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Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche § 261 StGB – Als Finanzagent ausgenutzt

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Geldwäsche wider Willen, wie konnte es dazu kommen?

Sie finden im Internet ein verlockendes Stellenangebot. Das Unternehmen macht einen seriösen Eindruck. Die Stellen sind mit der Bezeichnung Datenerfasser, Finanzkoordinator, Treuhandagent oder Finanztransaktionsmanager ausgeschrieben. Flexible Arbeit von zu Hause aus. Ihre Aufgabe ist einfach: Sie sollen Kundengelder auf andere Konten transferieren. Oft ins Ausland und per Bargeldtransfersysteme wie Western Union oder MoneyGram. Das Geld der Kunden soll auf Ihr Privatkonto überwiesen werden. Die Nutzung Ihres Privatkontos wird mit kreativen Erklärungen, beispielsweise mit Gewährleistungsansprüchen oder der laufenden Probezeit, begründet. Die Bezahlung erfolgt entweder auf Provisionsbasis oder Ihnen wird eine pauschale Vergütung von beispielsweise 450,00 € versprochen. Leicht verdientes Geld. Doch plötzlich bleibt die Bezahlung aus. Der Kontakt zum Auftraggeber reißt ab. Fremde Menschen melden sich bei Ihnen und mahnen Sie aufgrund stornierter Zahlungen ab. Und wenn Sie nicht gar eine Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen müssen, haben Sie zumindest eine polizeiliche Vorladung im Briefkasten. Der Vorwurf: Geldwäsche.


Habe ich mich wegen Geldwäsche und Betrug strafbar gemacht?

Spätestens jetzt merken Sie, dass hinter dem anfangs so seriös klingenden Stellenangebot eine fiese Masche steckt. Sie sind Opfer von Kriminellen geworden, wurden von Ihnen als Strohmann missbraucht und stehen jetzt selbst im Fadenkreuz der Ermittlungsbehörden. 

Das Geld, das auf Ihrem Konto eingegangen ist und das Sie sodann weitergeleitet haben, stammt nämlich aus Straftaten. Beispielsweise Computerbetrug, wobei die Täter, also Ihre früheren „Vorgesetzten“, mittels Phishing an die Kontodaten anderer Opfer gelangt sind. Oder auch eBay Warenbetrug, wobei die Opfer in Vorkasse gehen und das Geld auf Ihr Konto überweisen, jedoch von den Tätern keine Ware bekommen. So schnell kann es gehen und Sie haben den objektiven Tatbestand der Geldwäsche erfüllt. Sie haben inkriminiertes Geld an einen Dritten weitergeleitet und dadurch die Herkunft des Geldes verschleiert und seine Sicherstellung zumindest gefährdet.


Was bedeutet der Vorwurf der Geldwäsche für mich?

Was anfangs ein lukrativer Nebenverdienst für Sie war, entpuppt sich nun zu einem Alptraum. Geldwäsche wird mit einer Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis zu fünf Jahren geahndet. Schnell steht jedoch auch der Vorwurf einer gewerbsmäßigen Tatbegehung im Raum, bei der die Strafandrohung von 6 Monaten bis zu 10 Jahren ist. Dazu kommen die zivilrechtlichen Schadensersatzansprüche. So ist zum Beispiel die Geldwäsche gem. § 261 StGB ein Schutzgesetz des § 823 BGB. 


Aber ich wusste doch von nichts? Habe ich mich wegen Geldwäsche nach § 261 StGB strafbar gemacht?

Fälle wie der Ihre sind in letzter Zeit keine Seltenheit. Immer mehr Menschen werden als sogenannte Finanzagenten benutzt, um Geld zu waschen. Dass das transferierte Geld dabei aus Straftaten stammt, wissen die wenigsten. Doch kann der Staat jemanden bestrafen, der selbst Opfer von Kriminellen ist? Jemanden, der gar nicht wusste, welches hinterhältige Spiel mit ihm getrieben wird? Die Antwort ist so ernüchternd, wie die Entlohnung Ihrer Finanzagententätigkeit: Ja, er kann! § 261 Abs. 5 StGB sagt aus, dass sich auch strafbar macht, wer wenigstens leichtfertig die fragwürdige Herkunft des Geldes nicht erkannt hat. Das bedeutet, dass konkrete feststellbare Umstände vorliegen mussten, aufgrund derer es sich Ihnen hätte aufdrängen müssen, dass das Ihnen zufließende Geld aus Straftaten stammte. Außerdem muss Ihnen eine besonders grobe Vernachlässigung der objektiv gebotenen Sorgfalt unter Berücksichtigung Ihrer individuellen Erkenntnismöglichkeiten vorgeworfen werden können. Zwar ist die Strafandrohung jetzt „nur“ noch Freiheitsstrafe von bis zu 2 Jahren oder Geldstrafe, aber an der Pönalisierung Ihres Verhalten ändert dies erstmal nichts, geschweige denn an den zivilrechtlichen Schadensersatzleistungen. 


Und was soll ich jetzt tun? Ein Rechtsanwalt kann helfen

Zwar sind Fälle wie Ihrer nicht mehr selten, jedoch ist der Verlauf des Ermittlungsverfahrens alles andere als ein Selbstläufer. Wenn Sie nicht beweisen können, dass Sie die Herkunft des Geldes nicht hätten erkennen können, droht sowohl eine empfindliche Freiheitsstrafe, als auch eine Welle von Schadensersatzforderungen. Nun ist jedoch das oberste Gebot Ruhe zu bewahren. Sich den Ermittlungsbehörden auf eigene Faust erklären zu wollen, ist meist eine schlechte Strategie. Ohne die Hintergrundinformationen aus der Ermittlungsakte ist eine erfolgreiche Verteidigung erschwert. Als Anwalt kann ich Akteneinsicht beantragen und bereits im Ermittlungsverfahren versuchen, einen für Sie befriedigenden Abschluss zu erwirken. 

Unter Berücksichtigung der Tatbestandsmerkmale der Geldwäsche werde ich anhand Ihres Einzelfalls prüfen, ob Sie sich tatsächlich einer Straftat schuldig gemacht haben. Mittels einer auf Ihren Fall zugeschnittenen Verteidigungsstrategie werde ich bereits jetzt auf eine Einstellung des Verfahrens nach § 170 Abs. 2 StPO hinwirken. Gerade der Straftatbestand der Geldwäsche bietet Möglichkeiten für den erfahrenen Strafverteidiger mithilfe einer kooperativen Strategie ein für den Mandanten positives Ergebnis zu erzielen. 

Falls Ihnen die oben genannten Fallbeispiele bekannt vorkommen und Sie weitere Fragen haben, zögern Sie nicht mich zu kontaktieren. Schnelle Reaktion ermöglicht eine bestmögliche Verteidigung. 


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

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