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Erbrecht: das Wichtigste rund ums Erben und Vererben.

Möchten Sie selbst bestimmen, wer Ihr Erbe wird? Oder haben Sie geerbt und wissen nicht, wie groß Ihr Erbteil ist? Hier erhalten Sie wichtige Informationen rund um das Erben und Vererben.

Die wichtigsten Fakten

  • Falls Sie selbst bestimmen möchten, wer Ihr Erbe werden soll, errichten Sie ein Testament oder einen Erbvertrag.
  • Wenn es weder Testament oder Erbvertrag gibt, gilt das gesetzliche Erbrecht.
  • Wer enterbt wurde, hat einen Anspruch auf den Pflichtteil.

So gehen Sie vor

  1. Suchen Sie sich das Thema, das Sie interessiert, heraus.
  2. Informieren Sie sich ausführlich dazu in dem Ratgeber Erbrecht.
  3. Nehmen Sie die Möglichkeit wahr, sich von einem Anwalt helfen zu lassen. Dieser wird Sie in allen Punkten umfassend beraten.

Gesetzliche Erbfolge: Wer erbt was?

Das Erbrecht der Verwandten

Liegt weder ein Testament noch ein Erbvertrag vor, gilt die gesetzliche Erbfolge. Als erbberechtigte Verwandte werden zuerst Erben der ersten Ordnung gezählt, also direkte Abkömmlinge des Erblassers. Danach werden Verwandte der zweiten Ordnung, also die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, z. B. Geschwister, bedacht. Als Erben dritter Ordnung gelten die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge.

Die Regel besagt, dass vorrangige Ordnungen nachrangige ausschließen. Wenn es beispielsweise einen Erben erster Ordnung gibt, sind alle anderen vom Erbe ausgeschlossen.

Erben-Reihenfolge

Erste Ordnung:

  • Abkömmlinge des Erblassers, also Kinder, Enkel und Urenkel

Zweite Ordnung:

  • Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge
  • Geschwister, Neffen, Nichten
  • Großneffen und Großnichten

Dritte Ordnung:

  • Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge

Das Erbrecht des Ehegatten und eingetragenen Lebenspartners

Neben den Verwandten zählt der Ehegatte zu den gesetzlichen Erben. Der Ehegatte muss zum Zeitpunkt des Todes mit dem Erblasser verheiratet gewesen sein. Wenn aber der Erblasser bereits vor seinem Tod einen Scheidungsantrag gestellt hat, hat der Ehegatte keinen Anspruch auf den gesetzlichen Erbteil (§ 1933 BGB). Falls der Ehepartner beim Tod des Ehegatten nur getrennt von ihm lebt, gilt nach wie vor das gesetzliche Erbrecht.

Wie viel der Ehegatte erbt, hängt vom Güterstand der Ehegatten ab (z. B. Zugewinngemeinschaft oder Gütertrennung) sowie von der Ordnung der überlebenden Verwandten.

Beispiel:

Ein Ehepaar lebt in Zugewinngemeinschaft und hat zwei Kinder. Nach dem Tod eines Ehepartners erbt der überlebende Ehegatte die Hälfte des Nachlasses und die Kinder jeweils ein Viertel.

Letztwillige Verfügungen im Erbrecht

Mithilfe eines Testaments oder Erbvertrages kann die gesetzliche Erbfolge umgangen werden.

Folgende Testamentsarten gibt es:

  1. Eigenhändiges Testament
  2. Notarielles bzw. öffentliches Testament
  3. Gemeinschaftliches Testament (Sonderform: Berliner Testament)
  4. Nottestament

Ein Testament kann entweder als Einzeltestament oder als gemeinschaftliches Testament erstellt werden, wobei beim gemeinschaftlichen Testament nur der Ehegatte oder Lebenspartner eingetragen werden kann. Wichtig ist u. a., dass die Formvorschriften eingehalten werden, damit es rechtswirksam ist. Eine notarielle Beurkundung ist nicht immer notwendig.

Im Unterschied zum Testament muss der Erbvertrag immer notariell beurkundet werden. Als Vertragspartner kann jede beliebige Person eingesetzt werden. Wenn Sie in einem Erbvertrag als Erbe eingesetzt sind, haben Sie einen vertraglichen Anspruch auf den im Vertrag bezeichneten Teil des Nachlasses. Dies gilt allerdings nicht für Fälle, in denen im Erbvertrag auf den Pflichtteil verzichtet wurde.

Alternativen zu Testamenten und Erbverträgen:

  • Schenkung an den zukünftigen Erben
  • Nießbrauch
  • Wohnrecht

Enterben: Pflichtteilsansprüche bestehen trotzdem

Hat jemand Anspruch auf den Pflichtteil, kann er diesen in der Regel beanspruchen, wenn er weder im Testament noch im Erbvertrag bedacht wurde. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Pflichtteilsberechtigte Personen sind:

  • Kinder (eheliche, nichteheliche oder adoptierte)
  • Ehegatte bzw. eingetragener Lebenspartner
  • Eltern des Erblassers, wenn dieser keine Kinder hatte

Enkel und Urenkel sind nur dann pflichtteilsberechtigt, wenn deren Eltern nicht mehr leben.

