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Ermittlungsergebnis und IP-Adresse bei der Waldorf Frommer Abmahnung

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Wie kommt die Kanzlei Waldorf Frommer überhaupt an meine Adresse? Und stimmt die Behauptung der Kanzlei, dass tatsächlich über mein Netzwerk zu dem angegebenen Zeitpunkt über meine IP-Adresse der jeweilige Film oder eine TV-Folge protokolliert worden sein soll? In der Waldorf-Frommer-Abmahnung steht, dass hierzu das von der Firma Digital Forensics GmbH entwickelten Programm Peer-to-Peer-Forensic System (PFS) verwendet worden sein soll. Doch stimmen die Ergebnisse dieses PFS-Systems? Diese Fragen wollen wir in diesem Beitrag einmal näher beleuchten.

Auf den ersten Seiten der Abmahnung schildert Ihnen Waldorf eigentlich relativ ausführlich, warum die Kanzlei Sie anschreibt und auf welche Weise die Rechtsverletzung über Ihr Netzwerk, nämlich der Tausch und das Angebot eines urheberrechtlich geschützten Films oder einer TV-Folge mit der PFS-Software der von Waldorf beauftragten Firma Digital Forensics Systems protokolliert worden sein soll.

Doch viele unserer Mandanten stellen sich immer wieder die Frage, ob diese technischen Vorwürfe der Waldorf-Frommer-Abmahnung, die sie da erhalten haben, eigentlich korrekt sind. Gerade, wenn man als Anschlussinhaber und Empfänger der Abmahnung den Vorgang nicht nachvollziehen kann, weil man noch nie in seinem Leben eine Tauschbörse benutzt hat, fragt man sich dann oft, ob das denn alles seine Richtigkeit hat. Spätestens wenn dann andere Personen, wie Familienangehörige, im Haushalt dann auf Nachfrage hochheilig versichern, ebenfalls nichts mit dem mysteriösen Vorfall zu tun zu haben, stellen sich viele die Frage, ob die Abmahnung nicht betrügerisch ist, und Ihnen Waldorf Frommer einen Bären aufbinden möchte.

Insofern wollen wir hier einmal für Sie erklären, was es denn eigentlich mit dem technischen Vorwurf der Waldorf-Frommer-Abmahnung auf sich hat. Als erstes wollen wir einen Blick auf das PFS Programm werfen, mit dem die Rechtsverletzung ermittelt worden sein soll.

Das PFS Peer-to-Peer-Forensic System als technisches Herzstück der Waldorf-Frommer-Abmahnung

Das technische Herzstück von Waldorfs Abmahnung ist immer schon das PFS, also das „Peer-to-Peer-Forensic-System“ gewesen, das seit 2015 von der Leipziger Firma Digital Forensics Systems GmbH, dem technischen Dienstleister der Kanzlei Waldorf Frommer zur Verfügung gestellt wird.

Die Firma Digital Forensics Systems GmbH ist Nachfolger der Firma Ipoque GmbH, die das System zunächst mit Waldorf Frommer erfolgreich auf den Markt gebracht hatten und damit seit 2007 die ersten Abmahnungen an Verbraucher verschickt haben. Der Geschäftsführer Dr. Frank Stummer war auch schon für die Ipoque GmbH tätig. Jedenfalls die Ipoque GmbH war ein Tochterunternehmen der Münchner Firma Rohde und Schwarz, die sich auf militärische High-Tech-Technologie und Spionagetechnik spezialisiert hat. Das System stammte aus fachlich „berufenem Hause“.

Die zentrale technische Frage bei der Waldorf-Frommer-Abmahnung war es aber dennoch immer schon, ob dieses PFS System der Digital Forensics GmbH tatsächlich Anschlüsse tatsächlich korrekt ermittelt. Einen schematischen Überblick über das PFS System, das Die Digital Forensic GmbH nicht ohne Stolz ihr „Flaggschiff“ nennt, gibt die Firma hier:

https://www.digitalforensics.de/urheberrechtsschutz/

Doch blieb lange die Frage offen, ob das System tatsächlich valide Ergebnisse liefert, oder ob bei der Protokollierung der IP-Adressen Fehler passiert können. Denn dann würde die Abmahnung ja im falschen Haushalt landen.

Für auf Medienrecht spezialisierte Kanzleien, wie unser Büro oder auch für die Gerichte lässt sich eine solche technische Frage nicht beurteilen. In den ersten Prozessen, die wir damals vor vielen Jahren gegen Waldorf Frommers Mandanten am Amtsgericht München geführt haben, wurde in einem Musterprozess einmal der Münchner IT-Sachverständige Markus Schmidt von der Firma Fast Detect beauftragt, das PFS System auf „Herz und Nieren“ in einem damals etwa € 5.000,00 teuren gerichtlichen Gutachten zu testen. Zu diesem Zweck wurde damals sogar eigens ein Ortstermin mit dem Sachverständigen bei der Firma Ipoque GmbH in Leipzig anberaumt, an dem auch Dr. Bernhard Knies teilgenommen hat. Das Ergebnis des gerichtlichen Gutachtens war für den Sachverständigen Markus Schmidt eindeutig:

Schmidt kam zu dem Ergebnis, dass das PFS System fehlerfrei funktioniert, dass also insbesondere die IP-Adressermittlung in der Tauschbörse vom System vollautomatisch also rein softwarebasiert arbeitet, dass der Zeitabgleich, die Ermittlung der Tauschclients in der Tauschbörse und die Protokollierung der in der Tauschbörse sichtbaren IP-Adresse durch das PFS System keine Fehler hat.

