Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

EU: Neuer Europäischer Berufsausweis (European Professional Card – EPC)

(1)

Die Europäische Union hat den Europäischen Berufsausweis (European Professional Card – EPC) zu Beginn des Jahres 2016 eingeführt. Dabei handelt es sich nicht um einen physischen Ausweis oder eine Chipkarte, sondern um einen elektronischen Nachweis zur Anerkennung der in einem EU-Mitgliedstaat erworbenen Berufsqualifikation in den anderen EU-Mitgliedstaaten. Die gesetzliche Grundlage des EPC-Verfahrens ist die Richtlinie 2013/55/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. November 2013 zur Änderung der Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen. Die EU-Mitgliedstaaten hatten bis zum 8. Januar 2016 Zeit, die Regelung umzusetzen.

Berufe

Derzeit kann man das EPC-Verfahren in Deutschland nur für folgende Berufe nutzen:

  • Gesundheits- und Krankenpfleger/in
  • Apotheker/in
  • Physiotherapeut/in

Das EPC-Verfahren kann genutzt werden, wenn jemand seinen Beruf vorübergehend und gelegentlich in einem anderen EU-Mitgliedstaat ausüben oder sich in einem anderen EU-Mitgliedstaat niederlassen und dort seinen Beruf dauerhaft ausüben möchte.

Fachkräfte mit einem anderen Beruf müssen für die Anerkennung ihrer ausländischen Berufsqualifikation nach wie vor Standardverfahren (förmliche Anerkennung der ausländischen Berufsqualifikation im Gastland, Prüfung durch die Behörden des Gastlandes, etc.) anwenden. Das EPC-Verfahren wird in Zukunft möglicherweise auf andere Berufe ausgeweitet werden.

Charakter des Europäischen Berufsausweises

Der Europäische Berufsausweis ersetzt nicht das Verfahren zur Genehmigung der Berufsausübung. Nach der Genehmigung des EPC-Antrags kann der Antragsteller ein EPC-Zertifikat im PDF-Format erstellen.

Vorteile des Europäischen Berufsausweises

Die Behörden des Herkunftslandes überprüfen die Richtigkeit und Vollständigkeit des Antrags sowie die Echtheit und Gültigkeit der beigefügten Unterlagen.

Bei zukünftigen Anträgen auf die dauerhafte Niederlassung oder zeitweilige Erbringung von Dienstleistungen in einem anderen EU-Mitgliedstaat sind die Angaben und Unterlagen des Antragstellers bereits im System vorhanden. Diese müssen nicht noch mal hochgeladen werden.

Wenn die für den Antrag zuständigen Behörden keine endgültige Entscheidung innerhalb der vorgegebenen Frist treffen, erfolgt die Anerkennung automatisch und der Antragsteller kann das EPC-Zertifikat erstellen.

Lehnen die für den Antrag zuständigen Behörden den Antrag ab, müssen sie dies begründen und den Antragsteller über seine Beschwerdemöglichkeiten informieren.

Die Arbeitgeber, Berufsverbände oder andere betroffene Parteien können die Gültigkeit eines EPC anhand seiner Bezugsnummer und der persönlichen Identifikationsdaten des Besitzers (Personalausweis- oder Reisepassnummer, die bei der Einrichtung des Antrags angegeben wurde) online überprüfen.

Gültigkeitsdauer des EPC

Der Berufsausweis ist gültig

  • unbefristet bei dauerhafter Niederlassung,
  • 18 Monate in den meisten Fällen der vorübergehenden Dienstleistungserbringung in einem anderen EU-Mitgliedstaat, bzw. 12 Monate für Berufe mit Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit der Sicherheit.

Antragstellung

Der Antragsteller muss sich zunächst beim Authentifizierungsdienst der Europäischen Kommission (European Commission Authentication Service – ECAS) anmelden. Gegebenenfalls muss man zunächst einen Benutzernamen und ein Passwort wählen. Die Erstellung eines EPC-Profils mit den Angaben zur Person und den Kontaktdaten dauert einige Minuten. Dann kann man einen Antrag erstellen, die gescannten Kopien der erforderlichen Dokumente hochladen und an die Behörde des Herkunftslandes schicken. In dem Profil kann der Antragsteller seine Kontaktdaten wie E-Mail-Adresse, Rufnummer usw. jederzeit aktualisieren. Nach dem Abschicken des ersten Antrags können die Angaben zur Person (Personalausweis- oder Passnummer, Nachname oder Staatsangehörigkeit, wie sie in dem Berufsausweis stehen werden) nicht mehr von dem Antragsteller selbst geändert werden. Eine Aktualisierung kann nur die Behörde vornehmen, die die Akte bearbeitet.

Vorwarnmechanismus

Zusätzlich zum Europäischen Berufsausweis wird ein Vorwarnmechanismus zwischen den zuständigen europäischen Behörden eingerichtet. Er verpflichtet die zuständigen Behörden eines EU-Mitgliedstaats dazu, die zuständigen Behörden aller anderen EU-Mitgliedstaaten über solche Angehörige von Gesundheitsberufen zu unterrichten, denen die Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeiten von Behörden oder Gerichten untersagt oder beschränkt worden ist. Darüber hinaus greift der Vorwarnmechanismus auch, wenn gefälschte Berufsqualifikationsnachweise verwendet wurden.


Rechtstipp vom 20.07.2018
aus der Themenwelt Arbeitsverhältnis und den Rechtsgebieten Arbeitsrecht, Internationales Wirtschaftsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.