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Erbschaftsteuer und US-Nachlasssteuer auf Ferien-Immobilien in den USA

aus den Rechtsgebieten Erbrecht, Steuerrecht | Amerikanisches Recht

Viele Deutsche mit Vermögen in den USA sind unsicher, welche Steuern im Erbfall anfallen. Insbesondere fragen uns oft Ehegatten, ob beim Tod eines Ehegatten Steuern in den USA anfallen und ob sie auch von den hohen Freibeträgen im US-Steuerrecht profitieren. Der Beitrag behandelt den häufigen Fall der Besteuerung einer Ferienimmobilie in den USA.

Grundlegendes zum US-Steuerrecht

Die US-Nachlasssteuer – Federal Estate Tax – besteuert den ungeteilten Nachlass des Verstorbenen. Dementsprechend kommt es für den Umfang der Steuerpflicht (was wird besteuert?) in den USA allein auf die Person des Erblassers an: War der Erblasser US-Staatsbürger (U.S. citizen) oder Ausländer mit Wohnsitz (residence) in den USA, unterliegt der weltweite Nachlass der Federal Estate Tax (auf den Erben kommt es nicht an!). Wegen der (derzeit) hohen Freibeträge (unified credit für Erbfälle in 2015:  $ 5.430.000,– bzw. $ 10.460.000,–) und der völligen Freistellung des Erwerbs des Ehegatten, fällt in diesem Fall nur in den wenigsten Fällen Federal Estate Tax an. War der Erblasser Nicht-Amerikaner und hatte er keinen Wohnsitz in den USA (nonresident alien), unterliegt nur sein US-Vermögen der Federal Estate Tax, also z.B. Grundstücke (real estate), Anteile an einer Kapitalgesellschaft in den USA (stock in corporation). Allerdings beträgt der Freibetrag für den Nachlass eines nonresident alien nur $ 60.000,– und die Ehegattenfreistellung wird nur bei Gründung eines Qualified Domestic Trust (QDOT) gewährt. Da viele US-Berater die besonderen Regeln des Doppelbesteuerungsabkommens – hierzu unten – nicht kennen, beunruhigt dies viele Deutsche mit Vermögen in den USA und es kommt oft zu unsinnigen oder gar schädlichen Trusts oder Testamentsgestaltungen.

Grundlegendes zur deutschen Erbschaftsteuer

Anders als die USA besteuert Deutschland nicht den ungeteilten Nachlass, sondern den (unentgeltlichen) Erwerb einer Person von Todes wegen (z.B. durch Erbschaft). Eine Besonderheit der deutschen Erbschaftsteuer ist es, dass sie in vollem Umfang anfällt, wenn der Erblasser oder der Erbe „Inländer“ – zu diesem Begriff später mehr – war: Wenn der Erblasser beim Erbfall ein Inländer war, unterliegt sein weltweites Vermögen der deutschen Erbschaftsteuer. War der Erbe ein Inländer, ist alles was er erhält in Deutschland steuerbar. „Inländer“ sind alle Personen, die zum Zeitpunkt des Erbfalls in Deutschland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatten. Deutsche sind außerdem noch dann Inländer, wenn sie in den letzten 5 Jahren einen Wohnsitz oder Aufenthalt in Deutschland hatten. Ansonsten unterliegt nur das Inlandsvermögen (z.B. Immobilien; hingegen nicht ein Sparguthaben bei einer deutschen Bank) der deutschen Erbschaftsteuer. Dass Deutschland somit sowohl auf den Erben als auch auf den Erblasser abstellt, führt bei internationalen Erbfällen oft dazu, dass sowohl im Ausland als auch in Deutschland Steuern beim Tod anfallen. Allerdings sind die Freibeträge in Deutschland jedenfalls in der Kernfamilie relativ hoch (Ehegatte: EUR 500.000,–; je Kind: EUR 400.000,–), sodass Steuern vor allem beim Erwerb durch entferntere Verwandte oder „Ehen ohne Trauschein“ ein Thema sind (Freibetrag: EUR 20.000,–; Eingangssteuersatz in der Steuerklasse III: 30 %). Fällt unter Berücksichtigung der Freibeträge in Deutschland (auch) eine Steuer auf den Tod an, wird die Doppelbesteuerung in der Regel durch Anrechnung der ausländischen Steuer auf die deutsche Steuer vermieden. Allerdings ist eine Anrechnung nicht immer und nicht immer vollständig möglich.

Besteuerung nach dem deutsch-amerikanischen Doppelbesteuerungsabkommen

Zwischen Deutschland und den USA besteht auf dem Gebiet der Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). Durch dieses werden die oben dargelegten Regeln zugunsten des Steuerzahlers überlagert, was allerdings von vielen US-Beratern übersehen wird (das führt zu einer erheblichen Verunsicherung!).

Besondere DBA-Regeln zur Bestimmung des Wohnsitzes

Oft von US-Beratern übersehen werden die besonderen DBA-Regeln zur Bestimmung des Wohnsitzes (residence bzw. domicile) für Zwecke der Erbschaftsteuer und Federal Estate Tax: In der Regel kommt es nach dem  DBA auf den Lebensmittelpunkt (centre of vital interests) an. Dieser ist unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls (z.B. Dauer des Aufenthalts, soziale und familiäre Bindungen) zu ermitteln. Der Besitz einer amerikanischen Daueraufenthaltserlaubnis (residence permit) oder einer unbeschränkten Arbeitserlaubnis (Green Card) ist in dieser Abwägung nur ein Kriterium, so dass auch eine Person mit Green Card oder residence permit ein nonresident alien für Zwecke der Erbschaftsteuer sein kann! Diese besonderen DBA-Regeln führen dazu, dass in der Regel nur das US-Vermögen von Deutschen mit zeitweisem Aufenthalt in den USA besteuert wird.

