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Fristlose Kündigung bei eigenmächtiger Inanspruchnahme von Urlaub möglich

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Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hat in einer jüngeren Entscheidung (vom 10.07.2018 – 8 Sa 87/18) dargelegt, dass die eigenmächtige Inanspruchnahme von Urlaub ein Kündigungsgrund ist, der an sich sogar eine fristlose Kündigung rechtfertigt.

I. Die Arbeitnehmerin machte „Spontan-Urlaub“ und entschuldigte sich zugleich für die „Überrumpelung“

Die Arbeitnehmerin war als Junior Business Excellence Manager mit Controlling-Tätigkeiten angestellt und absolvierte berufsbegleitend ein Masterstudium „BWL-Management“, das sie am 21.06.2017 erfolgreich abschloss. Im Hinblick auf die Prüfung hatte die Arbeitnehmerin für den Donnerstag und Freitag, den 22. und 23.06.2017 frei bekommen. Am Montag, den 26.06.2017 erschien die Arbeitnehmerin jedoch nicht im Betrieb. Um 12:04 Uhr übersandte sie Ihrem Vorgesetzten eine E-Mail mit dem Betreff „Spontan-Urlaub“. Sie teilte ihm mit, dass sie wegen ihrer bestandenen Prüfung von ihrem Vater überraschenderweise einen Spontanurlaub auf Mallorca geschenkt bekommen habe und in der Freude und Eile keine Möglichkeit gehabt habe, ihre Abwesenheit in den Rechner zu vermerken. Zugleich entschuldigte sie sich für die Überrumpelung. Ihr Vorgesetzter antwortete ihr per E-Mail am gleichen Tag um 17:02 Uhr, dass ihre Anwesenheit aus dringenden betrieblichen Gründen erforderlich sei. Er bot ihr zugleich an, Freitag sowie Montag und Dienstag der nächsten Woche frei zu nehmen. Am Dienstag, den 27.06.2017 um 09:26 Uhr antwortete die Arbeitnehmerin per E-Mail, dass sie sich bereits seit dem Wochenende auf Mallorca befinde und keine Möglichkeit bestünde, ins Büro zu kommen, was sie auch nicht tat.

Mit Schreiben vom 11.07.2017 kündigte der Arbeitgeber fristgerecht das Arbeitsverhältnis zum 31.08.2017.

II. Nach LArbG Düsseldorf liegt hier eigenmächtiges Handeln der Arbeitnehmerin vor

Die gegen die Kündigung eingereichte Klage hatte keinen Erfolg. 

Das Arbeitsgericht vertrat die Auffassung, die Arbeitnehmerin habe eigenmächtig einen nicht genehmigten Urlaub angetreten, sodass die erklärte Kündigung sozial gerechtfertigt gewesen sei. Das Arbeitsgericht war zudem der Überzeugung, dass die Arbeitnehmerin in der Zeit ihrer Abwesenheit im Betrieb gebraucht worden sei, weil sich bereits eine andere Kollegin in einer Fortbildung befunden habe und daher der Vorgesetzte Arbeiten der Arbeitnehmerin mit erledigen musste.

Das Landesarbeitsgericht ging noch einen Schritt weiter und vertrat die Auffassung, dass ein eigenmächtiges Antreten eines nicht genehmigten Urlaubs die fristlose Kündigung rechtfertigen kann. Mit ihrem Verhalten habe die Arbeitnehmerin vorliegend zu erkennen gegeben, dass sie falsche Prioritäten setze und somit habe sie beharrlich gegen arbeitsvertragliche Pflichten verstoßen.

III. Fazit: Urlaub besser nicht eigenmächtig nehmen – Genehmigung vom Arbeitgeber einholen!

Urlaube sollten in jedem Fall besser mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden, sonst kann die fristlose Kündigung drohen!

Rechtsanwalt Michael Kruschinsky berät und vertritt Sie gerne zum Thema fristlose Kündigung.


Rechtstipp vom 11.07.2018
aus der Themenwelt Abmahnung und Kündigung und dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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