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Flugannullierung von A – Z

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Flugannullierung

Wem ist das noch nicht passiert, voller Freude auf Ihren Urlaub kommen Sie am Flughafen an. Sie haben extra Flüge verglichen und den für Sie am besten passenden Flug rausgesucht und gebucht. Natürlich hat das Zeit gekostet, aber das war es wert. Nun stehen Sie im Flughafen vor der riesigen Anzeigetafel und sehen auf einmal, Ihr Flug ist annulliert, also gestrichen worden. Wir zeigen Ihnen, welche Rechte Ihnen dabei zustehen, wieviel Geld Sie als Fluggastentschädigung erhalten können und wie Sie ihre Recht am besten durchsetzen können.

Was ist eine Flugannullierung?

Von einer Flugannullierung spricht man im Rahmen der EG-Verordnung 261/2004, wenn ein geplanter Flug nicht durchgeführt wird, für den zumindest ein Platz reserviert war. Das bedeutet, immer wenn Sie einen Flug gebucht haben und dieser ausfällt, liegt eine Annullierung vor. Dabei wurde auch als Annullierung anerkannt, wenn der Flug zwar pünktlich startet, jedoch wegen technischer Probleme wieder umkehren und landen muss (EuGH, Urt. v. 13.10.2011, Az.: C-83/10). Auch eine außerplanmäßige Landung kann eine Annullierung darstellen, da man sein Endziel nicht erreicht AG Rüsselheim (Urt. v. 25.07.12, Az.: 3 C 1132/12). Im Einzelfall sollten Sie einen Anwalt mit der Prüfung beauftragen, wir helfen Ihnen gerne bundesweit weiter.

Wann habe ich einen Anspruch?

Grundsätzlich haben Sie einen Anspruch, sobald eine Flugannullierung vorliegt. Liegt eine Annullierung vor, können Ihnen gemäß Art. 5 I c der EG-Verordnung 261/2004 Ausgleichsleistungen, Unterstützungs- und Betreuungsleistungen, als auch der Ersatz weiterer Schäden wegen der Nichterfüllung des Luftbeförderungsvertrages zustehen.

Gegen wen habe ich einen Anspruch?

Der Anspruch richtet sich gegen den Luftfahrunternehmer, das ist meistens die Fluggesellschaft, mit der Sie geflogen sind. Gelegentlich kommt es vor, dass der vertragliche Luftfahrunternehmer nicht der ausführende Luftfahrunternehmer ist, dann müssen Sie sich an den vertraglichen halten.

Kann mein Anspruch ausgeschlossen sein?

Die Fluggesellschaft ist zur Zahlung der Ausgleichszahlung nicht verpflichtet, sollten ausnahmsweise außergewöhnliche Umstände vorliegen. Eine Auflistung der außergewöhnlichen Umstände finde Sie unter den Beitrag Flugverspätung von A – Z.

Kein Anspruch auf Entschädigung wegen einer Flugannullierung gemäß Art. 5 c der Flugverordnung 261/2004 besteht, wenn die Fluggesellschaft Sie frühzeitig über den ausfallenden Flug informiert und eine zumutbare anderweitige Beförderung angeboten wird (BGH, Urt. v. 25.03.10, Xa ZR 96/09).

Falls die Fluggesellschaft Sie mindestens 2 Wochen vor der planmäßigen Abflugzeit über den Ausfall informiert hat, stehen Ihnen keine Ausgleichszahlungen gemäß Art. 7 der Fluggastrechteverordnung zu.

Wenn die Fluggesellschaft Sie eine Woche vor der planmäßigen Abflugzeit über den Flugausfall in Kenntnis gesetzt hat und Ihnen eine anderweitige Beförderung angeboten hat, die nicht später als zwei Stunden von der planmäßigen Abflugzeit und nicht später als vier Stunden von der planmäßigen Ankunftszeit abweicht, entfällt der Anspruch auf die Ausgleichszahlung ebenfalls.

Sollte die Fluggesellschaft Sie weniger als 7 Stunden vor der planmäßigen Abflugzeit über die Annullierung informieren, muss Ihnen eine alternative Beförderung angeboten werden, die nicht mehr als eine Stunde von der planmäßigen Abflugzeit abweicht und mit der Sie Ihr Ziel mit keiner höheren Verspätung als zwei Stunden erreichen. Auch dann kann Ihr Anspruch entfallen.

