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Fortsetzung: Möglichkeiten im Falle einer Kindesentführung (Deutsche und Englische Version)

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Mediation

Eine Entführung kann für das betroffene Kind bzw. die Kinder erhebliche psychische Belastungen zur Folge haben. Auch die Eltern sind häufig überfordert mit der Konfliktsituation und fühlen sich mit ihren Ängsten und Unsicherheiten allein. Das (beschleunigte) HKÜ-Verfahren befasst sich jedoch nur mit der Thematik der Rückführung des Kindes, nicht aber mit den weiteren die Zukunft der Familie betreffenden Fragen, zum Beispiel welche Regelung für das Kind am besten ist. Die Durchführung einer Mediation kann daher für die betroffenen Eltern sehr fruchtbar sein. Dort kann neben der Frage der Rückführung auch eine Lösung für betreffende Fragen verhandelt werden. Außerdem werden Verletzungen und Ängste der Eltern aufgefangen. Studien belegen, dass Eltern, die eine Mediation in Anspruch genommen haben, langfristig konfliktfreier miteinander umgehen. Sie haben ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen, aber auch die des anderen Elternteils klar im Blick und können in dem Bewusstsein leben, gemeinsam und respektvoll die sie und das gemeinsame Kind betreffenden Fragen besprochen und gelöst zu haben, auch wenn es nicht zu einer Mediationsvereinbarung gekommen sein sollte. Mediation ist ein Verfahren, in dem beide Elternteile mit Unterstützung von zwei Mediatoren (meistens Richter) ihre das gemeinsame Kind betreffenden Konflikte selbständig lösen. Die Mediatoren schaffen eine konstruktive Gesprächsatmosphäre und sorgen für einen fairen Umgang der Eltern miteinander. Den Mediatoren stehen dabei keine Entscheidungskompetenzen zu; sie beschränken sich darauf, die Parteien zu unterstützen, eigenständig eine sinnvolle Lösung ihrer Probleme zu erarbeiten. Dabei kann es thematisch neben der Frage des gewöhnlichen Aufenthaltes des Kindes um die Aufrechterhaltung des Kontaktes des Kindes zu beiden Eltern, Umgangsregelungen, Vereinbarungen zur Versorgung des Kindes, zur schulischen Entwicklung, zur bi-kulturellen Erziehung, notwendige Regelungen zur finanziellen Versorgung etc. gehen. Der weltweit arbeitende Verein MiKK ist auf die Vermittlung internationaler Mediationen bei Kindesentführungen spezialisiert und berät Betroffene individuell in ihrer Konfliktsituation.

Strafanzeige

Das HKÜ-Verfahren ist ausschließlich ein zivilrechtliches Verfahren. Jedem Betroffenen steht frei, eine Strafanzeige zu machen. Jedoch könnte dies in dem Rückführungsverfahren nachteilig sein. Es besteht die Gefahr, dass nach etwaiger Rückführung des Kindes der entführende Elternteil noch einer Strafverfolgung ausgesetzt wird und eventuell dadurch sein Umgangsrecht nicht ausüben kann. Weiterhin wird eine gütliche außergerichtliche Einigung im Rahmen einer Mediation nicht ermöglicht. Eine Strafanzeige sollte nur im äußersten Falle gemacht werden, wenn ersichtlich ist, dass der entführende Elternteil sich den Verpflichtungen aus dem Abkommen entzieht und mit dem Kind untertaucht.

Im Falle einer Strafverfolgung werden gegebenenfalls folgende Fahndungsmaßnahmen ergriffen:

Interpol-Rotecke (engl. Red Notice): Hier wird der entführende Elternteil über Interpol zur Fahndung ausgeschrieben. Die Rotecke stellt ein Auslieferungsersuchen dar. Im Rahmen des zivilrechtlichen Rückführungsverfahrens kann aus den oben genannten Gründen der internationale Haftbefehl ausgesetzt werden. Man spricht hier von einer „safe harbour order“. Hiermit wird dem entführenden Elternteil das Besuchs- und Umgangsrecht mit dem Kind nach der Rückkehr in das ersuchende Land ermöglicht.

Interpol-Gelbecke (engl. Yellow Notice): Diese dient zur Lokalisierung und Ingewahrsamnahme des vermissten Kindes. Interpol-Blauecke (engl. Blue Notice): Diese dient dazu, Informationen über eine gesuchte Person einzuholen – in diesem Fall über den entziehenden Elternteil oder über das entzogene Kind. Es beinhaltet keine Ingewahrsamnahme.