Erbschaftssteuer: Diese steuerlichen Konsequenzen gibt es

Die Erbschaftssteuer wird in Deutschland im Erbschaftssteuer- und Schenkungsgesetz (ErbStG) geregelt. In der Regel ist jeder Erbe eines Vermögens erbschaftssteuerpflichtig.

Allerdings können nahe Verwandte entsprechend ihres Verwandtschaftsgrades von Freibeträgen profitieren. Je näher die Erben mit dem Erblasser verwandt sind, umso höher fällt dieser Betrag aus.

SteuerklasseVerwandtschaftsgradFreibetrag
1Ehepartner500.000 €
1Kinder, Stiefkinder, Enkel verstorbener Kinder400.000 €
1Enkel200.000 €
1Eltern, Großeltern100.000 €
2Geschwister, Nichten, Neffen, Stiefeletern, Schwiegerkinder20.000 €
3Sonstige Personen20.000 €

Wenn das Erbe den gesetzlichen Steuerfreibetrag übersteigt, müssen Steuern gezahlt werden. Die Höhe der Erbschaftssteuer richtet sich nach dem Wert des Vermögens und der jeweiligen Steuerklasse.

Es gibt drei Erbschaftssteuerklassen, die über das Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser definiert werden:

Steuerklasse I:  Ehegatten, eingetragene Lebenspartner, Kinder, Enkel

Steuerklasse II: Geschwister, Nichten, Neffen, Schwiegereltern

Steuerklasse III: Cousins oder nicht verwandte Personen

Wert des steuerpflichtigen Erwerbs bis:Prozentsatz Steuerklasse IProzentsatz Steuerklasse IIProzentsatz Steuerklasse III
75.000 €71530
300.000 €112030
600.000 €152530
6.000.000 €193030
13.000.000 €233550
26.000.000 €274050
über 26.000.000 €304350

Wenn der Nachlass überschuldet ist: Erbe ausschlagen

Wenn nur Schulden vererbt werden, sollte sich jeder Erbe genau überlegen, ob es nicht besser ist, das Erbe auszuschlagen. Erben haften nämlich auch mit ihrem persönlichen Vermögen für die Verbindlichkeiten des Erblassers.

Dazu muss die Ausschlagungserklärung entweder zur Niederschrift oder in öffentlich beglaubigter Form gegenüber dem Nachlassgericht abgegeben werden.

Ausnahme: In Baden-Württemberg muss sich der Erbe an das staatliche Notariat wenden.

Erbverzicht: So geht die frühzeitige Auszahlung im Erbrecht

Der Erbverzicht wird schon zu Lebzeiten mit dem Erblasser durch einen Vertrag geregelt. Er enthält die Regelung, dass der Erbberechtigte bzw. der Pflichtteilsberechtigte auf sein zukünftiges Erbrecht bzw. Pflichtteilsrecht aus dem Erbfall des Erblassers verzichtet. Meistens wird im Falle eines Erbverzichts eine Abfindung als Entschädigung gezahlt.

Der Erbverzicht wird meist angewandt, um Familienunternehmen nicht zerschlagen zu müssen.

Mit einem Erbschein zum rechtmäßigen Erbe

Der Erbschein beinhaltet die Information darüber, wer Erbe ist und wie viel mehrere Personen erben (Erbquote). Er muss beim zuständigen Nachlassgericht beantragt werden und wird benötigt, um den Nachlass zu erhalten.

Ausnahme: Wenn es ein öffentliches oder privates Testament sowie ein gerichtliches Eröffnungsprotokoll gibt, muss in der Regel kein Erbschein beantragt werden.

Erbschaftskauf

Jeder Erbe kann die komplette Erbschaft an einen Dritten verkaufen. Mit dem Erbschaftskaufvertrag werden alle Rechte und Pflichten bezüglich des Nachlasses auf den Käufer übertragen. Der Erbschaftskauf ändert aber nichts an der Erbenstellung des Verkäufers.

Der Erbschaftskaufvertrag muss notariell beglaubigt werden, um rechtswirksam zu sein.

Digitaler Nachlass: Wer hat Anspruch auf das digitale Erbe?

Stirbt jemand, der bei Facebook, Xing, Instagram oder Twitter ein Account hatte, stellt sich die Frage, was mit seinem digitalen Nachlass passiert.

Die Mutter einer Facebook-Nutzerin konnte sich nach dem Tod ihrer Tochter nicht in deren Account bei Facebook einloggen, obwohl sie die Zugangsdaten dazu hatte. Denn Facebook hatte den Account der Tochter nach dem Tod der Nutzerin in einen Gedenkzustand versetzt, sodass das Einloggen nicht möglich war. Daher beantragte die Mutter den Zugang zu ihrem Account, was von Facebook abgelehnt wurde.

In einem Urteil vom 12. Juli 2018 (BGH III ZR 183/17) hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass die Mutter Anspruch auf den Zugang zum Facebook-Account der Tochter erhalten soll. Danach wird ein Nutzungsvertrag im Falle des Todes eines Users sozialer Netzwerke auf dessen Erben als neuen Vertragspartner übertragen.

Video-Zusammenfassung zum Erbrecht

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