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Ersetzt der Blindenstock einen Blindenhund?

aus den Rechtsgebieten Schwerbehindertenrecht, Sozialrecht
Ersetzt der Blindenstock einen Blindenhund?
Der Blindenführhund ist nicht nur ein treuer Begleiter, sondern auch eine hervorragende Mobilitätshilfe.

Heute – am 29.01.2016 – ist der Tag des Blindenhundes. Er kann Blinden dabei helfen, sich auch außerhalb der eigenen vier Wände freier und sicherer zu bewegen. Denn während für die meisten Menschen ein Spaziergang im Park das Normalste der Welt ist, müssen sich Blinde sehr konzentrieren, um sich nicht zu verlaufen oder über Hindernisse zu stolpern. Auch wenn man mit einem Blindenlangstock die Barrieren auf dem Boden ertasten kann, werden viele andere Hindernisse – z. B. herabhängende Äste oder entgegenkommende Radler bzw. Fußgänger – damit zumeist nicht erkannt. Ein Blindenhund dagegen kann sicher um Hindernisse herumführen. Den kann ein Blinder nach Ansicht des Landessozialgerichts (LSG) Rheinland-Pfalz von seiner Krankenkasse grundsätzlich auch neben einem Blindenstock verlangen.

Krankenkasse: Blindenhund nicht erforderlich

Eine Frau erblindete aufgrund einer Krankheit (ihre Sehschärfe betrug nur noch zwei Prozent) und erhielt von ihrer gesetzlichen Krankenkasse unter anderem einen Blindenlangstock. Da sie keine Hilfs- bzw. Betreuungsperson im sozialen Umfeld mehr hatte, beantragte sie die Versorgung mit einem Blindenführhund. Schließlich könne sie die Hindernisse, die sich nicht auf dem Boden befinden, mit dem Blindenstock nicht ertasten; sie bewege sich daher trotz des Stocks unsicher auf den Straßen. Außerdem könnte sie mit dem Blindenhund ihre Freizeit aktiv gestalten, ihre Selbstständigkeit bestmöglich erhalten und so depressive Episoden vermeiden. Die Krankenkasse hielt den Blindenstock jedoch für ausreichend, da die Frau im Mobilitätstraining gezeigt habe, dass sie über gute Ortskenntnisse verfüge. Im Übrigen diene ein Blindenhund nicht der Vorbeugung von depressiven Episoden. Die Frau zog daraufhin vor Gericht.

Frau hat Anspruch auf Blindenhund

Das LSG verpflichtete die Krankenkasse dazu, die Frau mit einem Blindenführhund zu versorgen. Schließlich sei der Hund ein Hilfsmittel für den unmittelbaren Behindertenausgleich, das Blinden hilft, Hindernisse rechtzeitig zu erkennen, die sich nicht nur am Boden befinden und mit denen man auch auf bekannten Wegen rechnen muss. Der Hund kann Blinde warnen und um die Barriere herumführen bzw. sie vor herannahenden Personen warnen. Er ersetzt also indirekt die optische Fernwahrnehmung, was mit einem Blindenlangstock gerade nicht möglich ist.

Dieser wesentliche Gebrauchsvorteil rechtfertige es, dass sie zusätzlich zum Blindenstock auch einen Blindenführhund bekommt. Denn es gibt keine billigeren Hilfsmittel mit derselben Wirkung. Ferner sei die Wohnung groß genug für eine Tierhaltung, die von der Hausverwaltung ausdrücklich erlaubt wurde. Letztendlich sei die Frau körperlich zur Haltung eines Hundes in der Lage. Nach Ansicht des LSG sollten mit dem Hund vorrangig auch keine depressiven Episoden vermieden werden; primär sollte er vielmehr als Ausgleich für den Verlust des eigenen Sehvermögens dienen.

(LSG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 02.10.2013, Az.: L 5 KR 99/13)

Zur Anschaffung eines Blindenführhundes

Man muss bei seiner Krankenkasse einen Antrag auf Versorgung mit einem Blindenhund stellen. Ferner darf die Sehschärfe nicht mehr als 5 Prozent betragen und man muss körperlich fit sein. Schließlich muss man sich um das Tier kümmern können, also z. B. mit ihm „Gassi gehen“, mit ihm spielen und es füttern. Auch muss ausreichend Wohnraum zur Verfügung stehen und man sollte die Anschaffung des Tieres mit dem Vermieter abklären. Nach der Ausbildung des Hundes bei einer Blindenführhundschule, die bis zu neun Monate dauern kann, besuchen er und sein zukünftiges Herrchen einen sog. Einweisungslehrgang, der mit der Gespannprüfung abgeschlossen wird. Hier gewöhnen sich Mensch und Tier aneinander und lernen den Umgang miteinander. Erst nach erfolgreichem Abschluss der Prüfung darf der/die Blinde das Tier mit nach Hause nehmen. Die Kosten hierfür, für den Lehrgang, die Ausstattung mit z. B. dem Führgeschirr, die Impfungen oder auch für den Unterhalt werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Ferner sollte man stets den Blindenführhundausweis mit sich führen, der aber nur in Verbindung mit dem Schwerbehindertenausweis gültig ist.

(VOI)

Fazit: Soll mit einem Hund primär der Verlust des eigenen Sehvermögens ausgeglichen werden, dürfen Blinde neben dem Blindenstock auch einen Blindenhund verlangen.

Foto : ©Fotolia.com/Boris Djuranovic


Tipp der Juristischen Redaktion von anwalt.de

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