Suche nach vermissten Kindern bei unbekanntem Aufenthaltsort

Ein Albtraum für alle Betroffenen ist, wenn der Aufenthaltsort des entführten Kindes unbekannt ist.

Verschiedene Anlaufstellen bieten betroffenen Elternteilen Unterstützung: internationale Suchseiten von vermissten Kindern (zum Beispiel Initiative Vermisste Kinder), Kontaktaufnahme mit dem BKA-Verbindungsmann sowie der Rechtsabteilung der Deutschen Botschaft im Ausland; Staatsanwaltschaft: Ausschreibung des Kindes zur Fahndung (Gelbecke)

Age Progression: Sind seit der Entführung mehrere Jahre vergangen, kann über eine Bildbearbeitungssoftware das Aussehen eines Kindes auf das heutige Alter angepasst werden. Internationale Sozialdienste oder kirchliche Organisationen (beispielsweise Vatikan) können unter Umständen behilflich sein.

Beantragung des alleinigen Sorgerechtes/Aufenthaltsbestimmungsrechtes

Die Beantragung des alleinigen Sorgerechtes oder Aufenthaltsbestimmungsrechtes stärkt die Verhandlungsposition. Im Rahmen dieser Sorgerechtsverfahren, die auch bei Abwesenheit des entführenden Elternteils über eine öffentliche Zustellung geführt werden, erlassen die Familiengerichte auf Antrag einen Herausgabebeschluss.

English version:

Continuation: Possibilities in case of child abduction

mediation

As already shown in part one, kidnapping can result in significant mental stress for the affected child or children. Even the parents are often overwhelmed with the conflict situation and feel alone with their fears and insecurities. However, the (accelerated) HCM procedure deals only with the issue of the return of the child but not with the other questions concerning the future of the family, for example which provision is best for the child. The implementation of a mediation can therefore be very fruitful for the parents concerned. There, in addition to the question of repatriation, a solution for questions in question can be negotiated. In addition, injuries and fears of the parents are caught. Studies show that parents who have used a mediation deal with each other in the long term without conflict. They have their own needs and interests as well as those of the other parent clearly in mind and can live in the awareness that they have shared and discussed the issues that concern them and the child together, even if no mediation agreement has been reached yet. Mediation is a process in which both parents, by the help of two mediators (most of them are judges), independently solve their conflicts affecting the child. The mediators create a constructive atmosphere of conversation and ensure that the parents treat each other fairly. The mediators have no decision-making powers; they limit themselves to assisting the parties in their own efforts to find a meaningful solution to their problems. In addition to the question of the habitual residence of the child, the topic may concern the maintenance of the child's contact with both parents, access regulations, arrangements for the care of the child, school development, bi-cultural education, necessary arrangements for financial support etc. The worldwide working association MiKK specializes in the mediation of international mediations in child abduction and advises those affected individually in their conflict situation.

complaint at criminal law

The HKÜ procedure is exclusively a civil procedure. Everyone affected is free to make a complaint. However, this could be disadvantageous in the recycle process. There is a risk that after any repatriation of the child, the abducting parent is still subject to prosecution and may not be able to exercise his right of access. Furthermore, a friendly out of court settlement in the context of a mediation is not possible anymore. A criminal complaint should only be made in the extreme and worst case if it can be seen that the abducting parent withdraws from the obligations under the agreement and submerges with the child.

In the case of prosecution, the following search actions may be taken:

Interpol „Rotecke“: Here the abducting parent is being searched through Interpol. The „Rotecke“ is a request for extradition. Under the civil law return proceedings, the international arrest warrant may be suspended for the reasons mentioned above. This is called a „safe harbor order“. This allows the abducting parent to visit and interact with the child upon return to the requesting country.

Interpol-“Gelbcke“: This is used to locate and detain the missing child. Interpol Blue Notice: This is used to obtain information about a requested person – in this case, about the withdrawing parent or the withdrawn child. It does not include custody.

Search for missing children in unknown whereabouts

A nightmare for all those affected is when the whereabouts of the kidnapped child is unknown.

Different contact points provide support for affected parents: international search pages of missing children (for example Missing Children initiative), contacting the BKA officer and the legal department of the German Embassy abroad; Public prosecutor: Tender of the child to the search (yellow corner)

Age progression: If several years have passed since the kidnapping has happened, the image of a child can be adapted to today's age via image processing software. International social services or church organizations (such as the Vatican) may be helpful.

Application for sole custody / residence permit

Applying for sole custody or residence rights strengthens the bargaining position. As part of these custody proceedings, which are also in the absence of the abducting parent on a public service, the family courts issue a writ of release upon request.


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