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Fitness – Recht sportlich

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Fitness – Recht sportlich
Sport zu treiben im Fitnessstudio zählt für viele zu den guten Vorsätzen im neuen Jahr.
  • Die Gründe, warum Menschen im Fitnessstudio sportlich aktiv werden, sind vielseitig: Spaß an der Bewegung, Förderung der Gesundheit oder das Umsetzen von guten Vorsätzen zum Jahresbeginn.
  • Der Fitnessstudiobetreiber ist grundsätzlich dazu verpflichtet, die Sportgeräte zu überprüfen, zu warten bzw. auszutauschen.
  • Kommt es zu einem Unfall und der Betreiber hat seine Sorgfaltspflicht verletzt, haftet er auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.
  • Die Mitgliedschaft in einem Sportstudio kann entweder mit regulärer Frist oder ausnahmsweise auch vorzeitig beendet werden. Der Fitnessstudiovertrag kann beispielsweise im Falle einer chronischen Erkrankung oder Schwangerschaft außerordentlich gekündigt werden.

Wissenswertes zum Fitnessstudiovertrag

Bei einem Fitnessstudiovertrag handelt es sich um einen sogenannten gemischten Vertrag. Das bedeutet, er enthält sowohl Elemente des Mietrechts – wie beispielsweise bezüglich der Raum- und Gerätenutzung – als auch dienstvertragliche Elemente – zum Beispiel hinsichtlich Training und Kursen sowie Trainingsplanerstellung. 

Der Vertrag mit dem Sportstudio begründet ein Dauerschuldverhältnis, das nur durch Kündigung oder Fristablauf beendet werden kann. Der Kunde zahlt regelmäßig in bestimmten zeitlichen Abständen – monatlich oder jährlich – Beiträge. Der Studiobetreiber stellt als Gegenleistung Räumlichkeiten und Geräte zur Verfügung und bietet darüber hinaus verschiedene Kurse an. 

Ob und in welchem Umfang der Kunde die Leistungen in Anspruch nimmt, bleibt ihm selbst überlassen. Die monatlichen bzw. jährlichen Beiträge an das Studio muss er stets bezahlen, auch wenn er die Leistungen nicht in Anspruch nimmt.

Wann kann ein Fitnessstudiovertrag widerrufen werden?

Viele Fitnessstudios werben neue Mitglieder mit Gratisgutscheinen und einem Probetraining. Bevor man den Vertrag unterschreibt, sollte das jeweilige Studio genau unter die Lupe genommen werden. Ein Widerrufsrecht ist in der Regel in diesen Fällen nämlich nicht vereinbart, da ein Probetraining vorrangig der Neukundengewinnung dient. Wer anschließend den Vertrag abschließt, kann sich daher nicht darauf berufen, er sei überrumpelt worden. 

Grundsätzlich gilt: Der Widerruf eines Fitnessstudiovertrags innerhalb von 14 Tagen ist nur möglich, wenn er telefonisch, online, per Fax, auf offener Straße, auf speziellen Werbeveranstaltungen, in der Fußgängerzone, an der Haustür oder am Arbeitsplatz geschlossen wurde.

Kündigung des Sportstudiovertrags – was ist zu beachten?

Die Mitgliedschaft im Sportstudio kann auf zweierlei Arten beendet werden. Der Vertrag kann entweder fristgemäß innerhalb der Vertragslaufzeit oder außerordentlich, das heißt vorzeitig, gekündigt werden. Generell ergibt sich die Frist für eine ordentliche Kündigung aus den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Vertrags – sie beträgt in der Regel zwischen vier Wochen und drei Monaten zum Laufzeitende.

Für die außerordentliche Kündigung muss gemäß § 314 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ein wichtiger Grund vorliegen, wie beispielsweise:

a) Chronische bzw. langanhaltende Krankheit 

Längerfristige bzw. chronische Erkrankungen oder schwerwiegende Verletzungen können eine außerordentliche Kündigung des Vertrags rechtfertigen – beispielsweise, wenn das Mitglied über einen längeren Zeitraum bzw. nie mehr Sport treiben kann. 

In solch einem Fall darf der Sportstudiobetreiber ein ärztliches Attest verlangen. Der behandelnde Arzt sollte die Sportunfähigkeit bescheinigen sowie die voraussichtliche Dauer des Ausfalls benennen. 

Eine Krankheit muss jedoch nicht immer als Grund für die Kündigung des Sportstudiovertrags akzeptiert werden. Führt das ärztliche Attest gesundheitliche Gründe auf, ist dies zwar zunächst ausreichend. Der Kunde muss seine Erkrankung dennoch explizit nachweisen können, wenn es zu einem Gerichtsprozess kommen sollte (AG Frankfurt am Main, Urteil vom 25.09.2019, Az.: 31 C 2619/19).

b) Umzug

Ein Umzug kann ebenfalls eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen. Allerdings sind die Umstände des Einzelfalls entscheidend. Bei manchen Fitnessstudioketten kann es dem Mitglied durchaus zumutbar sein, in einer anderen Stadt auf ein Studio derselben Sportkette auszuweichen. Die Entfernung des Studios spielt folglich bei der Beurteilung eine wichtige Rolle, ob das Mitglied aufgrund seines Wohnortwechsels zur außerordentlichen Kündigung berechtigt ist.

Zieht das Fitnessstudio um und befindet sich der neue Standort in einem schwer erreichbaren Stadtteil bzw. Gebiet, kann die Möglichkeit einer außerordentlichen Vertragskündigung bestehen.

c) Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft kann ebenfalls ein ausreichender Grund für das vorzeitige Kündigen des Fitnessstudiovertrags sein.

d) Erhöhung der Preise

Die jeweiligen Preise und mögliche Preiserhöhungen sind in der Regel in den allgemeinen Geschäftsbedingungen des Fitnessstudiovertrags festgelegt. Enthalten die AGB jedoch keine entsprechende Klausel bezüglich Preiserhöhungen oder verstoßen sie gegen das einschlägige AGB-Recht, steht dem Mitglied ein Sonderkündigungsrecht zu.

Wie ist die Haftung bei Fitnessunfällen geregelt?

Beim Trainieren im Fitnessstudio ist nicht nur mit sportlichen Erfolgen, sondern auch mit Sportunfällen zu rechnen. Die Betreiber von Fitnessstudios sind dazu verpflichtet, alle Geräte zu überprüfen, zu warten und gegebenenfalls auch auszutauschen, um Unfallgefahren vorzubeugen. Des Weiteren müssen sie ihre Kunden über Risiken und gesundheitliche Schäden im Vorfeld aufklären.

Der Sporttreibende darf sich im Gegenzug darauf verlassen, dass sich alle Studiogeräte in einem ordnungsgemäßen Zustand befinden. Verletzt der Studiobetreiber seine Sorgfaltspflicht bei den Geräten bzw. es findet keine oder eine mangelhafte Beratung vor dem Training statt und es passiert dadurch ein Unfall, haftet er auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Wurde der Kunde jedoch vorab ausreichend in die Benutzung der Sportgeräte eingewiesen, haftet das Fitnessstudio nicht, wenn es zu einem Unfall kommt.


(WEL/KKA)

Foto : ©Shutterstock.com/Minerva Studio

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