Das Ergebnis hat damals auch das Amtsgericht München überzeugt. Seitdem ist das PFS System von anderen Kollegen auch wiederholt in jeweils eigenen Prozessen begutachtet worden. Kosten, die man sich aus heutiger Sicht aber eigentlich sparen kann, denn hier ist kein Gutachten bekannt, das jemals zu dem Schluss gekommen wäre, dass das PFS System fehlerhaft wäre.

Als Fazit muss insofern erst einmal festgehalten werden: Die IP-Adresse, die das System liefert und protokolliert hat in Zusammenhang mit dem Tausch eines Films oder einer TV Folge in der Tauschbörse, ist technisch betrachtet leider valide. Das bedeutet: Wenn Sie den Vorfall nicht selber verschuldet haben, dann muss eine andere Person, die in Ihrem Haushalt Zugriff auf Ihr W-LAN hat, den Download verursacht haben.

Schauen wir uns als zweites jetzt noch einmal die IP-Adresse und die damit verbundenen Fragen an:

Die IP-Adresse, die Waldorf Frommer in der Abmahnung angibt

Viele unserer Anrufer teilen uns aber auch immer wieder mit, dass Sie festgestellt haben, dass die von Waldorf Frommer und dem PFS System protokollierte IP-Adresse ihres Anschlusses nicht die IP-Adresse Ihres Anschlusses sei. Oft haben diese Anrufer zunächst einmal selber eine eigene Google Recherche gestartet, sind dann auf Webtools wie etwa www.utrace.com gestoßen, das einem ja die eigene IP-Adresse anzeigt, mit der man gerade eben surft. Und die vergleicht man dann mit der IP-Adresse, die in der Waldorf-Frommer-Abmahnung steht, die also das PSF System ermittelt hat und stellt dann fest: Das kann nicht stimmen, die IP-Adresse in der Waldorf Abmahnung ist eine andere als die, mit der ich gerade surfe! Daraus schließen viele unserer Anrufer messerscharf: „Also stimmt die ganze Sache nicht! Da ist was faul!“

Der Fehler in dieser Argumentation liegt aber darin, dass die meisten unserer Anrufer nicht wissen, dass in Deutschland etwa 90 % der Internetprovider an ihre Kunden sogenannte „dynamische IP-Adressen“ vergeben, also solche, die jeden Tag wechseln. Das bedeutet, Sie bekommen (meist nachts) von Ihrem Provider jeden Tag eine neue IP-Adresse zugewiesen. Die von Ihrem Anschluss genutzte IP-Adresse ist also nicht statisch wie eine Telefonnummer, sondern dynamisch (gegen geringen Aufpreis von etwa € 5,00 monatlich könnte man eine statische IP Adresse buchen, wenn man das will).

Der technische Schluss ist also: Sie selber können nicht erkennen oder nachprüfen, ob die in der Waldorf-Frommer-Abmahnung angegebene IP-Adresse zu exakt dem Zeitpunkt der Rechtsverletzung tatsächlich von Ihrem Netzwerk genutzt wurde. Diese Information wird zwar für einige Tage in Ihrem häuslichen Router gespeichert (schauen Sie dort in jedem Fall einmal nach!). Aber meist speichern die handelsüblichen Router die „Logdateien“ also die IP-Adresse, die an dem jeweiligen Tag von den jeweiligen Endgeräten benutzt wurde nur für wenige Tage, danach überschreiben sich die Daten automatisch im Router (man kann sich diese Daten per Email zusenden lassen und sie so sichern, dass macht aber leider fast niemand).

Sie sehen: Auch die Argumentation mit der IP-Adresse bringt Ihnen auf der „technischen Ebene“ wenig bis nichts, außer dem etwas frustrierenden Ergebnis, dass Sie den Vorgang selber nicht mehr nachvollziehen können.

Wie verteidigt man sich sinnvoll gegen eine Waldorf-Frommer-Abmahnung?

Die Tatsache, dass die Abmahnung „technisch stimmt“, heißt noch lange nicht, dass Sie sich nicht dagegen erfolgreich zur Wehr setzen können. Denn oft kann man ja beweisen, dass andere für die Rechtsverletzung verantwortlich waren. Der Gesetzgeber hat zudem die Störerhaftung auch für W-LANs abgeschafft, das könnte Waldorf Frommer auch in Ihrem Fall erhebliche Probleme bereiten. Und auch wenn Waldorf Frommer ein starker Gegner ist, so hat die Kanzlei doch auch Schwachstellen, die Sie bei der Verteidigung eines Falles sehr wohl ausnutzen können.

Wir empfehlen Ihnen immer erst einmal nach Erhalt der Abmahnung den Sachverhalt aufzuklären und das Ergebnis mit uns zu besprechen. Wir beraten Sie insbesondere, wie die erste Reaktion auf die Waldorf-Frommer-Abmahnung individuell gestaltet werden sollte.

Denn diese erste Reaktion auf die Waldorf-Frommer-Abmahnung ist ganz entscheidend. Lesen Sie doch dazu einfach auch Waldorf-Frommer-Abmahnung die richtige Reaktion oder rufen Sie uns einfach an, wir bieten dazu eine kostenlose telefonische Erstberatung an:

Dr. Bernhard Knies

Rechtsanwalt – Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht

Wichtige Links:

Unsere ausführlichen Webinformationen zur Abmahnung Waldorf Frommer:

https://www.new-media-law.net/waldorf-frommer/

Die Homepage der Digital Forensics GmbH:

https://www.digitalforensics.de

Hier beschreibt die Digital Forensics GmbH die Funktionsweise von PFS:

https://www.digitalforensics.de/urheberrechtsschutz/


Rechtstipp vom 19.02.2018
aus der Themenwelt Urheberrecht und dem Rechtsgebiet Urheberrecht & Medienrecht

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