dabei muss der Erbe seine Ausschlagungserklärung nicht zwangsläufig bei dem Nachlassgericht abgeben, in dessen Bezirk der Erblasser zuletzt seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte, sondern dort, wo er selber seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat.

Wer sich unsicher ist, ob er eine Erbschaft annehmen oder ausschlagen will, der sollte sich unbedingt anwaltlichen Rat suchen. Neben dem Ausschlagen der Erbschaft besteht auch die Möglichkeit einer Beschränkung der Haftung auf den Nachlass. In Härtefällen ist wiederum oft die Ausschlagung der Erbschaft zur Geltendmachung des Pflichtteils ratsam.

In der Anwaltskanzlei Lenné kennen wir uns bestens mit den verschiedenen Szenarien, aber auch den gefährlichen Grauzonen aus. Lassen Sie sich in einem kostenlosen Erstgespräch beraten. Wir helfen Ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen und fristgerecht durchzusetzen.


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