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Flexi-Rente 3

Rechtstipp vom 26.01.2018
Rechtstipp vom 26.01.2018

3. Zahlungen zum Ausgleich von Rentenabschlägen

Ein Ziel der Flexi-Rente ist es, früher und flexibler als bisher Rentenabschläge auszugleichen, indem der Versicherte zusätzliche Beiträge in die Rentenversicherung einzahlt. Der Rückkauf von Rentenabschlägen – so nennt die Rentenversicherung den Ausgleich durch Nachzahlungen von Rentenabschlägen, die durch die vorzeitige Inanspruchnahme einer Altersrente eintreten können, – ist seit dem 1. Juli letzten Jahres bereits ab Vollendung des 50. Lebensjahres möglich, damit fünf Jahre früher als bisher. Außerdem kann der Ausgleichsbetrag flexibel über Jahres- und Halbjahresraten gestreckt werden.

Wer Ausgleichszahlungen leisten will, muss zwei Voraussetzungen erfüllen; denn nicht jeder Versicherte kann Rentenabschläge zurückkaufen. Bei Antragstellung muss der Pflichtversicherte oder freiwillig Versicherte das 50. Lebensjahr vollendet haben. Außerdem muss bis zum geplanten Beginn der vorzeitigen Altersrente die 35-jährige Wartezeit erfüllt werden können.

Wer zum Beispiel mit dem 63. Lebensjahr als langjährig Versicherter oder schwerbehinderter Mensch in Rente gehen will, muss bis zu diesem Zeitpunkt die gesetzlich vorgeschriebenen 35 Versichertenjahre erfüllen. Dazu zählen alle rentenrechtlich relevanten Zeiten, wie Beitragszeiten, Kindererziehungszeiten (Zeiten der Erziehung eines Kindes in dessen ersten drei Lebensjahren, § 56 Abs. 1 Satz 1 SGB VI), Berücksichtigungszeiten (in Zeiten der Erziehung eines Kindes bis zu dessen vollendeten zehnten Lebensjahr, so unweit bei dem Elternteil auch die Voraussetzungen für die Anrechnung einer Kindererziehungszeit vorliegen, § 57 SGB VI), Anrechnungszeiten im Sinne des § 58 SGB VI (insbesondere Zeiten wegen einer arbeitsunfähigen Erkrankung, Schwangerschaft oder Mutterschaft während der Schutzfristen nach dem Mutterschutzgesetz, Arbeitslosigkeit oder Zeiten einer schulischen Ausbildung nach dem vollendeten 17. Lebensjahr) und Ersatzzeiten (Militärdienst oder militärähnlicher Dienst, § 250 SGB VI).

Liegen diese beiden persönlichen Voraussetzungen für einen Rückkauf von Abschlägen bei einer vorzeitigen Altersrente vor, muss der Versicherte eine besondere Rentenauskunft von der deutschen Rentenversicherung anfordern und das im Internet verfügbare Formular V0210 „Antrag auf Auskunft über die Höhe der Beitragszahlung zum Ausgleich einer Rentenminderung bei vorzeitiger Inanspruchnahme einer Rente wegen Alters“ ausfüllen. Sofern der Versicherte und Antragsteller die Wartezeit von 35 Jahren für die beabsichtigte Vollrente erfüllt, erhält er von der deutschen Rentenversicherung dann eine Berechnung des Ausgleichsbetrages. Erst nach Erhalt dieser Berechnung entscheidet er, ob er den Ausgleichsbetrag zahlt oder nicht. Er geht mit dieser bürokratisch anmutenden Methode überhaupt kein Risiko ein. Erst mit Zahlung des Ausgleichsbetrags hat er seine endgültige Entscheidung getroffen. Das gesamte Verfahren ist gebührenfrei.

Der Antrag auf Zahlung eines Betrages zur Kompensation von Abschlägen bei einer vorzeitigen Altersrente wird immer dann akzeptiert, wenn der Versicherte zwar die für eine Frührente erforderliche 35-jährige Wartezeit mit rentenrechtlichen Zeiten erreichen kann, aber nicht auf die für eine abschlagfreie Rente mit 63 Jahren erforderlichen 45 Jahren kommen wird. Gerade bei Akademikern werden die 45 Versichertenjahre oft nicht erreicht, da sie durch das Studium so viel Zeit verlieren, dass sie oft nur noch weniger als 45 (Zeit-)Jahre bis zum Regelrenteneintrittsalter haben.

Die ermittelte Ausgleichszahlung wird auf das Rentenkonto des Versicherten eingezahlt. Sie wird bei der DRV mit rund 3 % aktuell verzinst.

Die Einzahlung ist als Vorsorgeaufwand bis zur Höhe von 23.363 € steuerlich absetzbar; bei Ehepaaren steigt der Betrag bis zum Doppelten auf 46.726 €. Diese Absetzbarkeit reduziert die Steuerzahlung auf eine Abfindung entsprechend.

Wer mit 63 Jahren die Rente noch nicht in Anspruch nimmt bzw. ggf. als Teilrente, verzinst sich der Betrag ab dem 63. Lebensjahr bis zur Inanspruchnahme mit ca. 6,5 %.

Risiko bei diesem Modell:

Wenn man frühzeitig verstirbt, geht das Geld nicht an die persönlichen Erben.


Rechtstipps aus den Rechtsgebieten Sozialrecht, Sozialversicherungsrecht

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