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Erben und Vererben in Spanien: Grundlagen zur spanischen Erbschaftsteuer

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In der Artikel-Reihe „Erben und Vererben in Spanien“ führen wir in das Thema ein, zeigen Risiken auf und präsentieren Lösungsansätze. Die Serie besteht aus folgenden Beiträgen:

  1. Grundlagen zur spanischen Erbschaftsteuer
  2. EuGH: Spanische Regelungen über die Besteuerung Nicht-Residenter bei der Erbschaftsteuer verletzen europäisches Recht
  3. Strategien zur Verringerung der Erbschaftsteuer
  4. Europäische Erbrechtsverordnung und Vermögen in Spanien – was ist zu beachten?
  5. Testament für Deutsche mit Vermögen in Spanien – was ist zu beachten?
  6. Generalvollmacht, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung für Residente in Spanien
  7. Berliner Testament und Vermögen in Spanien

Im ersten Teil der Reihen stellen wir grundlegende Bestimmungen des spanischen Erbschafts- und Schenkungssteuergesetzes vor.

Anwendungsbereich 

Die spanische Erbschaftsteuer wird in ganz Spanien erhoben (Ausnahme: Navarra und Baskenland). Allerdings gibt es auch Gesetze der autonomen Gemeinschaften, welche in gewissen Umfang eigene Gesetzgebungskompetenz, z.B. betreffend die Freibeträge (siehe hierzu Beiträge zu den Balearen, Andalusien und Kanaren).

Berechnung der spanischen Erbschaftsteuer

Zur Berechnung der Steuer ist zunächst der Wert des Erwerbs des Erwerbers (z.B. Erbe, Vermächtnisnehmer) festzustellen.

Unbeschränkte Steuerpflicht

Der ganze Erwerb (z.B. die Erbschaft) ist zu besteuern, wenn der Erwerber seinen gewöhnlichen Wohnsitz (residencia habitual) in Spanien hatte. Auf den Aufenthaltsort des Erblassers kommt es also nicht an. Der gewöhnliche Wohnsitz des Erwerbers wird nach den Bestimmungen des span. Einkommensteuergesetzes ermittelt. Der Steuerpflichtige hat seinen gewöhnlichen Wohnsitz in Spanien, wenn er sich mehr als 183 Tage eines Jahres in Spanien aufhält. Unabhängig von der Zahl der Tage hat ein Steuerpflichtiger seinen gewöhnlichen Wohnsitz in Spanien, wenn sich dort der Schwerpunkt der unternehmerischen oder beruflichen Tätigkeit oder der wirtschaftlichen Interessen liegt.

Beschränkte Steuerpflicht

Hat der Erwerber (z.B. Erbe) keinen gewöhnlichen Wohnsitz in Spanien, müssen dennoch folgende Vermögensgegenstände, die in Spanien sind, versteuert werden: 

  • Immobilien,
  • bewegliche Gegenstände (z.B. PKW, Yacht, Gold, Kunstwerke) und
  • Guthaben bei einem in Spanien ansässigen Finanzinstitut. 

Bewertung des Nachlasses

Für die Besteuerung ist der wahre Wert (valor real) im Zeitpunkt des Todes. Der Erwerber selbst muss diesen Wert ermitteln und in der Steuererklärung angeben. In der Regel sollten folgende Werte nicht unterschritten werden:

  • Der Steuerkontrollwert (Katasterwert x Koeffizient)
  • Der von der Behörde festgestellte Wert
  • Die für den Erwerb erbrachte Gegenleistung

Ist der wahre Wert nachweislich niedriger, sollte der niedrigere Wert angegeben werden. Es ist zwar damit zu rechnen, dass es zu einem Nacherhebungsverfahren kommt, im Rahmen des Verfahrens kann dann aber der Nachweis eines niedrigeren Wertes geführt werden.

Persönlicher Freibetrag

Der wichtigste Freibetrag ist der allgemeine persönliche Freibetrag. Dieser ist abhängig von der Steuerklasse. Diese richtet sich nach der Verwandtschaft des Erblassers zum Erwerber:

Steuerklasse 1
Steuerklasse 2
Steuerklasse 3
Steuerklase 3
Abkömmling (Kind oder Kindeskind) unter 21 Jahren Adoptivkinder unter 21 Jahren
Abkömmlinge über 21 Jahre, der Ehegatte, die Eltern, Adoptiveltern Großeltern
Verwandte zweiten oder dritten Grades
Verwandte ab 4. Grad, Nichtverwandte
EUR 15.956,87 zuzüglich EUR 3990,72 für jedes zusätzliche Jahr unter einundzwanzig Jahren des Rechtsnachfolgers. Der Höchstbetrag ist allerdings EUR 47.858,59.
EUR 15.956,87
EUR 7933,46
0

