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Gartenzwerge vor Gericht

Rechtstipp vom 04.11.2013
(60)
Rechtstipp vom 04.11.2013
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Gartenzwerge vor Gericht
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

25 Millionen Gartenzwerge soll es hierzulande geben. In einigen Gärten stehen sie gleich zuhauf. Was deren Besitzer erfreut, ist für andere einfach nur spießig. Für echte Gartenzwerghasser sind die Wichtel noch weit mehr. Symbole der Engstirnigkeit und Dummheit waren sie für eine Wohnungseigentümerin. Zwei Zwerge im Gemeinschaftsgarten der Wohnanlage sollten daher weg. Mehrere gartenzwergliebende Mitbewohner stellten sich quer. So stand das Schicksal der zwei Zwerge erst drei Instanzen später fest.

Wichtel waren nicht auf Ärger aus

Vorausgesagt, bei den beiden handelte es sich um keine Frustzwerge. Das sind solche in ehrverletzenden oder beleidigenden Posen, die beispielsweise gern mal den Stinkefinger zeigen oder die Hose runterlassen. Erst recht waren sie keine Giftzwerge, sondern ganz gewöhnliche Vertreter des gemeinen Gartenzwergs bzw. nanus hortorum vulgaris, wie dessen lateinischer Name lautet. Der eine maß dabei 20 cm, der andere 25 cm von der Sohle bis zur Zipfelmütze.

Da die beiden somit weder übergroß noch auf Ärger aus waren, standen das Amtsgericht Hamburg-Harburg sowie das Landgericht Hamburg auf ihrer Seite. Doch wo Hass und Liebe aufeinander treffen, wird oft mit ganz harten Bandagen gekämpft. So musste als Nächstes das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) über die beiden Gnome entscheiden.

Den beiden fehlt der soziale Bezug

Sie mit Dummheit gleichzusetzen, so weit gingen die Richter der höheren Instanz zwar nicht. Gleichwohl gebe das im Fall anzuwendende Wohnungseigentumsgesetz (WEG) Gartenzwergen nicht automatisch grünes Licht. Denn aus dem Gebrauch gemeinschaftlichen Eigentums, um das es sich bei dem Garten handelte, dürfe anderen kein Nachteil erwachsen. Geschieht das doch, müssen davon Betroffene das nicht dulden. Dahingehend seien etwa spielende Kinder oder gelegentliche, gemeinsame Feste im Garten hinzunehmen. Gartenzwergen fehle ein solcher sozialer Bezug zur Wohnungseigentümergemeinschaft jedoch. Ausreichenden Grund, die Zwerge aus dem Garten zu vertreiben, gebe das dennoch nicht.

Ein Schrecken für Kaufinteressenten

Leuchtend rote Zipfelmützen im grünen Idyll seien aber aus anderen Gründen gefährlich: Denn dadurch leide anders als durch Gartendeko in Form von Vogeltränke und Tierplastik bereits der optische Gesamteindruck der Wohnanlage. Und dann berührten Gartenzwerge zudem nicht gerade wenige Menschen in ihren Gefühlen und seien geradezu ideologisch überfrachtet, so das Gericht. Keine Frage, da überlege sich so mancher Kaufinteressent, ob er in einer solchen Umgebung überhaupt eine Eigentumswohnung erwerben wolle. Aufgrund dieser Nachteile sei die Grenze des Zumutbaren überschritten und die Gartenzwerge müssten weichen.

(OLG Hamburg, Beschluss v. 20.04.1988, Az.: 2 W 7/87)

(GUE)

Foto : ©iStockphoto.com


aus dem Rechtsgebiet Mietrecht & Wohnungseigentumsrecht

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