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Festzins der Captura GmbH: Rendite und Sicherheit?

15.05.2015: Aus den Reihen unserer Mandantschaft erreichen uns Nachfragen bezüglich einer einschätzenden Bewertung der Offerten der in Grasbrunn bei München ansässigen Captura GmbH. Hier bieten die beiden Geschäftsführer Christoph und Marcus Scheffold sowohl auf sechs und zwölf Monate befristete sowie aber auch unbefristete sogenannte Nachrangdarlehen mit Festverzinsung an. Die Zinssätze sollen bei 7,35 % beziehungsweise 7,95 % p.a. respektive 7,95 % bis 9,15 % jährlich liegen. Die zugehörige unternehmenseigene Webseite macht einen ausgesprochen seriösen Eindruck, mannigfaltig sind insbesondere die Stichworte „Rendite“ und „Sicherheit“ zu finden. 

Was ist von diesem Angebot zu halten? Ein Blick ins sprichwörtlich Kleingedruckte der auf der Webseite verfügbaren Exposés weitet den Blick auf eine Reihe im Wortsinne bedenklicher Details, jedenfalls für den von der Captura GmbH umworbenen Kleinanleger beziehungsweise Darlehensgeber. Hierzu im Folgenden in Kurzform einige Anmerkungen.

Da ist zunächst die Beschreibung der Geschäftstätigkeit, die der geneigte Investor mit seiner Unterschrift unter den Kreditvertrag dem Unternehmen gestattet. Unter Artikel IV wird in der Zusammenfassung als erster Punkt aufgelistet: „Beteiligungen an Unternehmen jeglicher Art“. Als weitere mögliche Geschäftsfelder folgen u.a. Unternehmensberatung, Vermittlungen sowie die Errichtung von Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften. Ein weites Tätigkeitsspektrum fürwahr, und ausdrücklich „im In- und Ausland“. Abschließend zusammengefasst: „Die Gesellschaft ist zu allen Handlungen berechtigt, die geeignet erscheinen, den Gesellschaftszweck unmittelbar oder mittelbar zu fördern“.

Die Beschäftigung mit dem Immobiliensektor im weitesten Sinne hingegen erscheint erst gegen Ende der Auflistung der Exposés. Dies kontrastiert seltsam mit den offensichtlichen Bemühungen auf den Hauptseiten der Internetpräsenz, den Unternehmensschwerpunkt auf den Handel beziehungsweise Erwerb, Renovierung und Bau von Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen zu legen, und zwar in Deutschland. Die dortig formulierte Aussage („… haben wir uns nunmehr in erster Linie auf ausgesprochen stabile Werte besonnen“) trifft darüber hinaus auf die Feststellung zu, „flächendeckend in der gesamten Bundesrepublik“ tätig zu sein. Auch das Werbevideo behauptet: „Es wird ausschließlich in reale Werte innerhalb Deutschlands investiert“.

Ein weiterer interessanter Punkt, den sich potentielle Darlehensgeber in Ruhe durch den Kopf gehen lassen sollten: Unter dem weiter unten aufgeführten weiteren Stichwort „Zahlungsvorbehalt/qualifizierter Rangrücktritt“ ist vermerkt: „Die Zahlung von Zinsen und die Rückzahlung des Darlehens sind soweit und solange ausgeschlossen, wie diese Zahlungen bei der Emittentin einen Insolvenzeröffnungsgrund (Überschuldung und/oder drohende Zahlungsunfähigkeit) herbeiführen würden“. Selbst ein in Finanzfragen weniger gut bewanderter Anleger wird hierin wohl kaum eine Klausel zu seinen Gunsten erkennen können.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Die Darlehensgeber der Captura GmbH sind auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass die Gesellschaft sowie ihre Unternehmenstöchter erfolgreich mit den ihnen zur Verfügung gestellten Geldern wirtschaften. Falls dies nicht der Fall sein sollte, Verluste auflaufen oder gar das angesammelte Kapital – aus welchen Gründen auch immer – gänzlich in den Sand gesetzt sein sollte, haben die Investoren bereits unterschrieben, bei der Verteilung der eventuell noch vorhandenen Vermögenswerte sich ganz hinten in der Schlange der Gläubiger anzustellen – was sich üblicherweise erübrigen dürfte. Daran ändert auch die Zwischenschaltung einer unabhängigen Rechtsanwaltskanzlei als Zahlstelle und Treuhänder nichts. Es handelt sich kurzum um ein dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt zuzuordnendes Kapitalanlageangebot mit dem nicht zu unterschätzenden – und überdies durch die Darlehensgeber nicht zu kontrollierenden – Risiko eines Totalverlusts.

Die auf Wirtschafts-, Kapitalmarkt- und Bankenrecht spezialisierte Kanzlei Adwus Rechtsanwälte in Kooperation mit Prof. Dr. jur. habil. Jürgen Rath ist regelhaft mit hunderten von laufenden Verfahren auf diesen Gebieten beschäftigt und hat sich hier über die Jahre hinweg eine außerordentliche Expertise erworben. Insbesondere auch hinsichtlich der effektiven Geltendmachung und Durchsetzung bestehender Forderungen beziehungsweise Schadensersatzansprüchen kommt uns die über viele Jahre hinweg erworbene Erfahrung zugute. Für weitere Fragen respektive eine unverbindliche kurze telefonische Bestandsaufnahme stehen wir gerne zur Verfügung, Ansprechpartner innerhalb der Kanzlei ist Rechtsanwalt Wolfgang Wittmann.

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            Rechtsanwalt Wolfgang Wittmann (ADWUS Rechtsanwälte) Rechtsanwalt Wolfgang Wittmann

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