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Fünf Tipps für einen besseren Umgang mit Ihrer Krankenversicherung

Rechtstipp vom 04.08.2017
Rechtstipp vom 04.08.2017

Gesetzlich Krankenversicherte haben nach § 27 SGB V Anspruch auf Krankenbehandlung. Das umfasst u. a. die ärztliche Behandlung einschließlich Psychotherapie, zahnärztliche Behandlung, häusliche Krankenpflege, Krankenhausbehandlung sowie Leistungen zur medizinischen Rehabilitation. Bei Privatversicherten folgt dieser Anspruch aus § 192 Abs. 1 VVG und ihrem Vertrag. Trotz dieses klaren Auftrags gibt es dennoch immer wieder Probleme im Umgang mit Krankenkassen. In diesem Beitrag zeigt ihnen Rechtsanwalt Christopher Richter, LL.M.Eur., wie Sie mit Ihrer Krankenkasse richtig umgehen.

1. Bleiben Sie förmlich

Lassen Sie sich von Ihrer Krankenkasse nicht billig am Telefon abspeisen und geben Sie sich nicht mit halbseidenen Schreiben zufrieden, in denen die Krankenkasse nur in Aussicht stellt, Ihr Anliegen weiter zu prüfen. Bestehen Sie vielmehr auf einen klaren Bescheid mit einer richtigen Rechtsbehelfsbelehrung. Nur wenn der VA-Charakter dort erkennbar wird, können Sie Ihre Rechte richtig wahrnehmen. So mancher Krankenkassenmitarbeiter hat auch erst im schriftlichen Abfassen gemerkt, was für einen Stuss er zuvor gegenüber dem Kunden am Telefon verzapft hat.

Tipp vom Anwalt: § 192 VIII VVG gibt Privatversicherten einen Anspruch auf Auskunft, ob die Privatversicherung die Kosten der Krankenbehandlung übernimmt. Bei gesetzlich Versicherten gilt Folgendes: Ein Rehabilitationsträger muss nach zwei Wochen unverzüglich entscheiden, ob er die Kosten übernimmt; im Fall der notwendigen Einholung eines Gutachtens hat er hierfür weitere drei Wochen Zeit.

2. Lassen Sie Widerspruch einlegen

Im Fall einer Ablehnung durch Ihre Krankenkasse sollten Sie sich in der Regel die Leistung nicht einfach selbst beschaffen. Stecken Sie den Kopf aber auch nicht in den Sand: Legen Sie Widerspruch ein und begründen Sie diesen vernünftig! Im Grunde nennt die Krankenversicherung immer die gleichen Ablehnungsgründe: nämlich neben der eigenen angeblichen Unzuständigkeit oft die angeblich fehlende medizinische Notwendigkeit, sie verweist ferner auf den MDK (der entscheidet manchmal entgegen der Aktenlage!) oder es wird argumentiert, dass die gewünschte Heilbehandlung keine – vom Bundesausschuss – anerkannte Heilmethode sei.

Tipp vom Anwalt: Für (fast) all diese angeführten Ablehnungsgründe gibt es anwaltliche Gegenstrategien. Zum Teil hat das Bundesverfassungsgericht in mehreren Urteilen den Krankenversicherungen auch Grenzen gesetzt. Insbesondere bei stationärer Behandlung gibt es mehr Raum für neue Heil- und Behandlungsmethoden. Lassen Sie sich anwaltlich beraten und werden Sie wieder gesund!

3. Strategien beim Wechsel von der privaten zur gesetzlichen Versicherung

Im Alter steigen in der privaten Versicherung die Beiträge oft exorbitant an. Experten meinen daher, der Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung sei nur noch beihilfeberechtigten Beamten zu empfehlen. Die Privatversicherung baut nämlich, anders als die gesetzliche Krankenversicherung, auf dem Äquivalenzprinzip (jeder für sich) statt auf dem Solidaritätsprinzip auf.

Der Weg zurück zur gesetzlichen Krankenversicherung ist hingegen schwierig – insbesondere, wenn Sie bereits das 55. Lebensjahr überschritten haben und mehr als die Jahresarbeitsentgeltgrenze von derzeit 57.600 € verdienen.

Tipp vom Anwalt: Es gibt aber weiter einige Kniffe, damit der Wechsel zurück zur gesetzlichen Krankenversicherung trotzdem klappt. Wenn Ihnen der Wechsel dennoch nicht gelingt, können Sie noch Beiträge sparen. Denn mittlerweile halten auch die Privatkrankenversicherungen einen Basis- beziehungsweise Standardtarif bereit. Hierüber müssen diese Sie auch gem. § 6 Abs. 2 VVGInfoV beraten. Seien sie aber vorsichtig, dass Sie dann nicht deutlich höheren Arztrechnungen ausgesetzt sind. Diese Tarife bedeuten für Sie zudem auch ein Downgrade.

4. Bei hohen Zusatzbeiträgen kündigen

Im Fall der Erhöhung oder der erstmaligen Erhebung von Zusatzbeiträgen haben Sie gegenüber ihrer Krankenversicherung ein Sonderkündigungsrecht. Sie können Ihre Mitgliedschaft in der Krankenkasse also kündigen, selbst wenn Sie dort weniger als 18 Monate versichert waren. Doch auch langjährige Mitglieder einer Krankenkasse sollten bei der Kündigung wegen eines Zusatzbeitrags auf Besonderheiten achten (vgl. § 175 SGB V). Lassen Sie sich zuvor auf jeden Fall anwaltlich beraten.

5. Ruhender Krankenversicherungsanspruch bei Beitragsrückständen

Bei Beitragsrückständen steht Ihnen noch eine Notversorgung zur Verfügung, wenn ihr Anspruch ruht. Zuvor muss die Krankenversicherung Sie jedoch anschreiben und das Ruhen mit einer Frist von mindestens drei Tagen androhen. Ist der Umfang oder Inhalt des Ruhenbescheids zudem nicht hinreichend bestimmt gemäß § 33 SGB X, dann können Sie ihn mit dem Widerspruch erfolgreich anfechten. Ob das der Fall ist, kann Ihnen ein im Sozialrecht erfahrener Anwalt sagen.

Tipp vom Anwalt: Ab Abschluss einer Ratenzahlungsvereinbarung mit Ihrer Krankenversicherung steht Ihnen wieder der volle Anspruch auf Krankenbehandlung zu. Wenn Sie nur wegen der Krankenversicherungsbeiträge hilfebedürftig zu werden drohen, haben Sie zudem u. U. Anspruch auf Unterstützung gegenüber dem Jobcenter oder dem Sozialamt, vgl. § 26 SGB II.

Bei weiteren Fragen können Sie uns eine E-Mail schreiben oder anrufen.

Mehr Infos hier: http://www.anwaltskanzlei-wue.de/rechtsgebiete/sozialrecht/


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Sozialrecht, Sozialversicherungsrecht

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