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Erben und Vererben in Kanada – Fragen und Antworten

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Zwischen Kanada und Deutschland gibt es traditionell ein sehr gutes Verhältnis und freundschaftliche und familiäre Beziehungen verbinden beide Staaten eng miteinander. 

Aus diesem Grund ist auch das „kanadische Erbrecht“ für viele Deutsche von Bedeutung, z. B. weil sie eine Erbschaft aus Kanada gemacht haben oder Vermögen in Kanada haben und dieses rechtssicher und steuergünstig vererben möchten. Der Artikel gibt eine Einführung in Frage und Antwort. 

Gibt es ein kanadisches Erbrecht?

Ein „kanadisches Erbrecht“ oder ein „Erbrecht von Kanada“ gibt es genau genommen nicht. Vielmehr hat jede Provinz von Kanada sein eigenes Erbrecht. Es gibt daher das Erbrecht von Ontario, von Alberta, von British Columbia oder von New Brunswick – nicht aber das „kanadische Erbrecht“. 

Soweit die Regeln der Provinzen ähnlich sind, wird nachfolgend zur Vereinfachung gleichwohl von kanadischem Erbrecht gesprochen. 

Welches Erbrecht ist im deutsch-kanadischen Erbfall anzuwenden?

Hierauf gibt es keine einfache Antwort. Da Kanada und seine Provinzen nicht Mitglieder der Europäischen Erbrechtsverordnung sind, bestimmen sie das anwendbare Erbrecht nach ihren eigenen Regeln. 

Es kann daher sogar sein, dass ein Gericht einer kanadischen Provinz im Ergebnis ein anderes Recht anwendet als ein deutsches Gericht. Bei der Prüfung des anwendbaren Erbrechts ist daher zu fragen, ob ein deutsches oder kanadisches Gericht diese Frage prüft. 

Welches Erbrecht wenden kanadische Gerichte im deutsch-kanadischen Erbfall an?

Zur Ermittlung des anwendbaren Erbrechts unterscheidet ein kanadisches Nachlassgericht zwischen dem beweglichen und unbeweglichen Nachlass, im Hinblick auf

  • das bewegliche Vermögen ist das echt des letzten domicile des Erblassers anzuwenden und
  • im Hinblick auf das unbeweglichem Vermögen (z. B. Haus) das Recht des Ortes, an dem es sich das unbewegliche Vermögen befindet, an (situs). 

Hiervon abweichende Regeln gibt es für die Nachlassabwicklung (probate und administration), trusts und die joint tenancy

Welches Erbrecht wenden deutsche Gerichte im deutsch-kanadischen Erbfall an?

Für Erbfälle ab dem 17.08.2015 ist das anwendbare Erbrecht nach den Regeln der EuErbVO zu bestimmen. Danach wenden deutsche Gerichte das Recht des letzten gewöhnlichen Aufenthalts an, wobei Rückverweisung des kanadischen Rechts zu beachten sind (z. B. für Immobilien in Deutschland). 

Wie macht man in Kanada ein Testament?

In Kanada Erbrecht ist es üblich ein Testament in der Form eines Zwei-Zeugen-Testaments zu errichten. Das Zwei-Zeugen-Testament muss schriftlich, aber nicht zwingend handschriftlich, errichtet werden. Mindestens zwei Zeugen müssen die Errichtung bezeugen und durch Unterschrift attestieren, dass der Erblasser die Erklärung abgegeben hat und diese den Willen des Erblassers darstellt. 

Bestimmte Personen dürfen nicht bei der Errichtung des Testaments als Testierzeuge mitwirken (z. B. Begünstigte oder der Ehegatte). In manchen Provinzen ist es neben dem Zwei-Zeugen-Testament auch zulässig, ein eigenhändiges Testament (holograph will) zu errichten.

Wird ein deutsches Testament in Kanada anerkannt?

Kanada ist kein Mitgliedstaat des Haager Übereinkommens über die Form letztwilliger Verfügungen (TestfÜbk). Nach fremden Recht formwirksam errichtete Testamente werden aber von einigen Provinzen (z. B. Ontario) unter Umständen (z. B. wenn sie der Ortsform genügen) als der Form nach wirksam anerkannt. 

Gibt es einen Pflichtteil im kanadischen Erbrecht?

Einen Pflichtteil wie im deutschen Recht gibt es im kanadischen Recht nicht.