Die Fluggesellschaft muss dabei beweisen, dass Ihnen die Information über die Flugverspätung zugegangen ist, dies stellt sich im Einzelfall als Schwierig dar. Sie sollten in einem solchen Fall einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen um prüfen zu lassen, ob sich noch weitere Ansprüche realisieren lassen. Dabei unterstützen wir Sie bundesweit.

Wie hoch ist mein Anspruch?

Ihnen können gemäß Art. 5 I c der EG-Verordnung 261/2004 Ausgleichsleistungen, Unterstützungs- und Betreuungsleistungen, als auch der Ersatz weiterer Schäden wegen der Nichterfüllung des Luftbeförderungsvertrages durch eine Annullierung zustehen. Dazu im einzelnen:

1) Ausgleichszahlungen:

Die sogenannten Ausgleichszahlungen sind deckungsgleich mit den Zahlungen für die Flugverspätungen. Hierbei gelten die gleichen Höhen gemäß Art. 7 der Fluggastrechtverordnung:

Flugverspätung

Flugdistanz

Höhe der Ausgleichszahlung

Mindestens 3 Std.

Bis 1500 km

250€ pro Fluggast

Mindestens 3 Std.

Ab 1500 km – 3500 km

400€ pro Fluggast

Mindestens 4 Std.

Ab 3500 km

600€ pro Fluggast

Dieser Anspruch gilt unabhängig davon, wer die Reise gebucht hat, also für jeden Fluggast einzeln. Auch Kindern und Babys unter 2 Jahren steht ein eigener Anspruch zu, solange für Sie der Flug eigens mitgebucht wurde (AG Düsseldorf, Urteil vom 30. Juni 2011, Aktenzeichen: 40 C 1745/11).

Beispiel: Wenn Familie Brechter, bestehend aus den Eltern Anne-Marie und Markus Brechter, mit Ihren 3 Kindern Lukas (11J), Marie (8J) und Mark (1J), von dem Flughafen Köln/Bonn nach Kreta fliegen möchten und der Flug am Abflugtag zwei Stunden vor der geplanten Abflugzeit annulliert wird, haben die Brechters einen Anspruch auf 2000€. Denn es liegt eine Flugdistanz von 2.260km vor, sodass jedem einzelnen Fluggast eine Entschädigung von 400€ zusteht.

Sollte der Familie ein anderer Flug angeboten worden sein, durch den Sie 3 Stunden später als geplant in Kreta landen, steht Ihnen gleichfalls der Anspruch in Höhe von 2000€ zu.

2) Unterstützungs- und Betreuungsleistungen

Neben der Ausgleichszahlung stehen Ihnen zusätzlich Unterstützungs- und Betreuungsleistungen i.S.d Art. 8 und 9 der EG-Verordnung 261/2004 zu.

Von Unterstützungsleistungen spricht man, wenn Sie bereits am Flughafen eingetroffen sind und erst vor Ort von der Annullierung Ihres Fluges erfahren haben. Hier können Sie wählen, ob Sie entweder die Flugkosten erstattet bekommen möchten oder eine anderweitige Beförderung zu Ihrem Zielort wünschen. Sollte die angebotene weitere Beförderung auch annulliert werden, steht Ihnen ein weiterer Anspruch auf Ausgleichszahlung zu.

Betreuungsleistungen beinhalten Mahlzeiten und Erfrischungen. Diese müssen Ihnen bereitgestellt werden, und zwar in einem angemessenen Verhältnis zur Wartezeit. Sollte Ihre anderweitige Beförderung erst am nächsten Tag möglich sein, so muss Ihnen sowohl die Kosten für die Übernachtung als auch der Transfer zum Hotel und zum Flughafen zurück ersetzt werden. Diese Leistungen stehen Ihnen unabhängig des Grundes für die Annullierung des Fluges zu, also auch bei außergewöhnlichen Umständen. Hierbei gilt folgende Tabelle:

Ab 2 Std. Wartezeit

Flüge bis 1500 km

Kostenlose Getränke, Essen, ggf. Telefonate oder Emails

Ab 3 Std. Wartezeit

Flüge von 1500km bis

3500 km

Kostenlose Getränke, Essen, ggf. Telefonate oder Emails

Ab 4 Std. Wartezeit

Flüge ab 3.500 km

Kostenlose Getränke, Essen, ggf. Telefonate oder Emails

Ab 5 Std. Wartezeit

Bei allen Flügen

Erstattung der Flugkosten oder alternative Beföderung

Abflug am nächsten Tag

Bei allen Flügen

Übernachtung im Hotel und Erstattung des Transfers

3) Weitergehender Schadensersatz

Ein weiterer Entschädigungsanspruch ist gemäß Art. 12 der Fluggastrechtsverordnung möglich, dies richtet sich nach nationalem Recht. Ist der Flug Teil einer Pauschalreise, so kann Ihnen ein Anspruch auf Schadensersatz gegenüber dem Reiseveranstalter wegen entgangener Urlaubsfreude zustehen. Auch wenn Sie dadurch einen wichtigen Termin verpasst haben, ist ein Schadensersatz durchsetzbar.

Wie setze ich mein Recht durch?

a) Zunächst können Sie probieren, Ihr gutes Recht selbst in die Hand zu nehmen. Dafür müssen Sie die Fluggesellschaft zur Zahlung der Flugentschädigung auffordern und dabei eine Frist setzen. Eine Mustervorlage finden Sie auf unserer Website. Diese müssen Sie für jeden Fluggast einzeln wie folgt ausfüllen:

1) Tragen Sie Ihren Namen und Ihre Adresse ein

2) Geben Sie Ihre Flugnummer, den Start- und Landeflughafen

3) Nennen Sie den Zeitpunkt der Kenntnis von der Annullierung

4) Setzen Sie eine Frist von 14 Tagen ab Versanddatum.

5) Geben Sie Ihre Kontodaten an

6) Versenden Sie die Zahlungsaufforderung am besten per Mail, Fax oder per Einschreiben.

Meistens jedoch probieren die Fluggesellschaften billiger wegzukommen und bieten Ihnen Vouchers, Gutscheine oder verminderte Beträge an, damit Sie Ihren Anspruch nicht geltend machen. Unser Tipp an Sie, lassen Sie sich nicht mit weniger als Ihnen zusteht abspeisen. Wenn die Fluggesellschaft Ihnen eine Zahlung anbietet, ist dies meist ein Hinweis, dass Ihr Anspruch in vollem Umfang besteht, geben Sie sich nicht mit weniger zufrieden.

b) Eine andere Option ist es, Firmen zu beauftragen, die sich auf die Fluggesellschaft spezialisiert haben. Der Haken dabei ist, bei einschlägigen Portalen wie z. B. Flightright, zahlen Sie eine Provision zwischen 20 - 35 % des gesamten Betrages plus 19 % Mehrwertsteuer. Da bleibt am Ende nicht mehr viel übrig, denn auch das Portal möchte an Ihnen verdienen, und dies nicht zu knapp. Im oben genannten Beispiel würden Ihnen von den 2000€ noch circa 1300€ übrig bleiben, obwohl Sie einen Anspruch auf den kompletten Betrag haben!

c) Die sicherste und kostengünstigste Alternative ist unseres Erachtens nach, zuerst die Fluggesellschaft mit einer Mahnung zur Zahlung aufzufordern. Wenn die Frist abgelaufen ist, ohne dass die Fluggesellschaft Ihre Entschädigung gezahlt hat, können Sie einen Rechtsanwalt zur Geltendmachung des Anspruches beauftragen. Ihnen entstehen bei bestehen des Anspruchs keine Kosten und Sie erhalten den vollen Entschädigungsbetrag ohne Abzüge. Denn wenn Sie die Fluggesellschaft durch die Zahlungsaufforderung in Verzug gesetzt haben, trägt die Fluggesellschaft die Kosten für den Rechtsanwalt, solange Ihnen der Anspruch zusteht. Diesen Anspruch können Sie bundesweit jederzeit von uns prüfen lassen, wir versichern Ihnen absolute Zuverlässigkeit und eine kompetente Beratung, schreiben Sie und einfach an oder nehmen telefonisch Kontakt mit uns auf.


Rechtstipp vom 22.06.2018
aus der Themenwelt Flugausfall und Flugstornierung und den Rechtsgebieten Reiserecht, Zivilrecht

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