Aber selbst wenn ein Deutscher vollständig dauerhaft in die USA umzieht, so wird er für Zwecke der Erbschaftsteuer noch 10 Jahre nach seinem Umzug so behandelt, als hätte er seinen Wohnsitz nur in Deutschland!

Beispiel:

Wolfgang Klug, deutscher Staatsangehöriger, zieht von Köln (Deutschland) nach Naples, Florida. Zwei Jahre nach seinem Umzug verstirbt Wolfgang Klug und hinterlässt seinem Sohn, wohnhaft in Bonn, ein Haus in Köln. Nach den Regeln des DBA hat Wolfgang Klug für Erbschaftsteuerzwecke seinen alleinigen Wohnsitz in Deutschland. Die USA erheben daher keine Nachlasssteuer auf das Vermögen in Deutschland.

US-Freibeträge werden anteilig gewährt

Wie einleitend dargelegt ist es wegen der niedrigen US-Freibeträge für nonresident aliens und der Regeln zur Ehegattenfreistellung nicht unbedingt vorteilhaft, für Zwecke der Federal Estate Tax ein nonresident alien zu sein. Daher könnte man meinen, dass die oben dargelegten, besonderen DBA-Regeln zum Wohnsitz auch nachteilig sein können. Nach dem DBA werden Deutschen, welche nach den Regeln des DBA nonresident aliens sind, aber zahlreiche Vorteile gewährt, welche in den meisten Fällen zu einer völligen Steuerfreiheit in den USA führen. So wird insbesondere nicht nur ein Freibetrag von nur $ 60.000,– gewährt, sondern der Freibetrag von $ 5.430.000,– wird anteilig im Verhältnis von Weltvermögen zu US-Vermögen gewährt.

Beispiel:

Erblasserin Else Klingental, deutsche Staatsangehörige mit Wohnsitz Berlin, hinterlässt eine Wohnung in San Diego, Kalifornien, mit einem Wert von $ 2 Mio. Der Wert ihres deutschen Vermögens beträgt umgerechnet $ 4 Mio. Es entfällt also 1/3 ihres Nachlasses auf die USA. Daher kann 1/3 des allgemeinen US-Freibetrags von $ 5.430.000,– in Anspruch genommen werden, also $ 1.810.000,– (und nicht nur $ 60.000,–).

Steuerbefreiung des Ehegatten wird teilweise gewährt

Auch im Hinblick auf die US-Ehegattenfreistellung (marital deduction), welche nonresident aliens im Grundsatz nicht gewährt wird, gibt es nach dem DBA Vergünstigungen: Bei beschränkter Steuerpflicht (also wenn der Erblasser nonresident alien ist), wird das US-Vermögen, das der Ehegatte erhält, nur zu 50 % bei der Federal Estate Tax berücksichtigt. Zusätzlich wird nach dem DBA außerdem – unter bestimmten Voraussetzungen – eine weitergehende Ehegattenfreistellung gewährt. Da diese Vergünstigungen des Ehegatten zusätzlich zu dem anteilig gewährten Unified Credit (siehe dazu oben) eingeräumt wird, ist für die allermeisten deutsch-amerikanischen Erbfälle, in denen der Ehegatte erbt, in den USA keine Federal Estate Tax zu zahlen. In manchen US-Bundestaaten gibt es allerdings eine Landes-Nachlasssteuer (State Estate Tax), z.B. New Jersey, für welche die Regeln des DBA zur Ehegattenfreistellung nicht anzuwenden sind. Dann kann es unter Umständen zu einer Besteuerung nach dem Recht des Bundestaates kommen.  

Besondere Regeln für US-Trusts

Viele Deutsche mit Vermögen in den USA errichten auf Anraten von US-Steuerberatern oder Anwälten noch zu Lebzeiten einen Trust (dies ist besonders verbreitet in Florida und Kalifornien). Hiermit wird zum einen die Vereinfachung des als umständlich empfundenen US-Nachlassverfahrens (probate und administration) bezweckt, aber auch z.B. die Ehegattenfreistellung (QDOT, siehe oben). Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Übertragung von Vermögen auf einen Trust unter Umständen deutsche Erbschaft- oder Schenkungsteuer in der unvorteilhaften Steuerklasse III (Freibetrag EUR 20.000,–; Eingangssteuersatz 30 %) auslösen kann. Das gilt zwar nicht für alle Trusts – so hat der Bundesfinanzhof z.B. kürzlich klargestellt, dass die Übertragung auf einen Grantor Trust keine Steuer auslöst – bei der Verwendung von lebzeitigen Trusts (Living Trusts) oder bei Anordnung eines Trust in einem Testament (Testamentary Trust) sollten Sie immer Rechtsrat von einen auf deutsch-amerikanische Erbfälle spezialisierten Rechtsanwalt einholen, um Steuerschäden zu vermeiden.

Fazit:

Die Federal Estate Tax fällt in den allermeisten deutsch-amerikanischen Erbfällen nicht an. Besondere Gestaltungen zur Vermeidung der Federal Estate Tax sind daher in der Regel nicht veranlasst und können – wenn sie nicht in fachkundiger Hand sind – sogar schädlich sein. Nicht selten fällt allerdings deutsche Erbschaftsteuer an. Diese kann insbesondere bei entfernten Verwandten oder „Ehen ohne Trauschein“ hoch sein. In solchen Fällen sollte man über Gestaltungen nachdenken. In jedem Fall sollte allerdings die Planung immer in fachkundige Hände (zum Testament bei US-Vermögen siehe Grundbesitz International 2015-1). 

Rechtsanwalt Jan-Hendrik Frank

Fachanwalt für Erbrecht, TEP

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