Allerdings können abhängige oder bedürftige Personen (z. B. minderjähriges Kind, Ehegatte, Lebensgefährte), welche dem Erblasser nahestanden, unter gewissen Voraussetzungen Zahlungen aus dem Nachlass verlangen (siehe z. B. für Ontario: Family Law Act). Nach dem Erbrecht von British Columbia kann das Gericht, „unangemessene“ testamentarische Verfügungen des Erblassers ändern.

Wer erbt nach kanadischem Recht, wenn es kein Testament gibt?

Wenn es kein (wirksames) Testament gibt, gelten die Regeln der gesetzlichen Erbfolge. Danach erbt in den meisten Provinzen (z. B. Ontario, BC) der überlebende Ehegatte den gesamten Nachlass, wenn der Verstorbene nicht von Kinder oder anderen Abkömmlingen überlebt wird.

Wird er Erblasser von Kindern überlebt, erhält der überlebende Ehegatte vorab einen Festbetrag. Außerdem erhält er einen Anteil am verbleibenden Nachlass. 

Die Kinder des Erblassers erhalten alles, was der überlebende Ehegatte nicht erhält, zu gleichen Teilen. Kinder der Kinder (Enkel des Erblassers) treten an die Stelle eines vorverstorbenen Kindes.

Wird ein deutscher Erbschein in Kanada anerkannt?

Ein deutscher Erbschein wird in Kanada in der Regel nicht anerkannt.

Wer kümmert sich um die Verwaltung des Nachlasses?

In Kanada wird der Nachlass immer durch eine Art Testamentsvollstrecker, den „personal representative“ oder „Estate Trustee“ abgewickelt.

Wer ist zum Nachlassverwalter berufen?

Wer zum Nachlassverwalter bestellt werden kann und zu bestellen ist, richtet sich in erster Linie nach dem Testament. Hat der Erblasser nichts bestimmt oder ist der benannte Nachlassverwalter nicht Willens oder fähig die Verwaltung durchzuführen, wird auf Antrag durch das Gericht ein Nachlassverwalter bestellt.

Wie kann der Nachlassverwalter seine Rechte nachweisen?

Auf Antrag wird dem Nachlassverwalter ein Zeugnis über seine Bestellung erteilt

Was passiert mit gemeinschaftlichen Konten im Todesfall?

Das hängt von den Vereinbarungen im Bankvertrag ab. Die Vertragspartner können z. B. vereinbaren, dass eine bestimmte Person das Guthaben im Todesfall erhält. Sie können auch vereinbaren, dass der überlebende Kontomintinhaber das Kontoguthaben zustehen soll. Wird nichts vereinbart, fällt der Anteil des Verstorbenen Kontomitinhabers in den Nachlass und wird vom Nachlassverwalter mitverwaltet.

Was passiert mit Immobilien im Erbfall, die mehreren Personen gehören?

Gemeinschaftliche Eigentümer können unter bestimmten Umständen vereinbaren, dass die Immobilie auf den überlebenden übergeht (joint tenancy). Unter Umständen muss er aber dennoch einen Ausgleich in den Nachlass zahlen. Das hängt wiederum von der Vereinbarung ab. 

Gibt es eine kanadische Erbschaftsteuer?

Nein. Allerdings wird auf den Tod des Erblassers fingiert (deemed disposition), dass das Vermögen veräußert wird und ein etwaiger Gewinn wird im Grundsatz (es gibt Ausnahmen) dann besteuert (Capital Gains tax )

Muss ich in Deutschland auch Erbschaftsteuer zahlen?

Wenn der Erblasser oder der Erbe „Inländer“ im Sinne von § 2 ErbStG zum Zeitpunkt des Erbfalls waren oder der Nachlass „Inlandsvermögen“ im Sinne von § 121 BewG umfasste, besteht auch in Deutschland (beschränkte) Steuerpflicht. Die kanadische CGT kann nicht auf die deutsche Erbschaftsteuer angerechnet werden. Allerdings kann sie immerhin als Nachlassverbindlichkeit berücksichtigt werden. 

Sie haben Fragen zum kanadischen Erbrecht?

Erläutern Sie uns unter Nutzung des Kontaktformulars Ihr Anliegen und wir unterbreiten Ihnen ein Angebot.

Veit Klinger, Fachanwalt für Erbrecht

Jan-Hendrik Frank, Fachanwalt für Erbrecht, Trust and Estate Practitioner (TEP)


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Erbrecht Kanadisches Recht

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