Steuerbefreiung für die Hauptwohnung

Bis zu einem Höchstbetrag von EUR 122.606.47 ist die vom Erblasser selbst als Wohnung genutzte Wohnung (vivienda habitual) zu 95 % steuerfrei, wenn 

  • der Erbe der Ehegatte, ein Vorfahre, ein Nachkommen (z.B. Kind) oder ein Verwandter der Nebenlinie (Älter als 65 Jahre und 2 Jahre zusammen mit dem Erblasser die Immobilie bewohnt) ist und 
  • der Erbe die Immobilie 10 Jahre nicht veräußert.

Vorsicht: Bei vielen Deutschen kann der Nachweis der Selbstnutzung schwierig sein, da es viele – auch dauerhaft in Spanien lebende Deutsche – versäumen, sich in Spanien steuerlich resident zu melden.

Steuersätze

Nach Abzug der abzugsfähigen Nachlassverbindlichkeiten und der Freibeträge kann nun der Steuersatz und die Steuerschuld ermittelt werden. Hierzu sind zunächst nach nachfolgender Tabelle der Grundbetrag und der Steuersatz zu ermitteln. 

Steuerpflichtiger Erwerb bis zu EUR
Grundbetrag der Steuer in EUR
Restbetrag bis zu EUR
Steuersatz in %
0
0
7993,46
7,65
7993,46
611,50
7987,45
8,50
15.980,91
1290,43
7987,45
9,35
23.968,36
2037,26
7987,45
10,20
31.955,81
2851,98
7987,45
11,05
39.943,26
3734,59
7987,46
11,90
47.930,72
4685,10
7987,45
12,75
55.918,17
5703,50
7987,45
13,60
63.905,62
6789,79
7987,45
14,45
71.893,07
7943,98
7987,45
15,30
79.880,52
9166,06
39.877,15
16,15
119.757,67
15.606,22
39.877,16
18,70
159.634,83
23.063,25
79.754,30
21,25
239.389,13
40.011,04
159.388,41
25,50
398.777,54
80.655,08
398.767,54
29,75
797.555,08
199.291,40
u.s.w.
34,00

Anwendung des Multiplikator-Koeffizienten

Zur Ermittlung der Steuerschuld wird auf den so ermittelten Betrag nochmals ein Multiplikator angewandt, der sich aus folgender Tabelle ergibt: 

Wert des Vorvermögens
Steuerklasse I und II
Steuerklasse III
Steuerklasse IV
Bis 402.678,11
1,0000
1,5882
2,0000
Bis 2.007.380,43
1,0500
1,6676
2,1000
Bis 4.020.770,98
1,100
1,7471
2,200
Über 4.020.770,98
1,200
1,9059
2,4000

Bei Nichtverwandten (z.B. Ehe ohne Trauschein!) kommt es also nochmals (mindestens) zu einer Verdoppelung der Steuer!

Erklärung der spanischen Erbschaftsteuer

Der Steuerpflichtige (also der Erbe, Vermächtnisnehmer oder andere Erwerber) muss unaufgefordert die Steuer erklären und abführen. Die Frist hierzu beträgt 6 Monate. Die Frist beginnt mit dem Tod des Erblassers. Auf Antrag kann in den ersten 5 Monaten nach dem Tod die Frist auf insgesamt 12 Monate verlängert werden. 

Anrechnung der in Deutschland gezahlten Steuer auf die spanische Erbschaftsteuer

Wenn der Erwerber seinen steuerlichen Wohnsitz in Spanien hatte und Deutschland seinen Erwerb (ebenfalls) besteuert hat, wird die deutsche Erbschaftsteuer auf Antrag auf die spanische Erbschaftsteuer angerechnet werden. Wenn nicht das gesamte Vermögen der spanischen Erbschaftsteuer unterfällt, gibt es allerdings Einschränkungen.

Sie haben Fragen zur spanischen Erbschaftsteuer?

Nehmen Sie Kontakt zu uns auf und vereinbaren Sie einen Termin für eine persönliche oder telefonische Erstberatung (Kosten: EUR 190,-- zzgl. UmSt, also brutto EUR 226,10). 

Autoren:

José Martinez Salinas, Abogado und Europäischer Rechtsanwalt

Jan-Hendrik Frank, Fachanwalt für Erbrecht


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Erbrecht Spanisches Recht

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